Diskussion um Glaubwürdigkeit, Fake-Postings, Filterblase

14. April 2016, 17:19
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Nachfrage nach "distanzierter aufgeklärter Information" groß – Deutsche Korrespondenten orten "Beißhemmung" in Österreich

Wien – Die dritte Ausgabe der Österreichischen Journalismustage steht ganz im Zeichen der Glaubwürdigkeit der Medien. Namhafte heimische Journalisten diskutierten am Donnerstag darüber, warum das Vertrauen bröckelt und wie es zurückgewonnen werden kann. Einigkeit herrschte in der Frage, dass Blogs und Soziale Netzwerke eine entscheidende Rolle spielen.

"Falter"-Chefredakteur Florian Klenk erzählte von einem Facebook-Posting, in dem eine Frau behaupte, von einem Flüchtling bedrängt worden zu sein. Diese "Räubergeschichte" sei in den Sozialen Netzwerken regelrecht explodiert, aber auch sein Blogeintrag, in dem er die Geschichte widerlegte, sei tausendfach geteilt worden, schilderte Klenk. Er ortet trotz "Lügenpresse"-Vorwurf und Co. eine große Nachfrage "nach distanzierter, aufgeklärter Information".

Das bestätigte auch Puls 4-Infochefin Corinna Milborn. Die Factchecking-Videos würden am häufigsten geteilt. Eines der Grundprobleme sei aber die Filterblase im Internet, die zu einer selektiven Wahrnehmung führe. Wenn man auf Facebook bestimmten Gruppen oder Leuten folge, "bewegt man sich in einer geschlossenen Welt", sagte Milborn.

Deutsche Korrespondenten orten "Beißhemmung" in Österreich

Scharfe Kritik an der österreichischen Journalistenszene übten die beiden Österreich-Korrespondenten Cathrin Kahlweit von der "Süddeutschen Zeitung" und Hans-Peter Siebenhaar vom "Handelsblatt". Jeder kenne jeden, das führe zu einer "Beißhemmung" gegenüber der Politik. "Ein Erwin Pröll würde in Deutschland stärker angefasst", kommentierte Kahlweit die jüngste – vom niederösterreichischen Landeshauptmann ausgegangene – ÖVP-Rochade. Siebenhaar dehnte die Beißhemmung auf Unternehmen aus und verwies darauf, dass die Raiffeisen Bank International (RBI) wegen Panama-Papers derzeit Ermittler der Finanzmarktaufsicht (FMA) im Hause habe. Trotzdem würde von Journalisten nicht versucht herauszubekommen, ob es eine Verwicklung gibt oder nicht. (APA, 14.4.2016)

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  • Milborn: Eines der Grundprobleme sei die Filterblase im Internet, die zu einer selektiven Wahrnehmung führe.
    foto: apa/dpa/patrick pleul

    Milborn: Eines der Grundprobleme sei die Filterblase im Internet, die zu einer selektiven Wahrnehmung führe.

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