Die Kletterer am Fuß des Olymps

14. April 2016, 12:11
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Wieso der ÖWK nun auf KVÖ hört – Ausblick auf ein Jahr mit möglichem Meilenstein

Innsbruck/Wien – Wahrscheinlich gibt es Wichtigeres, aber es soll nicht unerwähnt bleiben, dass vor kurzem beschlossen wurde, den "Österreichischen Wettkletterverband (ÖWK)" in "Kletterverband Österreich (KVÖ)" umzubenennen. Das klingt schräger, als es ist, erklärt der frühere ÖWK- und jetzige KVÖ-Präsident Eugen Burtscher. Unter den sechzig Fachverbänden Österreichs habe allein der Kletterverband den Zusatz "Wett" im Titel geführt. Und da nun in allen Statuten festgeschrieben ist, dass man sich "als Verband von Spielmanipulation und Wettbetrug jeglicher Art distanziert", sei die Namensänderung nur "konsequent".

Wichtiger ist vielleicht, dass der KVÖ auch einen neuen Markenauftritt präsentiert hat, die Marke heißt "Austria Climbing", das klingt richtig jung. Das A von Austria wurde im Logo "als Alleinstellungsmerkmal definiert" und "als Bildmarke gestaltet", es stellt eine Kletterwand dar.

Hoffen auf Stöhr und Schubert

Noch wichtiger könnte sein, dass die neue Saison in der Tür steht. In Meiringen in der Schweiz beginnt morgen der Weltcup im Bouldern, es folgen unter anderem zwei große Events in Tirol, der Boulder-Weltcup Mitte Mai in Innsbruck und der Lead-Weltcup Mitte August in Imst. Höhepunkt des Jahres ist die WM im September in Paris.

Nationalteamtrainer Heiko Wilhelm sieht nach einem Trainingslager in Darmstadt "alle optimal vorbereitet". Einerseits wollen die Österreicher heuer "natürlich vorne mitmischen", speziell die mehrmaligen Medaillengewinner Anna Stöhr und Jakob Schubert, aber auch Katharina Saurwein und Alfons Dornauer sollten dazu in der Lage sein. Andererseits will Wilhelm "die Jüngeren Erfahrung sammeln lassen", dies schon im Hinblick auf die WM 2018, die in Innsbruck stattfindet.

Der japanische Vorschlag

Die vielleicht wichtigste Entscheidung heuer steht in Rio de Janeiro an. Anfang August, unmittelbar vor Olympiabeginn, entscheidet das IOC, ob Sportklettern ins Programm der Spiele 2020 in Tokio aufgenommen wird. Die Japaner schlugen dem IOC insgesamt fünf Sportarten vor, neben Sportklettern dürfen Karate, Skateboard, Baseball/Softball und Surfen (Wellenreiten) auf olympische Weihen hoffen.

Folgt das IOC dem Plan der Organisatoren, kämen 18 Events mit 474 Aktiven hinzu. Wahrscheinlich müsste anderswo eingespart werden, laut IOC darf die maximale Teilnehmerzahl bei Sommerspielen 10.500 nicht übersteigen. Dennoch gut möglich, dass sich die Spiele diesen neuen Anstrich verpassen, IOC-Sprecher Mark Adams nannte ihn bereits "frisch und sehr aufregend".

Ganz besonders wichtig wäre die Berücksichtigung des Klettersports für Österreich, das hier, anders als etwa im Surfen, zur Weltspitze zählt. Nicht zufällig wird das ÖOC in einem Einkaufszentrum in Rio eine 13 Meter hohe Kletterwand errichten lassen. Das Zentrum wird täglich von 40.000 Menschen besucht, die so auf den "Public Bereich" im nahegelegenen Österreich-Haus hingewiesen werden. Nach den Spielen wird die Wand in eine Favela übersiedelt. Ob es dann ein Kletterer aus Rio zu den Spielen nach Tokio schafft, bleibt abzuwarten. Natürlich gibt es Wichtigeres. (Fritz Neumann, 13.4.2016)

  • Jakob Schubert hofft auf gute Ergebnisse und Tokio 2020.
    foto: apa/gruber

    Jakob Schubert hofft auf gute Ergebnisse und Tokio 2020.

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