Busek für Griss: ÖVP-Stimmen fordern Parteiausschluss

14. April 2016, 17:19
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Der ehemalige ÖVP-Chef hält Andreas Khol für zu alt. Gabriele Tamandl und die ÖVP Burgenland fordern deshalb seinen Ausschluss

Wien – In der ÖVP mehren sich die Stimmen für einen Parteiausschluss von Erhard Busek. Der ehemalige ÖVP-Obmann hat am Donnerstag seine Unterstützung für die unabhängige Kandidatin Irmgard Griss öffentlich gemacht. "Wenn Busek einen letzten Funken Anstand hat, legt er die Parteimitgliedschaft von sich aus zurück", hieß es daraufhin vom Obmann der burgenländischen ÖVP, Thomas Steiner.

Die Unterstützung Buseks für Griss sei parteischädigendes Verhalten. Ebenso sieht das die Nationalratsabgeordnete Gabriele Tamandl. "Mir gehen die Zurufe vom Politischen Ausgedinge schon so auf den Wecker", schreibt sie in einem Kommentar auf Facebook.

Busek hatte seine Unterstützung für Griss auch damit begründet, dass der Kandidat seiner Partei, Andreas Khol, zu alt "für das Geschäft" sei. Es sei nicht sicher, ob er zwei Amtsperioden durchhalte, die ÖVP-Führung habe mit seiner Kandidatur einen Fehler gemacht. Ein fähiger Bundespräsident sei ihr lieber, als ein junger, unfähiger, der von Politik nichts verstehe, argumentierte Tamandl.

Im Wahlkampfteam des ÖVP-Kandidaten verweist man darauf, dass sich bereits 2600 Unterstützer namentlich für Andreas Khol deklariert hätten, das seien mehr, als alle anderen Kandidaten haben. "Wir können auf Herrn Busek verzichten".

Der Wiener ÖVP-Chef Gernot Blümel beschwichtigt: "Ich bin nicht dafür zu haben durch Aufregung die Aufmerksamkeit für einzelne, persönliche Wahlentscheidungen zu erhöhen", lässt er dem STANDARD ausrichten. Nachsatz: "Ganz prinzipiell: Ich persönlich bin ein absoluter Fan von Loyalität – insbesondere gegenüber der ÖVP."

ÖVP-Generalsekretär Peter McDonald reagierte knapp, kündigte aber Konsequenzen an. "Die Aussage von Erhard Busek disqualifiziert sich von selbst. Wir lassen uns durch llloyalitäten nicht vom Wahlkampf ablenken und werden uns nach der Wahl intern damit auseinander setzen."

Unterstützung vom Neos-Obmann

Ebenfalls in Griss‘ Personenkomitee vertreten ist Neos-Obmann Matthias Strolz. Er sei ein Fan der Präsidentschaftskandidatin und unterstütze sie aus "persönlichem Engagement", sagte Strolz.

Das wiederum will ÖVP-Generalsekretär McDonald nicht so recht glauben. Griss wolle ihre Wähler für dumm verkaufen, wenn sie sich selbst als parteiunabhängig bezeichne. "Seit Monaten ist bekannt, dass die Neos einen Wahlsieg der Dame favorisieren, und ihren Wahlkampf personell unterstützen", sagte McDonald.

Dass die Neos sich für Griss und den Grünen Kandidaten Alexander Van der Bellen – "in dieser Reihenfolge" erwärmen können, sei ja kein Geheimnis, so Strolz bei einer Pressekonferenz. Die Pinken wünschen sich eine Stichwahl zwischen diesen beiden und seien dafür belächelt worden – "heute stehen wir ganz kurz vor dieser Paarung. Und wer diese Paarung will, muss Griss wählen."

Verwirrung um Buseks Präferenz

Inhaltlich überzeugt Griss den Neos-Obmann unter anderem mit ihren bildungs- und europapolitischen Positionen. Außerdem sei die Zeit reif für eine Frau als Staatsoberhaupt. "Ich freue mich, Sie unterstützen zu können. Ich bin seit Beginn Ihrer Kandidatur ein Fan", sagte Strolz zu Griss.

Busek relativierte seine jüngst vermeldete Ankündigung, in der Stichwahl für Alexander Van der Bellen zu stimmen. Das habe er vor allem für jenen Fall gemeint, dass der Grüne am 22. Mai gegen den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer antreten sollte – "wegen Europa". Griss' Eintreten für ein "starkes Europa" ist für Busek denn auch die Hauptmotivation, sie zu unterstützen, er hielt aber zugleich fest: "Ich gebe keine Wahlempfehlungen ab." (koli, völ, pm, APA, 14.4.2016)

  • Buseks Bild wurde im Jänner 2016 in der ÖVP-Zentrale verkehrt herum aufgehängt – Siehe Photoblog von Matthias Cremer
    foto: standard/cremer

    Buseks Bild wurde im Jänner 2016 in der ÖVP-Zentrale verkehrt herum aufgehängt – Siehe Photoblog von Matthias Cremer

  • Erhard Busek (li.) und Matthias Strolz wollen, dass Griss Bundespräsidentin wird.
    foto: standard/corn

    Erhard Busek (li.) und Matthias Strolz wollen, dass Griss Bundespräsidentin wird.

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