Intime Bekenntnisse: Präsidenten-Papers

Blog13. April 2016, 16:33
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Was wir nie wissen wollten: Die schonungslose Offenlegung aller Bewerberbiografien stellt die Panama-Papers in den Schatten

Aufgedeckt: Er nimmt Urosin. So heißt das Harnsäuremittel, das Präsidentschaftskandidat Andreas Khol zwecks Gichtvermeidung schluckt. Sorgen muss man sich um den 74-Jährigen nicht, das Medikament ist im fortgeschrittenen Alter weitverbreitet.

Warnung an all jene, die ob solch intimer Details ein gewisses Unbehagen beschleicht: Es folgt an dieser Stelle die schonungslose Offenlegung aller Bewerberbiografien – die Präsidenten-Papers.*

foto: standard/urban
Lässt bei der Offenlegung seines Privatlebens nichts anbrennen: Andreas Khol.

Khol-Akte:

Der einstige Nationalratspräsident steigt um 5.30 Uhr aus dem Bett, frühstückt Obst only und macht jeden Tag Gymnastik. Ende 2015 absolvierte er seine letzte Vorsorgeuntersuchung, wo ihm prophezeit wurde: "Sie werden 100." Hie und da macht auch Herr Khol mal Pause. Dann liest er gerne oder hört klassische Musik. Und nach einem langen Arbeitstag hilft am besten: ab ins Hausgewand zum Plausch mit Ehefrau Heidi.

Apropos Heidi: Kennengelernt hat Khol seine heutige Frau, als er noch mitten in einer anderen "Liebelei" steckte. Und während Adelheid "ziemlich schnell sicher" war, dass Andreas der Richtige sei, dauerte es bei ihm "ein Jahr". Der Präsidentschaftskandidat hatte in Sachen Romantik schon einiges an Erfahrung gesammelt, war vor seiner Frau "sicher vier-, fünfmal" verliebt. Auch der Name und Zeitpunkt der ersten Schmetterlinge im Bauch bleibt uns nicht vorenthalten: Wanda. Eine unglückliche Liebe.

Heute verwendet Khol "regelmäßig" ILY, soll heißen: I love you. Aber Händchen halten darf er im Wahlkampf nicht mit ihr. Irgendwie schafften es die Khols doch zu sechs Kindern. Eine Tochter ist mit einem Sozialdemokraten verheiratet, der Name des Enkelsohns eine kleine Provokation: Bruno, nach Kreisky. Beim jährlichen Handpuppentheater für die Enkerl schreibt Khol angeblich den Plot, ist Zauberer und Seppl in Personalunion. Innerhalb der Familie kommuniziert man via "Familienrat-Plattform im Internet", bei Whatsapp hat er Angst, gehackt zu werden.

Zu Hause im Kühlschrank gibt es stets Bergkäse, luftgetrockneten Speck, Kürbiskernöl, Endiviensalat, Veltliner und Mineral. Ob Khol das auch selbst einkauft, ist nicht überliefert, jedenfalls: "Hausarbeit mache ich gerne." Auch Windelwechseln und Flascherlgeben ist für Khol bekanntes Terrain. Falls das gelogen war: Beichten geht der gläubige Katholik nicht. Aber einmal pro Woche schmökert er in der Bibel.

Bei der Frage nach dem Lieblingsplatz muss Khol erst seine Linie finden: Während es einmal der Lainzer Tiergarten oder der Eichkogel in Mödling ist, gefallen dem passionierten Rosenzüchter anderntags Burg- und Volksgarten besonders gut. Enthüllung zum Schluss: Khol kann jassen und singt die Hymne inklusive Töchter, wenn auch ohne Begeisterung.

foto: apa/scheriau
Aufgedeckt: Irmgard Griss bekommt zum Hochzeitstag rote Rosen.

Griss-Files:

Tagwacht ist für Irmgard Griss um sieben Uhr, spätestens um diese Zeit hätte sie auch als Lehrerin aufstehen müssen: eigentlich ihr Traumberuf – weil sie aber nicht singen kann, wurde nichts draus. Immer sonntags bei Griss auf dem Programm: Laufen, Schwimmen, Kirchgang, und "dann frühstücken wir lange". "Wir" meint in dem Fall: sie und Ehemann Gunter an ihrer Seite. Sonntagnachmittags wird meist gelesen, und "später koche ich etwas Leichtes". Für Ernährungsspezialisten: Griss ist nicht daran interessiert, Würmer zu verspeisen, Apfel- und Topfenstrudel sind hingegen sehr willkommen, sie ist "auf der süßen Seite". Stets auf ihrem Schreibtisch gesichtet: die Thermoskanne mit Kräutertee.

Kennengelernt hat Griss den Gunter im Pariser Bahnhof Gare de l'Est, der Pfeil der Liebe zeigte erst eine Ehe und ein Kind später in Gunters Richtung. Zum Hochzeitstag gibt's rote Rosen, auch die Blumenhandlung wurde vor wenigen Wochen enthüllt. Sohn Rudolf wurde, als er klein war, die "Vogelhochzeit" vorgesungen, später putzte die Mutter das Zimmer in dessen Studenten-WG, "sogar einmal im schönen Kleid".

Frau Griss entspannt beim Spazierengehen, zu ihren Lieblingsorten gehört – erraten, der Volksgarten. Bei Amazon hat sie zuletzt einen Toner für den Drucker bestellt, und künftig will sich die Kandidatin bei "House of Cards" Politikwissen aneignen. Achtung, auch Griss hat eine dunkle Seite, will gerne "öfter bei Rot über die Kreuzung gehen".

foto: apa/expa/johann groder
Ging raus aus der Tierecke: Auch Alexander Van der Bellen verriet mehr als nur den Namen seiner Hunde.

Van-der-Bellen-Leaks:

Eigentlich wollte der unabhängige Kandidat nicht mehr als die Namen seiner beiden Hunde preisgeben. Es wurde dann doch etwas detaillierter. Aber Achtung: So unabhängig ist der frühere Grünen-Chef gar nicht!

Zunächst gibt er Einblick in sein Büro: Wir erfahren, dass dort stets ein Schreibblock auf dem Tisch liegt, die "Financial Times" immer in Reichweite. Doch auch die Tür zu Van der Bellens Privatsphäre geht noch einen Spalt breit auf: Wie bekannt wurde, wartet im Kühlschrank des Kandidaten stets ein Bier, geweint hat er zuletzt – richtig, beim Zwiebelschneiden. Als Präsident will der verhinderte Architekt lieber keine gegrillten Ameisen serviert bekommen, ein doppelter Espresso geht aber fast immer.

Offenlegung des Wahlkampfs: Van der Bellen will gerne schneller fahren, als die Polizei erlaubt, hat noch nie bei Amazon bestellt, serviert dafür einen Beauty-Tipp: Sein Friseur kann nicht nur Haare schneiden, sondern ist auch "ein sehr netter, gebildeter, politisch ungemein interessierter und informierter gebürtiger Libanese": der Toni im 18. Bezirk. Aha.

foto: standard/matthias cremer
In aller Offenheit: Was Richard Lugner Spaß macht und wann es mit Ehefrau Cathy weniger lustig ist.

Lugner-Revelations:

Fast bescheiden bleiben die Enthüllungen im Wahlkampf von Richard Lugner. Insider wussten ohnedies schon alles. Was doch noch zu sagen bleibt: "Tintenfisch mag ich nicht." Auch die gleichgeschlechtliche Liebe würde dem Kandidaten "keinen Spaß" machen. Wie praktisch, dass eines sich ins andere fügte: Herr Lugner kann nicht kochen, er ließ sich zunächst von der Mutter (die war übrigens keine Muslimin, hatte aber auch hie und da ein Kopftuch auf), dann von der jeweiligen Freundin verköstigen.

Beim ersten Kuss war Lugner ein Spätzünder: Mit 18 war's so weit. Von seiner aktuellen Beziehung mit Ehefrau Cathy ist schon das ein oder andere Detail bekannt. Im STANDARD enthüllte der Baulöwe einen der schwierigeren Momente des Paarlebens auf Achse: "Sie schimpft mich immer, dass ich so spät bremse."

Sohn Richard ließ etwas tiefer blicken: Mit 17 sei die Freundin vom Papa plötzlich in seinem Bett gelegen, "aber es ist nichts passiert". Die militärische Erziehung hat auch Ohrfeigen beinhaltet, wie der Baumeister erzählt. Für das Frühstück musste der Sohn selbst sorgen, dem Vater hat er einst täglich das Gewand hergerichtet. Lugner senior: "Ich bin modisch leider daneben." Einmal im Jahr ist große Party im Hause Lugner, samt allen früheren Frauen und Kindern.

So bleibt Herr Lugner also fit, macht "seit 26 Jahren in Kärnten immer die Mayr-Kur", lässt sich durchchecken. Seine Haut ist "dick", jedenfalls im übertragenen Sinn: "Lugner ist ja so ein Synonym für etwas, das schlecht läuft." Falls es diesmal gut läuft, gelobt der Kandidat Besserung: Die Hymne, die er derzeit noch in der alten Fassung singt, will er künftig um die Töchter erweitern.

foto: apa/scheriau
Zwischen Entspannungsübung und Handgreiflichkeit: Enthüllungen aus Norbert Hofers (Innen-)Leben.

Hofer-Connections:

Cineast Hofer, ein Liebhaber des europäischen Films, verlässt zwischen sechs und 6.15 Uhr sein Bett. Norbert Hofer ist "sehr religiös", betet jeden Tag, konvertierte einst zur evangelischen Glaubensgemeinschaft. Der blaue Kandidat kann Hemden bügeln, macht das angeblich auch mindestens ebenso gerne, wie mit der zweiten Ehefrau Verena einkaufen zu gehen.

Wenn Frau Hofer allerdings staubsaugt, während er Telefoninterviews gibt, herrscht zu Hause Krisenstimmung. Was Hofer – jedenfalls in der Theorie – noch mehr aufregt: Der Gedanke an eine sich anbahnende Hochzeit der heute zwölfjährigen Tochter Anni lässt den Schieß-Fan handgreiflich werden: "Wenn da jemand kommt, dann erwürge ich den wahrscheinlich eigenhändig. Also wenn der Falsche kommt." Bei solchem Einblick in sein Innenleben hilft auch der Versuch des Abschwächens nur begrenzt: "Zuerst würde ich ihm die Luft aus dem Moped lassen."

Herr Hofer kann aber auch ganz lieb sein: Zweimal war er jedenfalls schon "so richtig" verknallt. Info für Insider: Erster Kuss mit 16, im Auto des Bruders, mit Agnes.

Wenns mit dem Liebsein nicht so klappt, helfen Atem- und Entspannungsübungen beim "Runterkommen". Auch in die Sauna geht Herr Hofer gerne. Enthüllung zum Schluss: Der Simon-&-Garfunkel-Fan sagt seiner Frau "sehr regelmäßig" in aller Offenheit "Ich liebe dich". Via SMS oder Whatsapp muss es schneller gehen: HDL heißt hier das Codewort.

foto: apa/hans klaus techt
Auch Rudolf Hundstorfer gewährt im Wahlkampf tiefe Einblicke.

Hundstorfer-Dossier:

Eigentlich wollte er, der einst "echt gerne Gruben gegraben" hat im Garten des Großvaters, ja Feuerwehrmann werden. Kurz nachdem Rudolf Hundstorfer, der kein Amazon-Konto besitzt, um sechs Uhr früh aufsteht, startet er mit einem Glas frisch gepressten Obst- oder Gemüsesaft in den Tag.

Auch sonst gibt es von der Flüssigkeitsfront einiges zu berichten: Eigenen Angaben zufolge hat er "vor 40 Jahren drei Schnaps zu viel getrunken". Jetzt ist er umgestiegen: "Ich hab mit meiner Frau ein Ritual: Egal, wie spät es ist, wir trinken nach dem Heimkommen noch einen Espresso und sprechen kurz über den Tag.

Was zudem durchgesickert ist: Die dritte Frau ist eigentlich seine zweite, denn Ehefrau Nummer eins hat Hundstorfer nach der Scheidung gleich nochmals geheiratet. Was auch beim zweiten Anlauf nicht gut ausging. Ja, es könne schon passiert sein, dass er drei, vier fünfmal verliebt war, erklärt der Kandidat im Wahlkampf. Das erste Mal geschah es mit 13 oder 14 Jahren – im Lager der Roten Falken, bei denen er im Alter von sieben Jahren anheuerte.

Ein Jahr später kaufte er sich den ersten Anzug, heute hält er bei 50 Krawatten.

Der rote Hofburg-Bewerber outet sich, dass er in der Zeit, als Tochter Birgit noch klein war, die Eier für den Osterhasen versteckt hat. Heute sucht er selbst: nämlich seine Augengläser. Deshalb liegt stets ein zweites Brillenpaar auf seinem Schreibtisch.

Wer sich für den Kühlschrankinhalt interessiert: Milch und Käse sind stets vorhanden, eine Eierspeise macht sich der Kandidat sogar hie und da selbst. Außerdem bemüht er sich, "einen Bohrer gerade zu halten", kann aber mit der Rohrzange "ganz gut umgehen". Volle Offenheit auch darüber, was er am liebsten mache, wenn einmal ein paar Stunden nichts ansteht: "Gar nichts."

Fazit: keine Fragen offen.

* Basis der Recherche waren Informationen aus DER STANDARD, Kurier, Kleine Zeitung, Österreich, Kronen Zeitung, Woman, Wienerin, Oberösterreichische Nachrichten, ORF, Puls 4 und ATV sowie die Facebook-Seiten der Kandidaten.

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