Pleite zieht Kreise: Schlecker und Dayli Fall für Justiz

14. April 2016, 17:25
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Im Fall der Pleite des Großdrogisten Anton Schlecker ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Auch bei Dayli gibt es neue Gutachten

Frankfurt/Wien – Vier Jahre nach der Pleite der einst größten deutschen Drogeriemarktkette droht Firmengründer Anton Schlecker ein strafrechtliches Nachspiel. Der 71-Jährige, seine Ehefrau Christa und seine beiden erwachsenen Kinder sollen sich nach den Vorstellungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart vor Gericht dafür verantworten, dass sie noch Millionensummen aus dem Unternehmen herausgezogen haben, als dieses schon am Abgrund stand.

Auch die Pleite des österreichischen Schlecker-Nachfolgers Dayli könnte noch ein Nachspiel haben. Laut Alexander Meinschad vom Kreditschutzverband 1870 ist das von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien (WKStA) in Auftrag gegebene Gutachten zu der "Kofferaffäre" von Dayli-Chef Rudolf Haberleitner fertig – nun dürfte das Strafverfahren wegen der verschwundenen Million wiederaufgenommen werden.

Ob darüber hinaus der in Deutschland wieder relevante Schlecker-Fall auch Auswirkungen auf österreichische Pleitefälle haben wird, ist nach Aussage von Experten noch nicht absehbar.

Bekanntlich hat die TAP 09 Beteiligungs GmbH von Rudolf Haberleitner im Jahr 2012, dem Jahr der Schlecker-Pleite in Deutschland, die 886 österreichischen Schlecker-Filialen mit 3468 Beschäftigten erworben und unter dem Filialnamen Dayli bis zur Pleite 2013 weitergeführt.

Sollte man nun im Zuge eines neuen deutschen Verfahrens bei der Familie Schlecker auf Geld stoßen, hätte dies Implikationen für die TAP Dayli, deren Insolvenzverwalter der Linzer Anwalt Rudolf Mitterlehner ist. Denn die insolvente TAP Dayli hat Forderungen gegenüber der insolventen deutschen Drogeriemarktkette, erläutert Mitterlehner.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wirft in ihrer Anklage Anton Schlecker vor, vor der Insolvenz in 36 Fällen Vermögenswerte beiseitegeschafft zu haben. In dieser Lage hätte Schlecker als Alleineigentümer dem Unternehmen keine Mittel mehr entziehen dürfen, weil das Geld sonst den Gläubigern fehlt. Ein Verstoß dagegen wird juristisch als Bankrott bezeichnet. In 13 Fällen spricht die Staatsanwaltschaft sogar von besonders schwerem Bankrott. Darauf steht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Kofferaffäre neu

Dagegen ist die Kofferaffäre rund um Haberleitner fast nur ein Nebenschauplatz, der nun aber auch nochmals aufgerollt werden soll. Dabei geht es darum, dass Haberleitner bei der dringenden Suche nach zahlungskräftigen Dayli-Investoren einem Interessenten aufgesessen sein will. Auf Verlangen des Investors war Haberleitner im Frühsommer 2013 mit einem Koffer voller Geld – einer Million Euro – nach Italien gereist. Der Koffer wurde gestohlen. Das von der WKStA dazu in Auftrag gegebene Gutachten ist fertig und dürfte zu neuen Ermittlungen führen. (Johanna Ruzicka, 15.4.2016)

  • Im Frühjahr 2012 wurden die Schlecker-Filialen endgültig geschlossen. Nun interessiert sich die Staatsanwaltschaft Stuttgart dafür, was in den Monaten vor der Pleite passierte.
    foto: reuters/fabrizio bensch

    Im Frühjahr 2012 wurden die Schlecker-Filialen endgültig geschlossen. Nun interessiert sich die Staatsanwaltschaft Stuttgart dafür, was in den Monaten vor der Pleite passierte.

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