Schmerzmittel: Nurofen-Hersteller droht Strafe für irreführende Werbung

13. April 2016, 13:58
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Tabletten gegen Regel-, andere gegen Kopfschmerzen – dasselbe Medikament zu unterschiedlichen Preisen. Australische Behörde fordert Strafe für Reckitt Benckiser

Canberra/Wien – Dem Hersteller des Schmerzmittels Nurofen, Reckitt Benckiser, droht in Australien eine Strafe für irreführende Werbung. Die Australische Wettbewerbs- und Konsumentenbehörde (ACCC) wirft dem britischen Pharmaunternehmen vor, rezeptfreie Medikamente als speziell für bestimmte Schmerzarten oder Körperbereiche geeignet beworben zu haben, obwohl sie denselben Inhaltsstoff und dieselbe Wirkung aufweisen.

Die Medikamente, die alle 342 Milligramm des Wirkstoffs Ibuprofen-Lysinat enthalten, wurden als speziell "für Kopfschmerzen oder "für Regelschmerzen" beworben und kosteten unterschiedlich viel. Laut ACCC sind die Konsumenten vom Unternehmen getäuscht worden. Wie vom "Guardian" berichtet fordert die Behörde vor Gericht eine Strafe in Höhe von sechs Millionen AUD (rund vier Millionen Euro). Bereits im Dezember hat ein australisches Gericht Reckitt Benckisers Produktbeschreibung für "irreführend" befunden und die Medikamente aus den Supermarktregalen nehmen lassen.

Vereinfachte Wahl

Schon damals räumte Reckitt Benckiser einen Verstoß ein und gab an, das Urteil des Gerichts zu akzeptieren. Eine Sprecherin des Pharmaherstellers betonte jedoch, das Sortiment wäre konzipiert worden, um die Wahl zwischen den Schmerzmitteln zu vereinfachen – insbesondere in einem Supermarkt ohne professionelle Beratung. Dahinter sei nicht die Absicht gestanden, Konsumenten hinters Licht zu führen.

Die Anwälte von Reckitt Benckiser erklärten, "rationale" Konsumenten würden ohnehin nicht denken, dass ein schmerzspezifisches Medikament effektiver als ein normales sei. Die Konsumenten hätten der Einfachheit halber zu den laut ABC bis zu 100 Prozent teureren Medikamenten gegriffen. Die plakative Bewerbung des Medikaments, beispielsweise mit der Etikettierung "für Kopfschmerzen", hätte ihnen erspart, die Packung genauer zu studieren.

Hohe Preisunterschiede

Der australische Richter James Edelmann sagte, diese Argumentation würde den Käufern ein "sehr niedriges Level an Intelligenz" bescheinigen. Noch diesen Monat wird mit einer Entscheidung des Gerichts gerechnet. Der Rechtsstreit zwischen ACCC und Reckitt Benckiser läuft seit März vergangenen Jahres. Schon mehrere Jahre zuvor hatten Konsumentenschützer auf die hohen Preisunterschiede aufmerksam gemacht.

Das nun in Australien unter Beschuss stehende Nurofen ist auch in Österreich erhältlich. Auf der österreichischen Produktwebsite wird das rezeptfreie Nurofen-Sortiment beworben als "Schmerzlinderung in altersgerechten Darreichungsformen". Die fünf in Österreich erhältlichen Nurofen-Sorten unterscheiden sich durch die Dosierung des Schmerzmittels Ibuprofen bzw. Ibuprofen-Lysinat sowie durch die Darreichungsform.

Preise klaffen nicht auseinander

Nurofen Rapid wird jungen Frauen als Weichkapsel mit 200 Milligramm Ibuprofen "bei Regelschmerzen" und Erwachsenen mit 400 Milligramm "bei Kopfschmerzen" empfohlen. Laut der Fachinformation sind jedoch beide Weichkapseln für die Behandlung derselben Schmerzen geeignet. Demselben Medikament wird auf der Packung also ein unterschiedlicher Zweck zugeordnet.

Laut Auskunft des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger klaffen in Österreich die Preise jedoch nicht auseinander, wie es in Australien der Fall gewesen zu sein scheint. (Elena Pramesberger, 13.4.2016)

  • Nurofen ist auch in Österreich rezeptfrei erhältlich.
    foto: reuters/jason reed

    Nurofen ist auch in Österreich rezeptfrei erhältlich.

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