TTIP spaltet österreichischen Lebensmittelmarkt

14. April 2016, 17:08
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Scharfe Kritik an Gegnern aus Nahrungsmittelindustrie

Wien – "Schade ums Papier." Josef Domschitz, Vizegeschäftsführer des Verbands der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, hält die in einer aktuellen Studie prognostizierten Folgen von TTIP auf Österreich für nicht nachvollziehbar.

Von weniger Jobs und unwesentlich mehr Wertschöpfung ist in Untersuchungen des Instituts für Höhere Studien rund ums Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU die Rede. Spar-Chef Gerhard Drexel warnte vor einer Flut an mit Hormonen und Chemie versehenen und gentechnisch veränderten Lebensmitteln aus den Staaten nach Österreich.

Er verstehe nicht, wie man sich, ohne dass es Verhandlungsergebnisse gebe, derart gegen TTIP wehren könne, sagt Domschitz im Gespräch mit dem STANDARD. "Österreichs Agrar- und Nahrungsmittelbranche geht ohne Exporte den Bach hinunter." Die USA seien der drittgrößte Lebensmittelmarkt der Welt. Und jeder bessere Zugang dorthin helfe dabei, Arbeitsplätze in Österreich abzusichern.

Derzeit sei man in den USA mit aufwendiger Registrierung, Zertifizierung und hohen Zöllen konfrontiert. US-Fleischexporte seien Österreich gänzlich verwehrt.

Er finde in der Studie im Übrigen keine Hinweise, ergänzt Domschitz, ob es mit TTIP zu einer totalen Öffnung der Märkte käme – mit einem Wegfall aller Handelshemmnisse und dem Abbau von Qualitäts- und Hygienestandards.

TTIP für eine Strukturveränderung verantwortlich zu machen, die seit Jahren im Gange sei, hält er für fahrlässig. So gingen in Österreich in Lebensmittelindustrie und -gewerbe von 2010 bis 2014 knapp 100 Betriebe verloren. Zeitgleich büßte die Biobranche 1245 Unternehmen, der gesamte Agrarbereich gut 7000 ein. Im selben Zeitraum bauten Spar, Rewe und Hofer ihre Marktmacht von weniger als 80 auf mehr als 85 Prozent aus, rechnet Domschitz vor. Die Verluste seien nur dank höherer Exporte minimiert worden. Dass mit TTIP billiges US-Fleisch Österreich überrollt, bezweifelt er: Für sensible Produkte würden stets Kontingente verhandelt. (vk, 15.4.2016)

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