Nordsee: Sprung in ruhigere Gewässer

15. April 2016, 09:00
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Die Fischrestaurant-Kette erzielt in Österreich nach jahrelanger Durststrecke wieder Gewinne. Doch die junge Konkurrenz wächst

Wien – Acht Kilo Fisch pro Österreicher und Jahr seien nicht wirklich berauschend. Das räumt Alexander Pietsch offen ein. Er selbst esse sicher acht Kilo jeden Monat, und europaweit liege der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch bei 20 Kilo.

Pietsch arbeitete einst für den Burgerbrater McDonald's. Seit gut zwei Jahren führt er die Geschäfte der Schnellimbisskette Nordsee in Österreich. Dass der Fischkonsum hierzulande ausbaufähig ist, daran lässt er keinen Zweifel. Gelingen werde das, so hofft er, unter anderem mit Regionalität: mit Forellen, Saiblingen und Welsen et- wa von heimischen Züchtern.

Nordsee hat in Österreich stürmische Jahre hinter sich. Ende des 19. Jahrhunderts kam das deutsche Unternehmen nach Wien. Zu Zeiten, in denen noch mit eigener Fangflotte vom eigenen Hafen aus gefischt wurde. Bereits Ende der 30er-Jahre war man mit 40 Filialen in Österreich präsent. Mittlerweile sind es um sieben weniger.

Gekriselt hat es hierzulande vor allem im vergangenen Jahrzehnt. In Summe fast 40 Millionen Euro Verluste sammelten sich von 2004 bis 2013 an, geht aus den Bilanzen des Betriebs hervor. 2014 gelang der Sprung in die schwarzen Zahlen. Auch das Vorjahr war positiv, sagt Pietsch. Nordsee setze in Österreich mit 500 Mitarbeitern rund 40 Millionen Euro um. Und seit Jänner sei der Umsatz um gut zehn Prozent gewachsen.

Es waren laut Pietsch Altlasten aus der Vergangenheit, an denen der Fischanbieter knabberte: unrentable Standorte etwa, an denen zu lange festgehalten worden war. Erst jüngst wurde einer in Linz geschlossen, auch in Baden sperrten die deutschen Eigentümer zu. Auf lange Sicht will Nordsee ihre alte Größe wieder erreichen, etwa mit mehr Franchisepartnern, von de- nen es derzeit nur zwei gibt – stets aber vorsichtig und nicht mit der Brechstange, wie Pietsch betont.

Die junge Konkurrenz wächst: Systemgastronomen wie Vapiano fahren alteingesessenen Restaurants ebenso um die Ohren wie die bunte Schar an Asia- und SushiKöchen. Letztere haben zur Fischkultur mehr beigetragen als jeder andere Anbieter, meint Marktforscher Andreas Kreutzer, Chef von Kreutzer Fischer & Partner. Auch er sieht für Fisch hierzulande viel Luft nach oben. Wichtig aber sei es, Gästen keine Markthallen, sondern Erlebnisgastronomie zu bieten. Nordsee fehlt es dafür aus seiner Sicht vielfach an Fläche.

Frischekur

"Wir können uns mit dem Mitbewerb locker messen", entgegnet Pietsch. Seit 2014 sei die Hälfte der Filialen modernisiert worden. Jährlich wurden im Schnitt zwei Millionen Euro investiert; erst diese Woche eröffnete Nordsee in der Wiener Kärntner Straße neu. 2018 werde das Facelifting finalisiert.

Dass Nordsee mit ihren Fischprodukten wie vor wenigen Monaten in den deutschen auch in Österreichs Lebensmittelhandel einsteigt, schließt Pietsch nicht aus. Derzeit wartet er aber noch ab.

Die Fischrestaurant-Kette betreibt in Deutschland 317 Filialen. Eigentümer sind der Milch-Riese Müller und Heiner Kamps, der im Backwarengeschäft reich wurde. (Verena Kainrath, 15.4.2016)

  • Fisch werde zusehends aus zertifizierten Aquakulturen bezogen, versichert Nordsee – und übt sich mit regionalen Lieferanten.
    foto: apa/holger hollemann

    Fisch werde zusehends aus zertifizierten Aquakulturen bezogen, versichert Nordsee – und übt sich mit regionalen Lieferanten.

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