Facebook lässt die Chatbots los: Kampfansage an App Stores

13. April 2016, 12:59
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Chatbots sollen die Kommunikation mit Unternehmen in den Messenger verlagern

Facebook hat am Dienstagabend auf seiner Entwicklermesse F8 gezeigt, wie es sich seine und damit die Zukunft von Milliarden Internetnutzern vorstellt. Eine simple Plattform, auf dem man Urlaubsfotos mit Freunden teilen und zu Partys einlädt, ist das Unternehmen schon lange nicht mehr. Facebook will zu einer Schaltzentrale im Internet werden, "damit jeder alles mit jedem anderen teilen kann", so Mark Zuckerberg.

Zehnjahresplan

Der CEO hat dafür einen Zehnjahresplan vorgelegt. Bislang hat sich das Unternehmen auf den Aufbau eines Ökosystems um die Hauptseite und App konzentriert. Innerhalb der kommenden fünf Jahre sollen die Bereiche Video, Messenger, Suche, Whatsapp, Gruppen und Instagram stärker ausgebaut werden. Die langfristigen Pläne sind noch ambitionierter mit Internetversorgung mittels Drohnen oder Satelliten, Diensten basierend auf künstlicher Intelligenz und Virtual- und Augmented-Reality-Inhalten.

Eine wichtige Rolle sollen Chatbots spielen. Mit der neuen Messenger Plattform können Dienstleister, Online-Händler, Lieferanten, Verlage etc. Chat-Programme entwickeln, mit denen Nutzer im Messenger in Echtzeit kommunizieren können. Dazu hat das Unternehmen eine entsprechende Schnittstelle veröffentlicht, erste Chatbots sind auch bereits verfügbar.

Wetter, Nachrichten und Shopping

Poncho etwa bietet einen personalisierten Wetterdienst, den man nach aktuellen Prognosen fragen kann. Eher eine Spielerei, denn die "Wetterkatze" antwortet knapp und launisch. Ein anderes Beispiel ist der Bot von CNN, bei dem man Nachrichten zu bestimmten Themen abrufen kann. So kann man etwa allgemein nach "Headlines" oder etwas spezifischer nach "Rio Olympics" suchen. Als Antwort erhält man eine Auswahl an Nachrichten mit Bild, die man seitlich durchscrollen kann. Spring wiederum stellt über den Messenger einen "persönlichen Shopping-Assistenten" bereit, über den man auch gleich bestellen kann.

Anders als Microsoft, das Chatbots und digitale Assistenten als nächste Eingabemethode nach Keyboard oder Maus präsentiert hat, will Facebook damit Apps ersetzen. Die Möglichkeiten sind breit gestreut: neben den bereits genannten Beispielen ist etwa denkbar, dass Restaurants Tischreservierungen und Abfrage der aktuellen Tageskarte über Bots bereitstellen. Liefer- und Fahrdienste könnten darüber bestellt worden oder freie Zimmer in einem Hotel samt passenden Ausflugszielen in der Umgebung abgefragt werden.

Die Konversationen mit den Chatbots werden im Messenger normal wie mit anderen Kontakten angezeigt. Direkt im Messenger ist auch eine Suche nach neuen Unternehmenschats möglich.

Kampfansage an App Stores

Beobachter werten das auch als Kampfansage an Apple und Google, die mit App und Play Store große, gut funktionierende Ökosysteme rund um ihre mobilen Betriebssysteme aufgebaut haben. Wenn Unternehmen ihr Engagement von Apps zu Chatbots verlagern, dürfte das den App-Store-Anbietern nicht gefallen. Denn den Messenger gibt es für alle großen mobilen Betriebssysteme und damit auch die Chatbots. Entwickler müssen somit nicht drei verschiedenen Apps für drei verschiedene Systeme schreiben, sondern eben nur einen Chatbot. Für Unternehmen erhöht sich damit allerdings die Abhängigkeit von Facebook, wenn sie ihre gesamte Kundenkommunikation und weitere Dienstleitungen über das soziale Netzwerk abwickeln.

Mit seinen 1,6 Milliarden Nutzern der Hauptplattform, 900 Millionen Messenger-Nutzern und der Milliarde Whatsapp-User hat Facebook eine riesige Datenbasis. Hinzu kommen 50 Millionen Firmen, die eigenen Facebook-Seiten betreiben. Das könnte dem Unternehmen bei der Entwicklung von Chatbots einen Vorteil verschaffen. Neben Microsoft soll auch Google an einer entsprechenden Plattform arbeiten.

Live-Streams und Virtuelle Realität

Die Konkurrenz ist für Facebook vor allem untern den jüngeren Nutzern in den vergangenen Jahren durch Anbieter wie Snapchat oder andere Messenger gewachsen. Mit dem Kauf der Live-Filter-App Msqrd und dem Ausbau der Live-Streaming-Möglichkeiten will man dem entgegenhalten.

Andere Entwicklungen liegen noch etwas weiter in der Zukunft. So setzt Facebook auch auf 360-Grad-Videos und virtuelle Realität. Zuckerberg ist überzeugt, dass in einigen Jahren auf diese Weise auch private Videos gedreht und über Facebook geteilt werden. So hat Facebook eine Kamera angekündigt, deren Hardware-Design und Software im Sommer zum Nachbau freigegeben werden sollen. Mit Oculus hatte das Unternehmen schon zuvor einen Pionier im Bereich VR-Brillen übernommen, die seit kurzem ausgeliefert werden. (Birgit Riegler, 13.4.2016)

  • Facebook hat auf seiner Entwicklungsmesse F8 die neue Messenger-Plattform mit Chatbots präsentiert.
    foto: facebook

    Facebook hat auf seiner Entwicklungsmesse F8 die neue Messenger-Plattform mit Chatbots präsentiert.

  • News-Chatbot von CNN
    foto: facebook

    News-Chatbot von CNN

  • Wetterprognose von Poncho

    Wetterprognose von Poncho

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