Frankreich verzichtet bei EM auf Benzema

13. April 2016, 19:57
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Herber Schlag für Real-Madrid-Star – Verband verweist auf andere Gründe als Leistung

Paris – Karim Benzema wird die EM 2016 im eigenen Land wegen seiner Verwicklung in eine Erpressungsaffäre verpassen. Der 28-jährige Stürmer von Real Madrid werde nicht berücksichtigt, teilte der französische Verband (FFF) am Mittwoch mit. Dessen Präsident Noel Le Graet und Teamchef Didier Deschamps hätten das gemeinsam beschlossen.

Vorwurf der Erpressung

Benzema wird beschuldigt, bei einer Erpressung seines Nationalteam-Kollegen Mathieu Valbuena als Komplize agiert und für die Haupttäter vermittelt zu haben. Valbuena war im Juni mit der Veröffentlichung eines Sexvideos bedroht worden, sollte er nicht 150.000 Euro zahlen. Im Dezember 2015 war Benzema deswegen für unbestimmte Zeit aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen worden. Zwar hob das zuständige Gericht in Versailles Mitte März die richterliche Kontrolle gegen den Angreifer auf, der Valbuena für Monate weder treffen noch mit ihm sprechen durfte – die Ermittlungen laufen aber weiter. Aus juristischer Sicht wäre einer Nominierung Benzemas aber nichts im Weg gestanden, teilte die FFF mit.

"Der Verbandspräsident und der Trainer halten fest, dass die sportliche Leistung ein wichtiges Kriterium, aber nicht das einzige bei der Entscheidung ist, für die französische Nationalmannschaft ausgewählt zu werden", hieß es. Gleichermaßen komme es auf die Fähigkeit der Spieler an, "zu einem Gefühl der Zusammengehörigkeit beizutragen" und sich für die Vorbildwirkung und den Erhalt der Gruppe einzusetzen. "Deshalb haben Noel Le Graet und Didier Deschamps beschlossen, dass Karim Benzema nicht an der Euro 2016 teilnehmen kann."

27 Tore für Frankreich

Benzema hatte Minuten vor der Äußerung des Verbandes auf Twitter offenbart, dass er die Europameisterschaft verpassen wird. "Unglücklicherweise für mich und alle, die mich immer unterstützt haben, werde ich nicht für unsere Euro in Frankreich nominiert werden", schrieb der 28-Jährige aus Lyon mit algerischen Wurzeln, der in 81 Auftritten im Nationaltrikot 27 Tore erzielt hat.

Die Debatte, ob Benzema von Deschamps pardoniert werden soll, hatte Frankreich wochenlang in Atem gehalten. Die öffentliche Unterstützung für ihn war dabei aber eher spärlich. Den endgültigen Ausschluss des Stürmers forderten unter anderem Frankreichs Premierminister Manuel Valls und der Boss der Profiliga, Frederic Thiriez.

Kritiker verwiesen darauf, dass die Nationalmannschaft auch ohne Benzema in der Offensive exzellent bestückt sei. In den vergangenen beiden Testspielen gegen die Niederlande (3:2) und Russland (4:2) erzielte Frankreich sieben Tore, sechs Spieler trafen. Häufig wurde auch daran erinnert, dass der Trainer beim WM-Sieg 1998, Aime Jacquet, schon vor der EM 1996 bewusst auf Eric Cantona verzichtete. Der war zweifellos ein hochkarätiger Stürmer und seinerzeit Star von Manchester United. Auf und abseits des Platzes galt er jedoch als schwieriger Charakter, der sich einige Verfehlungen geleistet hatte. (APA, 13.4.2016)

  • Kann die Euro als Beobachter genießen: Karim Benzema.
    foto: apa/afp/hache

    Kann die Euro als Beobachter genießen: Karim Benzema.

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