Greenpeace-Test: 14 Tage abgelaufene Lebensmittel unbedenklich

15. April 2016, 07:00
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Joghurt, Käse, Backwaren und Salami sind weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus genießbar, zeigt eine Greenpeace-Analyse

Wien – Fast alle Lebensmittel werden vom Hersteller mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) versehen. Das heißt keineswegs, dass Tiefkühlpizza, Kuchen, Eier und Joghurt nicht mehr zum Verzehr geeignet sind, wenn das angegebene Datum überschritten ist, wie eine Untersuchung der Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigt.

Genau genommen ist das MHD kein Verfallsdatum, sondern eine Garantie des Herstellers für bestimmte Qualitätseigenschaften wie Geschmack, Geruch, Farbe, Konsistenz und Nährwert. "Leider kommt es hier sehr oft zu Missverständnissen. Konsumentinnen und Konsumenten sehen das Datum und denken, das Produkt sei verdorben", sagt Nunu Kaller, Konsumentensprecherin von Greenpeace in Österreich. "Dies ist aber sehr oft nicht der Fall, selbst bei Frischeprodukten wie Eiern oder Käse."

Greenpeace hat nun die Probe aufs Exempel gemacht: Die Umweltschutzorganisation beauftragte das Lebensmittellabor LVA in Klosterneuburg damit, zehn Produkte (Käse, Eier, Salami, Joghurt und verpackte Backwaren wie Kuchen) unter den vom Hersteller empfohlenen Bedingungen zu lagern und 14 Tage nach Ablauf des MHD sowohl mikrobiologisch also auch sensorisch nach Aussehen, Geruch und Geschmack zu untersuchen.

"Schauen, riechen, schmecken"

Das Ergebnis: "Die Produkte entsprachen mikrobiologisch den Bestimmungen für Lebensmittel und zeigten keine Auffälligkeiten", sagt Kaller. Lediglich ein Käse wurde im Geschmackstest als schwach bitter beschrieben, mikrobiologisch war aber auch dieses Produkt trotz des abgelaufenen MHD einwandfrei.

Greenpeace zufolge ist das MHD bei vielen Produkten generell nicht sinnvoll: "Trockenprodukte wie Reis, Tee oder Nudeln halten oft Jahre länger als auf dem Datum angegeben. Konsumenten, die sich auf dieses Datum verlassen, werfen daher häufig Produkte, die noch völlig in Ordnung sind, in den Müll", so Kaller.

Die Umweltschutzorganisation rät Konsumenten dazu, Lebensmittel vor der Entsorgung zu überprüfen. Dabei gilt die Reihenfolge: "Schauen, riechen, schmecken". Zuerst wird die Optik untersucht: Hat sich das Produkt verfärbt oder sich Schimmel gebildet? Wölbt sich der Deckel? Falls nicht, folgt der Geruchstest. Verläuft auch der unauffällig, darf gekostet werden. Schmeckt es normal, kann man davon ausgehen, dass das Produkt noch in Ordnung ist.

Petition gegen Lebensmittelverschwendung

Das MHD ist zu unterscheiden vom Verfalls- oder auch Verbrauchsdatum, das bei einigen besonders empfindlichen Lebensmitteln wie Faschiertem und Frischfisch angebracht wird. Produkte, deren Verbrauchsdatum überschritten ist, sollten tatsächlich nicht mehr verzehrt werden, so Greenpeace.

Laut der Organisation landen in Österreich jedes Jahr mindestens 700.000 Tonnen Lebensmittel im Müll. Mehr als ein Drittel davon werfen Privathaushalte weg. "Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von übermäßigem Einkauf durch Angebote bei Mehrfachpackungen über eine Unkenntnis des Mindesthaltbarkeitsdatums bis hin zu falscher Lagerung der Produkte", sagt Kaller.

Greenpeace fordert deshalb "gesetzliche Rahmenbedingungen, die unser Essen vor dem Mist retten. Es braucht einen konkreten österreichweiten Umsetzungsplan zur Halbierung der Lebensmittelabfälle bis zum Jahr 2030." (red, 15.4.2016)

  • Viele Lebensmittel landen im Müll – obwohl sie noch unbedenklich verspeist werden könnten, zeigte eine Analyse von Greenpeace.
    foto: apa/dpa/patrick pleul

    Viele Lebensmittel landen im Müll – obwohl sie noch unbedenklich verspeist werden könnten, zeigte eine Analyse von Greenpeace.

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