"Der Uhudler darf endlich ein Wein sein"

14. April 2016, 15:04
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Burgenlands Kulttrunk ist nun großteils frei auspflanzbar – Landesrätin Dunst: "Wir lassen uns den Uhudler nicht nehmen"

Eisenstadt – "Es ist", erklärte SP-Landwirtschafts-Landesrätin Verena Dunst am späteren Mittwochnachmittag, "ein großer Tag fürs Südburgenland." Die Landesregierung habe da nämlich beschlossen, den bislang durch allerlei Markt- und Weinverordnungen geschurigelten Uhudler rechtliche Weineigenschaften zuzusprechen.

Neun Uhudlersorten erwiesen sich beim genaueren Hinschauen nämlich als mit der kelterfähigen Vitis vinifera gekreuzt, somit als quasi uneheliche Kinder der vom Weingesetz gehätschelten Sorten.

"Der Uhudler", so die Landesrätin, "darf endlich ein Wein sein." Die von der ÖVP bisher präferierte Lösung, den Uhudler als Obstwein zu deklarieren, wird nun nur noch für "unedle", rein amerikanische Sorten wie Othello, Isabelle oder Clinton ins Auge gefasst.

Befeuert wurde die regierungsamtliche Umtriebigkeit, als neu ausgepflanzte Rebflächen mit einem Rodungsbescheid belegt wurden, weil dies der EU-Marktordnung zuwiderlief. Genetische Untersuchen ergaben allerdings nicht nur, dass die südburgenländischen Leitsorten Ripatella und Concord ident, sondern auch Edelkreuzungen sind.

Mit 50 von 13.000 Hektar ist der Uhudler ökonomisch nicht wirklich sehr bedeutsam. Aber (Stichwort Kultgetränk) identitätsstiftend. Und nunmehr europaweit bekannt. Auch durch den regionalen Widerstand gegens Brüsseler Diktat. "Wir", so Dunst über ihre Landesleute, "lassen uns den Uhudler nicht nehmen." (wei, 14.4.2016)

  • Die burgenländische Landwirtschafts-Landesrätin Verena Dunst (SPÖ) feierte die Kunde mit einem gut eingeschenkten Achterl. "Wir lassen uns den Uhudler nicht nehmen."
    foto: bgld. landesmedienservice / martin klikovits

    Die burgenländische Landwirtschafts-Landesrätin Verena Dunst (SPÖ) feierte die Kunde mit einem gut eingeschenkten Achterl. "Wir lassen uns den Uhudler nicht nehmen."

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