Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Schlecker-Gründer und Familie

14. April 2016, 12:55
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Anton Schlecker und weitere Familienmitglieder sollen vor der Pleite Millionen beiseitegeschafft haben

Stuttgart – Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anklage gegen den Gründer der pleite gegangenen Drogeriemarktkette Schlecker, Anton Schlecker, sowie dessen Frau, Sohn und Tochter erhoben. Das sagte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch. Er bestätigte damit Medienberichte. Auch zwei Wirtschaftsprüfer seien angeklagt worden, sagte der Sprecher.

Zu den Inhalten der Anklageschrift wollte sich der Sprecher nicht äußern. Es werde am Donnerstag weitere Informationen geben, kündigte er an.

Auch in Österreich aktiv

Schlecker war auch in Österreich sehr aktiv, als auch hierzulande die Rollbalken runtergingen, übernahm die Filialen die neu gegründete Firma dayli, die nach kurzer Zeit furios scheiterte. Von den vollmundigen Ankündigungen von dayli-Chef Rudolf Haberleitner blieb nichts übrig, gegen ihn ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA).

Das "Handelsblatt", die "Stuttgarter Nachrichten" und die "Stuttgarter Zeitung" berichteten, Anton Schlecker werde vorgeworfen, er habe vor der Insolvenz des Unternehmens in 36 Fällen Geld beiseite geschafft. Es soll demnach um mehr als 20 Mio. Euro gehen.

Unter anderem habe Schlecker Geld per Schenkung an Familienmitglieder weitergereicht. Auch habe er überteuerte Verträge mit Firmen seiner Kinder geschlossen, berichteten die Blätter. Schleckers Frau Christa, sein Sohn Lars und seine Tochter Meike seien angeklagt worden, weil sie dem Patriarchen nach Ansicht der Ermittler beim Beiseiteschaffen des Geldes geholfen hätten. Dabei hatte Meike nach der Pleite vor Medien wortreich erklärt, dass ihnen nichts mehr geblieben ist.

Anwalt von Schlecker warnt vor Vorverurteilung

Schlecker wehrt sich unterdessen gegen eine Vorverurteilung in der Öffentlichkeit. "Voreilige Festlegungen verbieten sich angesichts des Stands und des Inhalts des Verfahrens", sagte Schleckers Rechtsanwalt Norbert Scharf am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.

"Die mit der Anklage aufgeworfenen Fragen betreffen einen umfangreichen, komplexen und rechtlich schwer einzuordnenden Sachverhalt aus der Historie der Firma Schlecker", erklärte der Strafverteidiger zur Begründung. Zu den Vorwürfen im einzelnen werde er sich gegenüber dem Landgericht Stuttgart äußern, bei dem die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hat. Das Gericht muss nun entscheiden, ob es die Anklage zulässt und damit den Prozess eröffnet.

Insolvenz vor vier Jahren

Die Drogeriemarktkette Schlecker hatte im Jänner 2012 Insolvenz angemeldet. Im Sommer desselben Jahres stimmten die Gläubiger dann für eine Zerschlagung des Unternehmens.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte nach der Pleite Ermittlungen gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Dabei ging es um den Verdacht des Bankrotts, der Untreue und der Insolvenzverschleppung. (APA, dpa, 14.4.2016)

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