Ein in Psychotherapie investierter Euro bringt vier Euro "Gewinn"

13. April 2016, 14:46
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Ein neuer Bericht von WHO und Weltbank zeigt, dass sich Investitionen in die Behandlung von Depressionen und Angststörungen rentieren

"Wir wissen, dass die Behandlung von Depressionen und Angststörungen sinnvoll ist für die Gesundheit und die Lebensqualität. Diese neue Studie bestätigt eindeutig, dass das auch wirtschaftlich Sinn macht", sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan. "Wir müssen Mittel und Wege finden, um allen Männern, Frauen und Kindern überall auf der Welt Zugang zur Versorgung in Sachen psychischer Gesundheit verschaffen."

Jeder Euro, der in die Behandlung von Menschen mit Depressionen oder Angststörungen fließt, bringt vier Euro als "Gewinn". Das zeigt besagte Studie von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Weltbank, die im Magazin "Lancet" publiziert wurde.

Die Studie bilanziert die ökonomischen Kosten, die durch Depressionen und Angststörungen weltweit entstehen, auf rund eine Billion US-Dollar (880 Milliarden Euro). Das ist weniger auf die Aufwendungen für die Therapie selbst als auf die Konsequenzen dieser psychiatrischen Erkrankungen zurückzuführen: Arbeitsplatzverlust, Pflegebedarf etc.

Dabei nimmt die Zahl der Betroffenen weltweit ständig zu. "Zwischen 1990 und 2013 hat sich die Zahl der von Depressionen und/oder Angststörungen Betroffenen weltweit um fast 50 Prozent von 416 Millionen Menschen auf 615 Millionen Menschen erhöht. Etwa zehn Prozent der Weltbevölkerung sind betroffen. Psychische Störungen sind insgesamt für 30 Prozent der 'Krankheitslast' verantwortlich", stellte die Weltgesundheitsorganisation fest. In akuten Notsituationen – sicherlich sind bewaffnete Konflikte mit Flüchtlingen als solche anzusehen – steige der Anteil der von pathologischen Angststörungen und Depressionen Betroffenen gar auf 20 Prozent der Bevölkerung.

Berechnung für 36 Staaten

Die neue Studie hat die Kosten und den "Gewinn" durch entsprechende Maßnahmen in Sachen psychischer Gesundheit für 36 Staaten mit niedrigem, mittleren oder hohem Bruttoinlandsprodukt für die Jahre 2016 bis 2023 berechnet. Demnach würde ein Ausbau von Möglichkeiten zur Erstkonsultation und -Beratung wegen Depressionen und die Behandlung mit Antidepressiva rund 147 Milliarden US-Dollar ( 129,06 Mrd. Euro) kosten. Aber bloß eine fünfprozentige Verbesserung der Beschäftigung von Betroffenen sei mit einem Nutzen im Wert von 399 Milliarden US-Dollar (350,31 Mrd. Euro) verbunden. Hinzu kämen 310 Milliarden US-Dollar (272,17 Mrd. Euro) an eingesparten Gesundheitskosten.

Die Realität sieht weltweit aber gerade auf dem Gebiet der psychischen Erkrankungen düster aus. "Obwohl rund um die Welt Hunderte Millionen Menschen mit psychischen Störungen leben, ist die dieses Thema im Schatten der Aufmerksamkeit geblieben. Dabei ist das nicht nur eine Frage der öffentlichen Gesundheit, sondern eine Angelegenheit der Entwicklung", sagte Jim Yong Kim, Präsident der Weltbank. "Wir müssen jetzt handeln, weil sich die Weltwirtschaft diesen Produktivitätsverlust nicht leisten kann."

Rund 1,4 Millionen Österreicher leiden laut Experten an einer psychiatrischen Erkrankung. Etwa 900.000 nehmen dafür pro Jahr Leistungen der Krankenversicherungen in Anspruch. Auch in den kommenden Jahren ist ein steigender Bedarf an psychiatrischen Leistungen zu erwarten. Das Institut für Höhere Studien (IHS) in Wien hat dazu 2011/2012 eine Psychiater-Bedarfsstudie erstellt, die im Jänner 2012 veröffentlicht wurde. Fazit: Für das Jahr 2030 ist allein im Bereich der Fachärzte mit einem Manko von rund 340 Psychiatern (Vollzeitäquivalente) in Österreich zu rechnen. (APA, 13.4.2016)

  • Die Folgen von psychiatrischen Erkrankungen können z.B. Arbeitsplatzverlust oder Pflegebedarf sein. Die Weltwirtschaft kann sich diesen Produktivitätsverlust nicht leisten, sagt der Präsident der Weltbank.
    foto: dpa/peter steffen

    Die Folgen von psychiatrischen Erkrankungen können z.B. Arbeitsplatzverlust oder Pflegebedarf sein. Die Weltwirtschaft kann sich diesen Produktivitätsverlust nicht leisten, sagt der Präsident der Weltbank.

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