Für Monsieur: Chanel kann auch Herrenuhren

12. Mai 2016, 15:30
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Das für Damenuhren bekannte Luxuslabel präsentierte auf der Baselworld nicht nur seine erste Herrenuhr, sondern auch sein erstes hauseigenes Kaliber

Vergangenes Jahr noch beantwortete Nicolas Beau, bei Chanel als International Watch Director für Uhren zuständig, die Frage, ob man auch eine Herrenuhrenlinie plane, so: "Wir schätzen, dass wir rund 15 Prozent männliche Kunden haben. Damit sind wir zufrieden. Wir arbeiten nicht nach Marketinggesichtspunkten: Das heißt, wir definieren keine Zielgruppe, auf die wir unsere Produkte hin maßschneidern." (nachzulesen im Rondo Exklusiv vom 11. 11. 2015)

Seitdem ist ein bisschen Wasser die Seine hinuntergeflossen und die Franzosen habe es sich – so scheint's – anders überlegt. Vielmehr trifft zu, dass man schon damals eifrig an jener Herrenuhr arbeitete, die sich auf der Baselworld 2016 als "Monsieur de Chanel" manifestierte. Denn die Entwicklungszeit wird mit fünf Jahren angegeben.

foto: chanel
Zwischen Dresswatch und Regulator: Die prominent platzierte retrograde Minute und die springende Stunde in Form einer digitalen Anzeige bei 6 Uhr.
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Immerhin ist das Haus konsequent, was die von Beau angesprochenen Marketinggesichtspunkte betrifft: Während ein Großteil der alteingesessenen Uhrenmarken heuer Zeitmesser für Frauen forciert, geht man bei Chanel eben in die dem Zeitgeist entgegengesetzte Richtung.

Retrograd und springend

Mit dem "Calibre 1" (Handaufzug) steckt zudem das erste vollständig im Haus entworfene und produzierte Werk in der "Monsieur". Sieht man sich die Komplikationen an – ganz prominent: die retrograde Minute und die springende Stunde in Form einer digitalen Anzeige bei 6 Uhr – so wird auch klar, was einen Gutteil der fünf Jahre Entwicklungsarbeit beansprucht hat. Der Clou: hier springt nicht nur zu jeder vollen Stunde die Stundenscheibe einen Schritt weiter, sondern auch der Minutenzeiger zurück auf Null. Zwei Federhäuser sorgen für die nötige Energie und eine Gangreserve von 72 Stunden.

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Das Calibre 1 in voller Pracht
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Gebaut wurde es in der eigenen Schweizer Manufaktur. Dafür wurde Romain Gauthier, ein begnadeter unabhängier Uhrmacher ins Boot geholt. Insgesamt sind 170 Komponenten in der Konstruktion verbaut, Chanel besitzt für das Kaliber zwei Patente. Es soll, laut Nicolas Beau, der Motor weiterer Entwicklungen sein.

Angenehme 40 Millimeter misst der Zeitmesser, der irgendwo zwischen Dresswatch und Regulator angesiedelt ist. Das Goldgehäuse, dessen Farbe Chanel Beige Gold nennt, kostet 31.500 Euro. Die Version in Rotgold gibt es für 33.000 Euro. (max, 12.5.2016)

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