Vorarlberg: Plastikabfälle und Stallmist als Dünger auf Riedwiesen

14. April 2016, 16:46
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In Lustenau wurde Müll nicht nur illegal vergraben, sondern quasi als Dünger auf Felder aufgebracht. Die Grünen fordern ein Bodenschutzgesetz

Bregenz – Abwarten, lautet die Devise der Vorarlberger ÖVP nach dem zweiten Kontrollausschuss zu dubiosen Machenschaften bei dem Abfallunternehmen Häusle. Zuerst müssten die Ergebnisse der Ermittlungen auf den Tisch, dann könne man über politische Verantwortung reden, sagte der schwarze Umweltsprecher Bernhard Feuerstein nach dreistündiger Beratung am Donnerstag.

Noch ist unklar, seit wann bei dem Entsorgungs- und Recyclingbetrieb Illegales passiert. Die Gesellschafter der Firma, alle Player der Vorarlberger Abfallwirtschaft, verweigerten auch bei diesem Ausschuss die Teilnahme.

Mist mit Plastikteilen

Zu Wort kamen Umweltexperten des Landes, die keine Umweltgefährdung sehen, und Zuständige der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn. Dort ist man seit Jahren mit Strafverfahren gegen die Firma konfrontiert. Bei dieser Behörde ist auch seit längerem bekannt, dass auf Lustenauer Riedwiesen Kunststoffabfälle ausgebracht werden.

Bereits 2012 wurde in Lustenau offensichtlich, dass ein Bauer seine Wiese mit einem Gemisch aus Stallmist und Plastikschredder "düngt". Nun wurde auch auf Gründland in der Nachbargemeinde Hohenems Kunststoffmüll gefunden. Ausgebracht von Bauern, die sich die Schredderware, Abfälle aus der Skiproduktion, bei Häusle gratis als Einstreu holen. Wodurch sich die Müllfirma wohl 100 Euro Entsorgungskosten pro Tonne spare, schätzt der grüne Umweltlandesrat Johannes Rauch.

Kein Bodenschutzgesetz

Rauch bedauert, keine gesetzliche Handhabe gegen solche Machenschaften zu haben, es fehle ein Bodenschutzgesetz. Nach aktueller Gesetzeslage ist das mit Stallmist vermengte Plastik ein Produkt, kein Abfall. Grünen-Klubobmann Adi Gross ist empört: "Jeder Bürger wird bestraft, wenn er eine Plastikflasche wegwirft."

Einer der Abnehmer des Kunststoffs war ein Schweizer Bauer mit Wiesen in Vorarlberg. Er exportierte 1.100 Tonnen in die Schweiz, einen Teil importierte er wieder. Wie bei den illegalen Mülldeponien bei der Firma Häusle selbst blieb die Frage nach dem Nutzen für die Täter auch in diesem Ausschuss offen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. (Jutta Berger, 14.4.2016)

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