Slowenischer Theaterregisseur Tomaz Pandur gestorben

13. April 2016, 12:59
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53-Jähriger erlitt bei Proben für die "König Lear"-Aufführung in Skopje einen Herzinfarkt

Ljubljana – Slowenien trauert um seinen Theaterregisseur Tomaz Pandur, der am Dienstag überraschend gestorben ist. Der 53-Jährige nahm an jenem Ort Abschied, dem er sein ganzes Leben gewidmet hat – im Theater. Während einer Probe für die Aufführung seines "König Lear" im mazedonischen Nationaltheater in Skopje erlitt er einen Herzinfarkt, wie slowenische Medien berichteten.

Pandur, der als führender Regisseur des modernen slowenischen Theaters gilt, war der meistgeliebte und auch meistgehasste Theatermacher in Slowenien. Als Alleingänger wurde er in den 1990er-Jahren mit seinen imposanten Großinszenierungen von Klassikern wie "Hamlet", "Faust", der "Göttlichen Komödie" und "Carmen" auch international berühmt.

Pandur stellte das Nationaltheater seiner Heimatstadt Maribor, dessen Leitung er 1989 als 26-Jähriger übernahm, ins Rampenlicht. Die kleine Stadt an der Drau wurde zu einer Station für Theaterliebhaber von nah und fern, auch für das Publikum aus dem benachbarten Österreich.

Auch in Österreich aktiv

Seine Inszenierungen wurden in den 1990er-Jahren auch auf österreichischen Bühnen mit viel Applaus gewürdigt. Mit seinen Inszenierungen gastierte er u.a. in Bregenz ("Carmen"), Wien ("Hamlet"), Klagenfurt ("Seherezada") und Graz ("Russische Mission" im Rahmen des "steirischen herbst"). Als seine Inszenierung der "Göttlichen Komödie" 1994 bei den Salzburger Festspielen gastierte, ließ er das Publikum von Salzburg extra nach Maribor einfliegen.

Geboren 1963 in Maribor, gründete Pandur bereits als Gymnasiast seine eigene Theatergruppe "Thespiskarren – Neues slowenisches Theater" und sorgte schon damals für Aufsehen in Slowenien und dem damaligen Jugoslawien. Im Jahr 1988 absolvierte er ein Studium an der Laibacher Akademie für Theater, Radio, Film und Fernsehen. Das Marburger Theater leitete er zwischen 1989 und 1996, als er das Haus wegen eines Streits um ein Finanzloch, das durch seine ambitionierten Theaterprojekte entstanden war, verlassen musste. Pandur zog sich aus dem slowenischen Theaterleben und auch aus seinem Heimatland zurück.

Pandur zog nach New York und setzte seine Arbeit im Ausland fort. Er inszenierte Aufführungen in New York, Hamburg, Berlin, Madrid und im kolumbianischen Bogota. Im Jahr 2002 gründete er zusammen mit seiner Schwester, der Dramaturgin Livija Pandur, die Theatergruppe Pandur.Theaters, die insbesondere in Spanien tätig war. In vergangenen Jahren gastierte Pandur mit seinen Projekten wieder in Slowenien. Nach langjähriger Pause stellte er im Jahr 2014 wieder eine Aufführung für ein einheimisches Theater auf. Im Laibacher Nationaltheater inszenierte er Shakespeares "Richard III. + II.", im Vorjahr folgte dann "Faust". (APA, 13.4.2016)

  • Artikelbild
    foto: apa/pandur theater/alexey rebolj
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