Japans Konjunkturmotor mit Fehlzündung

14. April 2016, 11:09
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Die Wirtschaftspolitik von Shinzo Abe gerät auch in Japan zunehmend in die Kritik

Die glorreichen Zeiten für Japans Exporteure, in denen die japanische Währung bei 122 Yen zu einem Dollar und 140 Yen zum Euro stand, sind vorbei. Nachdem sich die Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, skeptisch zu einer weiteren Zinserhöhung geäußert hat, stieg der japanische Yen mit 107,71 zum Dollar auf den höchsten Stand seit Oktober 2014.

Für die japanische Konjunktur, die zu einem Gutteil auf dem billigen Yen basiert, ist der Dollaranstieg Gift. Die Exportfirmen, die schon bisher von ihren Auslandsgewinnen wenig in Form höherer Löhne abgegeben haben, werden angesichts des starken Yen und der schwachen chinesischen Konjunktur die Löhne kaum anheben.

Probleme im Tourismus

Auch für den stark gestiegenen Japan-Tourismus aus China und Südostasien ist die Verteuerung der japanischen Währung abträglich. Die Touristen aus China werden zudem durch die schwache chinesische Konjunktur davon abgehalten, bei ihren Japanreisen groß auf Shopping zu gehen.

Die japanische Regierung und die Bank von Japan wollen und können aber ihrerseits die Geldpolitik kaum weiter lockern. Die Zentralbank kauft inzwischen schon den größten Teil der Staatsanleihen wieder auf, so dass sie auf diesem Weg nicht mehr viel Geld auf den Markt werfen kann, um den Wechselkurs zu schwächen. Zudem ist Japan im Mai dieses Jahr Gastgeber des G7 Treffens. Da will die Regierung sich nicht dem Vorwurf aussetzen, mit der Verbilligung des Yen einen Währungskrieg anzufachen.

Ökonomen skeptisch

Zunehmend äußern sich Analysten und Wirtschaftswissenschaftler pessimistisch über den Erfolg von Abenomics – der Wirtschaftspolitik von Premier Shinzo Abe. Dass die Regierung im Mai ein Wirtschaftsförderprogramm mit einer Summe zwischen 39 und 79 Milliarden Euro verabschieden will, zeigt ihr eigenes geringes Vertrauen in Abenomics. Von den drei Pfeilen, aus denen Abenomics bestand, war sowieso nur die Verbilligung des Geldes ein Erfolg, aber das lässt sich nicht fortführen. Trotzdem hat Abe angekündigt, den zweiten Teil der Mehrwertsteuererhöhung im Frühjahr 2017 umzusetzen. Die meisten Ökonomen warnen davor, nachdem der erste Teil der Steuererhöhung 2014 in einer Rezession geendet hatte. Eine Verschiebung würde auch das internationale Vertrauen in Japans Fähigkeit, seinen Haushalt jemals in Ordnung zu bringen, erschüttern.

Negativzinsen zerstören Vertrauen

Vor allem aber erweist sich das Herzstück von Abenomics als Flop, mittels einer Inflationsrate von zwei Prozent die Verbraucher zu mehr Konsum zu verleiten. Die japanischen Firmen haben ihre seit der Verbilligung des Yen 2012 stark gestiegenen Profite nicht an die Mitarbeiter weitergegeben. Sie haben ebenso wenig Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft Japans wie die Verbraucher. Und dann noch die Negativzinsen. Das ist jenes neue Instrument, mit dem die Regierung vor allem Unternehmen zum Geldausgeben zwingen wollte und das doch nur dazu geführt hat, dass das Vertrauen in Abenomics weiter gesunken ist. (Siegfried Knittel aus Tokio, 14.4.2016)

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