Forschern gelang Allergie-Prophylaxe im Tierversuch

14. April 2016, 13:56
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Wissenschafter der MedUni Wien konnten Allergene an weiße Blutkörperchen binden und in den Organismus eingeschleusen

Wien – Forschern der MedUni Wien ist es gelungen, Allergene an körpereigene weiße Blutkörperchen zu binden, um bei einem zukünftigen möglichen Kontakt mit dem betreffenden Allergen eine Toleranzreaktion auszulösen. Die Ergebnisse im Tiermodell geben Anlass zur Hoffnung, dass es künftig möglich sein könnte, Allergien noch vor dem Auftreten zu verhindern, teilte die MedUni am Donnerstag mit.

Die Wissenschafter bedienten sich dazu einer Methode, die eigentlich in der Transplantationsmedizin eingesetzt wird – nämlich das Auslösen einer immunologischen Toleranzreaktion für das Spenderorgan. Dementsprechend ist die Studie – publiziert im Magazin EBioMedicine, einem Ableger des "Lancet"-Journals – in Kooperation mit der Universitätsklinik für Chirurgie mit dem Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung entstanden.

"Trojanisches Pferd" eingeschleust

Das zentrale Ergebnis: Die Mäuse, deren weiße Blutkörperchen mit den jeweiligen Allergenen – das sind Proteine, auf die das Immunsystem bei einer Allergie verstärkt reagiert – verbunden wurden, blieben nachhaltig resistent.

Zuerst werden dafür die weiße Blutkörperchen entnommen, mit dem Allergen "versetzt" und mit einem Biologikum, das aus der Rheumatologie bekannt ist (Wirkstoff Abatacept) sowie einem Mittel aus der Immunsuppression und Onkologie (Sirolimus) wieder in den Organismus injiziert.

Das derart eingeschleuste Allergen schlummert nach Angaben der MedUni praktisch wie ein "trojanisches Pferd" auf der Zelle. Kommt es dann zu einem Kontakt mit dem Allergen, etwa mit Gräserpollen, ist der Körper immun gegen diesen "Angriff" von außen.

Allergie nicht entstehen lassen

"Die nachhaltige Wirkung erweckt Hoffnung auf unsere Vision eines lebenslangen Schutzes vor Allergien mit nur einer einzigen Impfung. Für einen klinischen Einsatz ist es aber noch viel zu früh", sagt Thomas Wekerle, Experte für Transplantationsimmunologie. Es seien vielmehr weitere jahrelange Studien notwendig. Generell könnten zunächst Risikogruppen geimpft werden – zum Beispiel Kinder, deren Eltern an Allergien leiden. Ziel der Forscher ist es, die Allergie überhaupt nie zum Ausbruch kommen zu lassen, um mögliche Folgen wie etwa schweres Asthma zu verhindern.

In Österreich leidet etwa jeder Fünfte an einer Allergie, Tendenz steigend. "Es beginnt oft mit einem Heuschnupfen, führt aber sehr oft zu Asthma", erklärt der Allergieforscher Rudolf Valenta. Das Praktische sei, dass es sozusagen eine Landkarte der Allergene gibt, ergänzt der Experte. "Man weiß ganz genau, welche Allergene bei einer Allergie wirken, daher könnte man das nützen, um die Zellen ganz gezielt zu immunisieren und tolerant zu machen." (APA, 14.4.2016)

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