Donald Trump: Der unbeliebteste Kandidat, der fast immer gewinnt

Analyse19. April 2016, 08:00
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Trumps Image ist im Keller. Bei den Vorwahlen der Republikaner ist das offenbar kein Problem, im November sehr wohl

Der Flugzeughangar ist gut gefüllt. Dicht gereiht steht Mann neben Mann – und manchmal Frau – in der Halle vor einem riesigen Privatjet. Hunderte sind nach Columbus im US-Bundesstaat Ohio gekommen, um ihrem Idol dabei zuzuhören, wie er verklausuliert über die Größe seines Penis spricht: "Er hat behauptet, ich hätte kleine Hände. Sie sind aber nicht klein. Ich habe das noch nie zuvor gehört. Menschen haben bisher immer gesagt: Donald, du hast die schönsten Hände." Die Menge johlt.

Der Mann auf der Bühne ist Donald Trump, der sich um das höchste politische Amt der Vereinigten Staaten bewirbt.

illustration: donkeyhotey/(cc by-sa 2.0)
Donald Trump, Bewerber um das Amt des amerikanischen Präsidenten, ist mit seinen Mitbewerbern auf Zeitungstiteln, Magazin-Covern und im Fernsehen eine Dauerpräsenz in den USA. Der Karikaturist Donkey Hotey setzt den inszenierten Bildern aus dem Wahlkampf selbst gestaltete Illustrationen gegenüber.

Monat für Monat stolpert er von Kontroverse zu Kontroverse; Monat für Monat wird sein Niedergang vorhergesagt. Doch es ist anders gekommen: Trotz der jüngsten Niederlage bei den parteiinternen Vorwahlen in Colorado und Wyoming ist Trump auf dem besten Weg, republikanischer Kandidat bei der Präsidentenwahl zu werden. Bei den Vorwahlen in New York am Dienstag gilt sein Sieg als wahrscheinlich.

Egal wer ihn angreift, egal wie tief das Niveau von Trumps Auftritten sinkt, der umstrittene New Yorker Baulöwe scheint immun zu sein und fast immer zu gewinnen. Ein Sieg bei der Wahl im November ist – so sind sich seine Anhänger sicher – gewiss. Doch das könnte ein Trugschluss sein.

Historisch

Denn während seine polarisierende Kampagne den Zuspruch bei der Basis stärkte, verursachte sie beim amerikanischen Durchschnittswähler Kollateralschäden. Trumps Image, das schon schlecht war, bevor er sich um das Präsidentenamt bewarb, ist in Umfragen auf nie dagewesene Tiefen gefallen.

Der Anteil der Amerikaner, die eine negative Meinung von Trump haben, ist schon jetzt historisch. In einer unlängst von der Nachrichtenagentur AP durchgeführten Umfrage hatten 69 Prozent der Befragten eine schlechte Meinung von dem Immobilientycoon.

Negatives Image von Donald Trump bei US-Bürgern

69 Prozent der befragten US-Bürger haben eine negative Meinung von Donald Trump. Die AP-Umfrage (n=1.076) ist nicht die einzige, die ein negatives Bild des Präsidentschaftsbewerbers zeichnet. Bei zuvor durchgeführten Umfragen lagen Trumps Negativwerte immer über 60 Prozent (CNN/ORC: 67 Prozent, ABC/Washington Post: 67 Prozent, Gallup: 65 Prozent).

Wird Trump im Juli tatsächlich zum Kandidaten der Republikanischen Partei nominiert, wäre er der unpopulärste Kandidat in der Geschichte von US-Umfragen. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der Lewinsky-Affäre hatten laut Umfragen "nur" 50 Prozent der US-Bürger eine negative Meinung von Präsident Bill Clinton.

Einzig ein US-Präsident schaffte es bisher, schlechtere Werte als Trump zu erreichen: Richard Nixon. 1975, ein Jahr nach seinem Rücktritt, hatten 71 Prozent der US-Bürger eine negative Meinung über ihn.

Präsidenten und Kandidaten auf dem Höhepunkt ihrer Unpopularität: Nur Richard Nixon überholt Donald Trump.
Fotos: AP, Reuters, Hintergrundbild: Nicolas Raymond (CC BY 2.0)

Damit nicht genug: Noch schlimmer für die Hoffnungen der Republikaner auf das höchste Amt im Staat ist die demografische Entwicklung der amerikanischen Wählerschaft. Um eine Mehrheit bei der Wahl im November zu erreichen, muss ein Republikaner-Kandidat laut dem republikanischen Strategen Whit Ayres neben der Basis entweder 30 Prozent der nichtweißen Wähler oder 65 Prozent aller weißen Wähler für sich gewinnen, um einen Sieg zu erringen.

Keine Chance bei nichtweißen Wählern, unbeliebt bei Frauen

Für Trump ist dieses Ziel in weiter Ferne: Von den nichtweißen Wählern gaben zuletzt 81 Prozent der Befragten an, eine negative Meinung von ihm zu haben. Unter den Hispanics, der am stärksten wachsenden Wählergruppe in den USA, haben gar 85 Prozent der Befragten eine negative Meinung von Trump.

Doch selbst bei den weißen Wählern könnte es für Trump schwierig werden, im November genug Stimmen zu bekommen. Er zieht zwar derzeit die Massen an, seine Wahlkampfveranstaltungen werden von Tausenden gestürmt. Doch Frauen sieht man in der Menge selten. Das spiegeln auch die Umfragen wider: Nur 23 Prozent der befragten Frauen haben eine gute Meinung von Trump, 70 Prozent eine schlechte.

All diese schlechten Daten werden die Demokraten für sich zu nutzen wissen. Die Gefahr ist groß, dass sich Trumps Umfragewerte im Lauf des Wahlkampfs – wenn negative Werbespots hinzukommen – weiter verschlechtern werden. Und noch nie wurde ein Kandidat mit so schlechtem Image zum Präsidenten gewählt.

Ist die Wahl für Trump also verloren?

Nicht unbedingt. Zum einen geben die Umfragen nur ein aktuelles Stimmungsbild wieder. Außerdem haben sowohl Trumps innerparteilicher Konkurrent Ted Cruz als auch seine wahrscheinliche demokratische Gegnerin Hillary Clinton ebenfalls keine berauschenden Beliebtheitswerte vorzuweisen.

Darüber hinaus ziehen sich über Clinton wegen ihrer E-Mail-Affäre dunkle Wolken zusammen. Den Vorwurf, dass sie in ihrer Zeit als Außenministerin teilweise geheime Regierungsmails auf einem privaten Server gespeichert hat, untersuchen derzeit dutzende FBI-Beamte. Einem ihrer ehemaligen Mitarbeiter hat die Justiz Immunität im Gegenzug für belastende Aussagen zugesichert.

Und gegen eine Präsidentschaftskandidatin, die vor Gericht muss, hätte sogar ein unbeliebter Donald Trump gute Chancen. (Stefan Binder, Illustration: DonkeyHotey (CC BY-SA 2.0), 19.4.2016)

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