Johannes Artmayr: "Die Küche löst das Auto als Statussymbol ab"

18. April 2016, 09:00
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Der Mühlviertler Betrieb Strasser Steine ist größter mitteleuropäischer Hersteller für Natursteinarbeitsplatten, vor allem für Küchen

Wien / St. Martin – Der Bedarf an Luxusküchen war dem Mühlviertler Spezialist für Küchenarbeitsplatten bekannt. Die Erkenntnis, dass für die Herstellung einer steinernen Highend-Küche mehr Naturstein- als Möbelkompetenz gefragt ist, gab den entscheidenden Anstoß: Vergangenes Jahr beschritt der Natursteinverarbeiter Strasser Steine neue Wege und brachte eine Edelkücheninsel aus Eigenentwicklung auf den Markt.

Bis 2020 wird ein jährlicher Absatz von etwa 250 Exemplaren erwartet, denn mit einem Preis von bis zu 65.000 Euro sind diese für einen elitären Käuferkreis bestimmt. Der Küchenindustrie wolle man damit keinesfalls Konkurrenz machen, versichert Geschäftsführer Johannes Artmayr. Der Vertrieb erfolgt weiterhin über den Küchenfachhandel.

Der Betrieb mit Sitz in St. Martin ist der größte Hersteller für Natursteinarbeitsplatten in Mitteleuropa. Im vergangenen Jahr konnte Strasser Steine seinen Umsatz um 10,8 Prozent auf 23,5 Millionen Euro steigern.

Damit wächst das Unternehmen mehr als geplant – trotz des schwierigen Umfelds, wie Artmayr sagt. Denn allgemein kann man im Bereich Naturstein nicht von einem Boom sprechen. Erst zu Beginn des Jahres meldete die steirische Firma Sölker Marmor Insolvenz an.

Auch Strasser Steine war zahlungsunfähig, als Artmayr den Familienbetrieb vor mehr als zehn Jahren übernahm. Unter dem Mondseer, der zuvor beim Haushaltsgerätehersteller Miele vom Trainee zum Geschäftsführer aufgestiegen war, spezialisierte sich der Betrieb zunehmend auf Arbeitsplatten.

In Österreich beherrscht Strasser Steine mittlerweile 70 Prozent des Marktes für Küchenarbeitsplatten. Daneben werden Steine für die Innen- und Außenraumgestaltung vertrieben sowie Grabsteine und Denkmäler. Die wichtigsten Exportmärkte sind Deutschland, die Schweiz und Tschechien. Deutschland ist mit Abstand der größte Küchenmarkt in Europa: Jährlich wird eine Million Küchen verkauft.

Schlüsselmarkt Deutschland

Um auch dort flächendeckend präsent zu sein, gründete Strasser Steine im vergangenen Jahr eine eigene Vertriebsniederlassung in Kösching bei Ingolstadt. Dabei wurde ein deutscher Betrieb mitsamt seiner auf Küchenplatten geschulten Vertriebsmannschaft übernommen.

Der derzeitige Exportanteil von 14 Prozent soll sich heuer verdoppeln. Dass die Kapazitäten vorhanden sind, ist dem Ausbau des Natursteinwerks am Unternehmenssitz in St. Martin geschuldet. Dafür nahm der Betrieb 2013 rund sechs Millionen in die Hand.

Produziert wird also in Österreich, das Rohmaterial bezieht Strasser Steine jedoch aus aller Welt. Derzeit findet man die schönsten in Steine in Brasilien und Indien, sagt Artmayr. Ob es denn keine österreichische Bezugsquelle gebe? Laut Artmayr durchaus. Im Mühlviertel würde sogar Granit abgebaut, welcher jedoch aufgrund seiner Optik ungeeignet sei.

Hingegen gebe es wunderschönes Gestein in Chile, Madagaskar und Namibia, schwärmt Artmayr. Strasser Steine möchte in Zukunft seltene Natursteinarten exklusiv anbieten. Zu diesem Zweck ist seit vergangenem Jahr ein "Steinscout" weltweit unterwegs, der bestehende Lieferanten überprüft und nach unentdeckten Natursteinen fahndet.

Denn Ziel ist es, die europäische Nummer eins bei Stein in der Küche zu werden, sagt Artmayr. Dabei komme dem Betrieb zugute, dass "die Küche das Auto als Statussymbol ablöst". Naturstein erlebe eine "Sonderkonjunktur", denn der Trend gehe eindeutig in Richtung hochwertige Küche. Dann schmunzelt er ob der Bezeichnung des 300 Millionen Jahre alten Materials als "Trend". (Elena Pramesberger, 18.4.2016)

  • Der österreichische Marktführer bei Stein in der Küche möchte auch in Europa die Nummer eins werden. "Naturstein erlebt eine Sonderkonjunktur", sagt Strasser-Steine-Chef Johannes Artmayr.
    foto: strasser steine

    Der österreichische Marktführer bei Stein in der Küche möchte auch in Europa die Nummer eins werden. "Naturstein erlebt eine Sonderkonjunktur", sagt Strasser-Steine-Chef Johannes Artmayr.

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