Conchitas Tourstart: Wurst ist mein Gemüse

14. April 2016, 14:42
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Im Wiener Porgy & Bess begann die ausverkaufte Tour der Song-Contest-Siegerin

Wien – Da hatte sie ja wieder ziemlich was zu tun in der letzten Zeit: ein Konzert mit dem Sydney Symphony Orchestra in der dortigen Oper gesungen, in Wien von Dagmar Koller einen Amadeus bekommen und in Berlin Helene Fischer zwei Echos überreicht – unverwüstliche Entertainment-Ikonen unter sich.

Nach dem Sieg beim Song Contest 2014 schien es bisweilen so, als ob die Strahlkraft der Kunstfigur Conchita (geb. Wurst) größer sei als die der Sängerin – ihrem 2015 erschienenen Studioalbum Conchita war außerhalb ihres Geburtslandes eine eher leise Resonanz beschieden.

Nun will sie es also wieder wissen: Die Künstlerin, für deren Sendungsbewusstsein Fußballstadien als Auftrittsorte zu klein scheinen, besingt in zwölf Städten in Österreich, Deutschland und der Schweiz kleine bis mittelgroße Säle (alle ausverkauft). Statt vom Band kommt die Begleitung ausnahmsweise "von einer wirklichen Band", wie Christoph Huber, der Hausherr des unterirdischen Tourstartorts in der Wiener Innenstadt, lobend anmerkte.

Vorbilder mit Herz

Und so quetschten sich am Mittwochabend im Porgy & Bess die Conchita-Fans dicht an dicht und liefen von der ersten Sekunde an heiß: Kreisch! Knips! Film! Die Künstlerin erschien in hochhackigen Lederstiefelhosen, die unter einem Zebrastreifenmantel verendeten, und bot einen Mix aus Nummern aus ihrem Album und einigen kunstpersönlichen Lieblingssongs.

Eröffnet wurde – ungewöhnlich – mit melancholischem Herzschmerz: "Where Do I Begin" war interpretatorisch zwischen ohnmachtsnahem Falsett und Ich-sing-den-Laden-hier-zu-Kleinholz-Power à la Shirley Bassey aufgespannt – wie eigentlich alle ihre Nummern. Mit "Goldfinger" bekannte sich Conchita dann auch unverblümt zu ihrem großen Stimmvorbild, "Believe" widmete sie ihrer Stylingberaterin Cher. Und dann kam sogar noch Céline Dion zu Ehren, mit – ja, jetzt echt – "My Heart Will Go On".

Beängstigend gut

An den Zwischenmoderationen könnte die bekennende Perfektionistin noch ein wenig feilen (die Ricky-Martin-Geschichte ein wenig kürzen, zum Beispiel), aber von ein paar wenigen Intonationstrübungen abgesehen war an Conchita eigentlich alles beängstigend gut: Die Begriffe Souveränität und Professionalität sind wahrscheinlich für sie erfunden worden. Schwitzt sie eigentlich jemals? Wenn ja, dann höchstens stilles Mineralwasser. Um die Glamour-Ikone und Posing Queen herum werkten vier junge Musiker männlichen Geschlechts und Gewandes mit der Strahlkraft von Baumarktverkäufern auf sehr gutem Schülerbandniveau.

Vor der Schlussnummer richtete Conchita noch einen Appell an ihr Publikum, pardon – ihre "Hasenkinder": "Seid lieb zueinander!" Es folgte "You Are Unstoppable", Vater Neuwirth gratulierte allen Bandbuben mit Handschlag, und nach 90 Minuten wurde mit "Rise Like A Phoenix" und einem Gruppenselfie finalisiert. Guten Flug! (Stefan Ender, 14.4.2016)

  • Im Zebrastreifenmantel für ihre "Hasenkinder": Conchita auf Tour.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

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