Flüchtlinge: Durch Gartenarbeit neue Wurzeln schlagen

14. April 2016, 12:25
150 Postings

Der Verein Gartenleben vermittelt Flüchtlingen mit übersichtlichen Karten die Grundlagen des Gemüseanbaus

Wien – Gärtnern schafft Verwurzelung: Unter diesem Motto will der österreichische Verein Gartenleben Flüchtlinge erreichen. "Die Idee ist entstanden, weil wir vergangenen Oktober im Nachbarhaus Flüchtlinge einquartiert hatten und wir sie in der Gartenpflege unterstützten", sagt Geschäftsführerin Elisabeth Koppensteiner zum STANDARD. Ein Mann wollte zum Beispiel Anfang November Paradeiser aussäen. "Das ist mir heuer wieder eingefallen, und ich dachte, dass wir mit einfachen Anleitungen den Heimatsuchenden helfen könnten, erfolgreich zu gärtnern", erklärt sie weiter.

Daher wurden bildlich dargestellte Gartenbasis-Sammelkarten angefertigt, in denen alles von Anbau über biologische Pflege bis hin zur Ernte erklärt wird. Die Grafiken wurden mit einfach verständlichem Text in deutscher Sprache ergänzt. Nun geht es dem Verein vor allem darum, noch mehr Flüchtlinge zu erreichen. Zahlreiche Hilfsorganisationen hätten bereits Interesse signalisiert, dieses Angebot den Menschen zu vermitteln.

Schneller Kontakte knüpfen

Die Menschen können dadurch zum einen ein Gefühl für die neuen klimatischen Bedingungen und die Umwelt gewinnen. Zum anderen lernen sie, selbst Biogemüse und Kräuter anzubauen. Außerdem wird es dadurch einfacher, neue Kontakte zu knüpfen, zum Beispiel in Gemeinschaftsgärten. "Gemeinsames Tun erleichtert das Kennenlernen", sagt Koppensteiner.

Gegärtnert soll überall werden, wo sich ein Platz findet: in Töpfen, in Hochbeeten, auf Strohballen, in Beeten, in Gemeinschaftsgärten, auf dem Balkon und dem Fensterbrett. "Vielleicht machen auch Gemeinden mit, und es darf öffentliche Fläche verwendet werden", sagt die Vereinschefin. Interessierte Behörden und Organisationen können sich direkt an den Verein wenden.

Das Gartenjahr stehe zwar ganz am Anfang, aber es gebe bereits Interesse, berichtet Koppensteiner. Mohamed Almosli, ein Syrer, der in der Nähe des Büros wohnt, habe schon mit einer Aussaat begonnen. Zudem hat er die Karten ins Arabische übersetzt. Die Anleitungen können kostenlos auf der Gartenleben-Website heruntergeladen werden. Bisher gibt es sie für Radieschen, Salat und Zwiebeln. (Julia Schilly, 14.4.2016)

  • Gegärtnert soll überall werden, wo sich Platz dafür findet.
    foto: apa/georg hochmuth

    Gegärtnert soll überall werden, wo sich Platz dafür findet.

Share if you care.