Fast 700 Jahre für eine Kapitalverdoppelung

18. April 2016, 09:00
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Um mit Staatsanleihen nennenswerte Kapitalzuwächse zu erzielen, ist wegen der Geldpolitik der EZB ein Menschenleben schlichtweg zu kurz geworden

Wien – Das waren noch Zeiten für die tendenziell sicherheitsbedürftigen österreichischen Anleger: Im Jahr 2004 verzinsten sich zehnjährige deutsche Bundesanleihen noch mit 4,5 Prozent, binnen weniger als 16 Jahren konnte man damit das eingesetzte Kapital verdoppeln. Dank der Nullzinspolitik der EZB und ihres Anleihenkaufprogramms pendelte die Rendite zu Wochenbeginn um die Marke von 0,1 Prozent. Die Folge: Für eine Kapitalverdoppelung inklusive Zinseszins müsste die Erde die Sonne fast 700-mal umkreisen.

"Das ist in den Köpfen vieler Anleger noch nicht angekommen", sagt Werner Painsy, Vertriebschef für Österreich und Osteuropa bei der Deutsche Asset Management. "Österreicher sind traditionell Sparbuch- und Bausparer gewesen", ergänzt er unter Verweis auf die geringe Bereitschaft der Österreicher, bei Anlagen Risiken einzugehen. "Je nach Anlageziel war es auch gar nicht notwendig, weil man am Sparbuch vier bis fünf Prozent bekam."

Davon können Sparer derzeit allerdings nur träumen, denn längst ist die Nullzinspolitik der Frankfurter Währungshüter auch am Sparbuch angekommen. "Wenn man Erträge erzielen will, muss man weg vom Sparbuch und der klassischen Lebensversicherung", folgert Painsy. "Für mehr Ertrag muss man bereit sein, mehr Risiko in Kauf zu nehmen."

Dividende statt Sparzins

Eine Alternative sieht der Experte der Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft in Dividendenfonds, bei denen es dem internationalen Trend folgend zuletzt starke Kapitalzuflüsse gegeben habe, gewissermaßen als Sparzinsersatz. Dividendenfonds würden zwar geringere Schwankungen aufweisen, bei einem Boom der Aktienmärkte allerdings nur unterdurchschnittlich profitieren, erklärt Painsy.

Da Aktienmärkte generell viel schwankungsfreudiger geworden seien, führt er Fondssparpläne ins Treffen – bei denen hohe Volatilität sogar von Vorteil sein könne: "Der Anleger kann durch regelmäßige Käufe von Anteilen von Börsenschwankungen profitieren." Zudem hebt der "Wanderprediger in Sachen Fonds", wie sich Painsy selbst bezeichnet, die vielen Gestaltungsmöglichkeiten hervor: "Es gibt kaum ein flexibleres Vehikel als einen Fondssparplan."

Des Weiteren ortet er einen Boom passiver Anlageprodukte, sogenannter ETF, die zumeist starr einen bestimmten Index nachbilden. Auch Anlageprofis würden für Dachfonds immer öfter auf solche Produkte zurückgreifen. Als Vorteil führt Painsy geringe Kosten an, gibt aber auch zu bedenken: "Um Outperformance zu erzielen, bietet sich ein aktiv gemanagtes Produkt an."

Dazu zählen auch sogenannte Multi-Asset-Fonds, die sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit erfreuen. Bei diesen Produkten, die in mehrere Anlageklassen investieren und dabei unterschiedliche Strategien verfolgen – es gibt eine Vielzahl an möglichen Ausgestaltungen –, berichtet Painsy ebenfalls von zuletzt hohen Mittelzuflüssen. (Alexander Hahn, 18.4.2016)

  • Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist längst auch beim Sparbuch angekommen.
    foto: apa

    Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist längst auch beim Sparbuch angekommen.

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