Österreich hat nach wie vor ein Hepatitis-Problem

13. April 2016, 12:52
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Die impffaulen Österreicher unterschätzen das Thema Hepatitis. 42.000 Personen sind mit Hepatitis-B-infiziert, immer wieder gibt es auch Todesfälle

Seit dem Jahr 2013 sind in Österreich 34 Menschen an Hepatitis B gestorben, 42.000 Infizierte gibt es insgesamt in Österreich. Vergangenes Jahr gab es sogar einen Todesfall durch Hepatitis A. Hier werden pro Jahr 60 Erkrankungen gemeldet. "Die Dunkelziffer ist sehr hoch", sagt der Impfreferent der Österreichischen Ärztekammer, Rudolf Schmitzberger. Möglichst viele Menschen sollten sich impfen lassen.

"Ich glaube, dass das Thema Hepatitis etwas unterschätzt wird", so Schmitzberger weiter. Hepatitis A wird als klassische Reisekrankheit durch mangelnde Hygiene und mit Fäkalien belastetes Wasser am häufigsten über Nahrungsmittel oder Schmierinfektionen bei Kindern übertragen. Die Symptome dieser "Gelbsucht" können akut schwer sein, die Krankheit heilt aber in den meisten Fällen aus.

"Wir haben in Österreich ganz andere hygienische Standards, es gibt keine weite Verbreitung", sagte die Wiener Sozialmedizinerin Ursula Kunze. Ein Problem stelle die Einschleppung von Hepatitis A nach Auslandsurlauben dar. Ehemals waren die meisten Menschen auch in Österreich infolge einer in der Kindheit durchgemachten Infektion lebenslang geschützt. Das ist aber längst nicht mehr der Fall, wodurch es bei Auslandsreisen in betroffene Regionen eben leicht zu einer Ansteckung kommt.

Infektion meist chronisch

Hepatitis B wird vor allem über ungeschützten Sexualverkehr übertragen. Hier liegt das Problem darin, dass die Infektion zu einem relativ hohen Prozentsatz chronisch verläuft. Das kann bis zur Leberzirrhose und Leberzellkarzinomen führen. Seit vielen Jahren gibt es wirksam schützende Impfstoffe gegen Hepatitis A, Hepatitis B sowie Kombinationsimpfstoffe.

Im österreichischen Gratis-Kinderimpfprogramm ist die Immunisierung aller Kinder gegen Hepatitis B integriert. Erwachsene, die noch nicht in dieses Programm "fielen", sind aber oft ungeschützt. Empfehlenswert wäre laut der Präsidentin des Vereins zur Förderung der Impfaufklärung, Christiane Körner, die Immunisierung gegen die Hepatitis A und B. Laut den Fachleuten wäre eventuell auch die Aufnahme der Immunisierung gegen die Hepatitis A in das österreichische Kinderimpfprogramm zu überlegen.

In Zusammenarbeit der Ärzte- und Apothekerkammer sowie des pharmazeutischen Großhandels und der Pharmaindustrie läuft derzeit (bis 31. Mai) eine Impfaktion mit verbilligten Vakzinen, sagt der Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer, Christian Müller-Uri. Für Erwachsene kostet der Kombinationsimpfstoff (Hepatitis A und B) 62,50 Euro, jener gegen die Hepatitis A allein 38,90 Euro. Die Immunisierung schützt sehr lange, wenn nicht sogar lebenslänglich.

Flüchtlinge sind kein Risiko für die Bevölkerung

Erneut wird auch von diesen Experten betont, dass die Durchreise und das Ankommen von Asylsuchenden in Österreich an der Gesundheitssituation der Bevölkerung insgesamt nichts ändert. "Infektionskrankheiten durch Flüchtlinge und Migranten stellen kein relevantes Risiko für die Allgemeinbevölkerung dar", sagt Kunze. (APA, red, 13.4.2016)

  • Möglichst viele Menschen sollten sich Impfen lassen, fordern Experten.
    foto: dpa/dpaweb

    Möglichst viele Menschen sollten sich Impfen lassen, fordern Experten.

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