USA verstärken Militärbündnisse in Asien-Pazifik-Region

14. April 2016, 11:13
98 Postings

Pentagonchef Carter will Allianzen aufleben lassen – Gegengewicht zu China soll aufgebaut werden

"Schulter an Schulter" heißt im philippinischen Tagalog "Balikatan" und ist der Name einer jährlichen Militärübung auf den Inseln. Dieses Jahr reist auch US-Verteidigungsminister Ashton Carter zu der Übung an, bei der 3.000 philippinische und 4.400 US-amerikanische Soldaten zwei Wochen lang Kampfhandlungen und humanitäre Assistenzeinsätze üben.

Zwei Wochen dauert auch die Reise Carters in Asien, bei der er um eine stärkere militärische Zusammenarbeit mit Indien und den Philippinen wirbt. "Die Asien-Pazifik-Region ist die wichtigste Region für Amerikas Zukunft", sagte Carter im Vorfeld. Neben dem Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" gehört der "Schwenk nach Asien" zu den außenpolitischen Prioritäten der USA.

Auf den Philippinen wird in einem Abkommen beschlossen, dass das US-Militär den philippinischen Streitkräften bei der Modernisierung assistieren wird. Das lässt sich das US-Militär 40 Millionen Dollar kosten. Dafür öffnen die Philippinen den Amerikanern fünf Militärbasen, auf denen sie für mindestens zehn Jahre Infrastruktur aufbauen und erweitern können. Die USA sollen moderne technische Ausrüstung auf die Philippinen bringen.

Kooperationen als Gegengewicht zu China

Eine der Basen, auf denen die Amerikaner nun tätig sein werden, liegt auf der Insel Palawan am Rand des Südchinesischen Meeres. Von hier aus erstreckt sich eine von den Philippinen beanspruchte "Wirtschaftszone", die zum Teil auch China für sich reklamiert. Die Philippinen plädieren für eine internationale Schlichtung des Streits, der chinesische Außenminister Lu Kang sagte dazu am Dienstag, die geforderte Schlichtung sei eine "Provokation, verkleidet als Recht".

Die Amerikaner wollen die chinesischen Ansprüche nicht hinnehmen. Sie pochen auf ihre Navigationsfreiheit durch das Meer. Von dem gemeinsamen Stützpunkt aus könnten sie diesen Anspruch untermauern, sagte Restituto Padilla, ein Sprecher des philippinischen Militärs, der "New York Times". Am Donnerstag verlautbarte außerdem Carter, dass die zwei Länder gemeinsame Patrouillen im Südchinesischen Meer begonnen haben – die erste fand im März statt, eine weitere Anfang April.

Es ist das erste umfangreiche Abkommen nach etwa zwei Jahrzehnten holpriger Beziehungen. Obwohl die Philippinen einer der ältesten US-Partner in der Region sind – bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs waren sie auch amerikanische Kolonie –, stellte sich eine nationalistische Regierung ab 1991 gegen den Einfluss von außen – das US-Militär wurde damals hinausgeworfen. Vor allem seit Amtsantritt der Obama-Regierung 2008 gibt es wieder Annäherungen.

Verstärkte Zusammenarbeit auch mit Indien

Vor seiner Philippinen-Reise war Carter in Indien zu Gast. Auch hier verhandelte er über eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Militär beider Länder. Er traf am Dienstag Premierminister Narendra Modi und Verteidigungsminister Manohar Parrikar.

Bisher war Indien den US-Amerikanern gegenüber eher zurückhaltend. Seit 2014 verstärkt Modi jedoch internationale Allianzen, die sich gegen eine chinesische Übermacht in Asien richten. In dem aktuellen Abkommen mit den USA werde vor allem der Austausch von Information und Verteidigungstechnologie festgelegt. Die beiden Länder können gegenseitig ihre Militärbasen zum Auftanken und im Fall von Naturkatastrophen nutzen. Das Abkommen soll in den nächsten Wochen unterzeichnet werden.

Die Reise steht im Zeichen einer politischen Schwerpunktverlagerung auf Asien, die als Priorität der Sicherheitspolitik der Obama-Regierung gilt. Neben wirtschaftlichen Strategien wie der Transpazifischen Partnerschaft (TPP) setzen die USA vor allem auf jene militärischen Kooperationen, mit denen traditionelle US-Allianzen modernisiert werden sollen. In der Region sind insgesamt 365.000 US-Soldaten stationiert. (Anna Sawerthal, 14.4.2016)

  • Kernpunkt des US-Abkommens mit den Philippinen ist, das philippinische Militär zu modernisieren.
    foto: reuters

    Kernpunkt des US-Abkommens mit den Philippinen ist, das philippinische Militär zu modernisieren.

  • US-Verteidigungsminister Ashton Carter (vorne links) bei der Besichtigung eines indischen Navy-Schiffes in Karnataka.
    foto: afp/ministry of defence/mini

    US-Verteidigungsminister Ashton Carter (vorne links) bei der Besichtigung eines indischen Navy-Schiffes in Karnataka.

  • Am Dienstag traf Carter (links) Indiens Premierminister Narendra Modi.
    foto: afp/pib

    Am Dienstag traf Carter (links) Indiens Premierminister Narendra Modi.

Share if you care.