Maschek: Drüberreden – und auf das Allerschlimmste wetten

14. April 2016, 16:26
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Premiere von "Fake! – In Wahrheit falsch" im Rabenhof

Wien – Die Synchronisationskünstler von Maschek haben den Hinweis auf Fake! gar nicht nötig. Längst hat ihre politische Satire über Verhältnisse, die wir seufzend als unsere eigenen wiedererkennen, die Oberhand gewonnen. Aus einer simplen Geschäftsidee ist eine praktisch unfehlbare Methode geworden.

Entlarvt wird von Peter Hörmanseder und Robert Stachel das öffentliche Reden. Gesucht wird im Wiener Rabenhof die Haltlosigkeit, die sich in potenziell törichten Wortmeldungen prominenter Menschen offenbart. Personen öffentlichen Interesses besitzen grundsätzlich ein Anrecht darauf, von allen gehört zu werden. Auf der Vorstellung eines möglichst umfassenden Interesses an Information basiert auch das Konzept unserer Demokratie. Gemeint sind Köpfe, die sprechen; in grob aufsteigender Linie zum Beispiel: Merkel, Putin, Juncker, Strache, Mikl-Leitner, Kurz, aber auch Herbert Prohaska oder Marcel Koller.

Realität als Abziehbild

Maschek braucht auch in seinem neuen Programm nicht zu suchen. Die TV-Kameras sind ja immer schon vor ihnen dort gewesen. Daher finden sich auch immer Tonspuren, die sie doubeln oder eben "faken" können.

Ihr wunderbar vergnügliches Programm Fake! – In Wahrheit falsch trägt kaum zur Gewinnung neuer Erkenntnisse bei. Die durch Stimmeneinsatz erzeugten Handlungsträger wie Werner Faymann oder Angela Merkel klingen bei Maschek so, als wären ihre realen Entsprechungen bereits die akustischen Abziehbilder. Ein viel größeres Kompliment kann man Satirikern gerade in den Tagen der Böhmermann-Debatte eigentlich kaum machen.

Ereignisse, die so nie kommen werden

Als fruchtbar erweist sich auch die Mühe, ein regelrechtes Buch mit Gags und retardierenden Elementen zusammengezimmert zu haben. Wie Inseln schwimmen im Fluss der Handlung Sketches, die man bereits in der ORF-Sendung Willkommen Österreich gehört hat. Heraus kommt ein ganzer Cluster von zukünftigen Ereignissen, die so zwar nie stattfinden werden. Vorderhand legt sich die Wirklichkeit aber tüchtig ins Zeug, um dorthin zu gelangen, wo sie Maschek – nicht nur zu unser aller Bestem! – bald angekommen wähnt.

Die Frage, ob H.-C. Strache wirklich bald die absolute Mehrheit auf sich und die FPÖ vereinigen wird, geht im Trubel der Ereignisse fast unter. Die akustischen Eindrücke von den EU-Gipfeln in Brüssel offenbaren andere Kuriositäten: Jean-Claude Junckers Trinkgewohnheiten etwa oder einen Faymann, der in 30 Jahren das Gesicht von Peter Simonischek haben und den lieben Österreichern einen schönen Ramadan wünschen wird. Maschek ist nichts unmöglich, und das ist eine zwerchfellerschütternd gute Nachricht. (Ronald Pohl, 14.4.2016)

  • Peter Hörmanseder (li.) und Robert Stachel sind Maschek.
    foto: matthias cremer

    Peter Hörmanseder (li.) und Robert Stachel sind Maschek.

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