"Internet-Hölle": 600 Millionen IP-Adressen Bauernhof zugeordnet

16. April 2016, 10:17
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Farm erhielt dank IP-Mapping einer Firma Besuch von FBI, Steuerfahndern und zahlreichen merkwürdigen Gestalten

Eine Farm nahe der geografischen Mitte der USA hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Torturen mitgemacht. Sie wird nun im Netz als "Hölle des Internets" bezeichnet. Der Bauernhof erhielt Besuch von FBI, Steuerfahndern, der Polizei, verlassenen Ehepartnern und Opfern von Spam-Betrügereien – ohne zu wissen, warum. Eine subtile Drohung war etwa eine Toilette, die auf der Zufahrt zur Farm gelegt wurde. Außerdem wurden nachts merkwürdige Gestalten in der Scheune entdeckt, die offenbar die Bewohner des Bauernhofs – darunter dessen Besitzerin, eine 82-jährige Frau – ausspionierten.

Auskunftsdienst machte Bauernhof zu Zentrum der USA

Jetzt haben Recherchen der Plattform "Fusion" das Mysterium gelüftet: Offenbar hat eine IP-Mapping-Firma namens MaxMind die Adresse der Farm rund 600 Millionen IP-Adressen zugeordnet. MaxMind bietet Auskunftsdienste für Firmen, Behörden und Privatpersonen an. Wer wissen will, wo sich der Nutzer einer IP-Adresse befindet, fragt bei MaxMind nach. Das Unternehmen nutzt dafür unterschiedliche Methoden, beispielsweise werden freie WLAN-Angebote registriert oder Informationen über Apps bezogen.

Kann MaxMind eine IP-Adresse nicht genau lokalisieren, wird der Mittelpunkt des infrage kommenden Gebiets markiert – beispielsweise einer Stadt, eines Bundesstaats oder eben eines ganzen Landes. Der Einfachheit halber verzichtet MaxMind dann bei der Darstellung von Längen- und Breitengrad auf Kommastellen. Hier kommt die Farm in Kansas in Spiel: Wird der geografische Mittelpunkt der USA aufgerundet, führt die Spur direkt zum betroffenen Bauernhof.

Ungewollte Besucher

Da Maxmind mehr als 600 Millionen IP-Adressen nur vage dem US-Gebiet zuordnen konnte, spuckt die Anfrage bei all diesen Adressen den Bauernhof als Standort aus. Das erklärt die große Anzahl an ungewollten Besuchern, die dessen Bewohner erhielten. "Die arme Frau ist jahrelang belästigt worden", sagt der Sheriff des Gebiets. Die Polizei montierte sogar Extraschilder, um Fremde von einem Besuch auf der Farm abzuhalten. Außerdem wurde die Adresse bei Polizei und Rettung für allgemeine Notrufe gesperrt.

Nach den Fusion-Recherchen hat sich Maxmind dazu durchgerungen, ihren vermeintlichen Mittelpunkt der USA auf ein unbewohntes Gebiet zu legen. Jetzt sollen Anfrage zu einem nahegelegenen See in Kansas führen. "Ich sehe schon vor mir, wie die Polizei den See trockenlegt, um nach einer vermissten Person zu suchen", sagt der IT-Experte Dave Maynor, der den Fall mitrecherchiert hat. (red, 16.4.2016)

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Fusion

  • Das Internetzentrum der USA: Eine Farm in Kansas (Symbolbild)
    foto: epa/smith

    Das Internetzentrum der USA: Eine Farm in Kansas (Symbolbild)

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