Sperre des Amsterdamer Flughafens wieder aufgehoben

13. April 2016, 12:22
15 Postings

Kein Sprengstoff gefunden, Verdächtiger wurde festgenommen – Flugbetrieb lief durchgehend normal weiter – Nervosität bei Sicherheitskräften

Den Haag / Amsterdam – Eine vorübergehende Teilsperrung des Amsterdamer Flughafens Schiphol hat am Dienstagabend Erinnerungen an die Anschläge auf dem Brüsseler Flughafen vom März wachgerufen. Ein Mensch sei "in einer verdächtigen Situation" festgenommen worden, teilte eine Sprecherin der Flughafenbehörde mit. Laut einem Sprecher der niederländischen Militärpolizei untersuchten Sprengstoffexperten das Gepäck des Verdächtigen. Demnach wurde der Mann gegen 21.45 Uhr MESZ auf dem Platz vor dem Haupteingang zur Flughafenhalle festgenommen und war am Mittwoch weiter im Polizeigewahrsam, wie die niederländische Militärpolizei über Twitter mitteilte.

Der Flughafen war am Dienstagabend teilweise geräumt und abgesperrt worden. Wie auf der Internetseite des Airports mitgeteilt wurde, lief der Luftverkehr aber normal weiter. Die Polizei untersuche einen "Zwischenfall", hieß es dort. Gegen 1.30 Uhr war auf Fernsehbildern zu sehen, dass Teile der Sperren wieder abgebaut wurden. Wenige Minuten danach bestätigte der Flughafen via Twitter das Ende der Evakuierungen.

Neben Teilen des Flughafens habe man auch das angrenzende Sheraton-Hotel vorübergehend evakuiert. Die Tageszeitung "Telegraaf" berichtete online, es sei ein suspektes Paket gefunden worden. Auf Bildern in Sozialen Medien war zu sehen, wie ein Entschärfungsroboter eine rote Tasche untersuchte. Auch dabei wurde aber ersten Berichten zufolge kein Sprengstoff gefunden. Seit den Anschlägen auf den Brüsseler Flughafen Zaventem im März gilt in Schiphol die höchste Alarmstufe.

Berichte über weitere Festnahmen

Der Amsterdamer TV-Sender AT5 berichtete unter Berufung auf Wachpersonal von insgesamt drei Festnahmen. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es aber nicht. Später hieß es in Medienberichten, die beiden weiteren Personen seien nur untersucht, nicht aber verhaftet worden.

Ein vom "Telegraaf" zitierter Behördenvertreter sagte, die beiden Männer hätten nichts mit der Evakuierung des Flughafengebäudes zu tun. Ob sie sich überhaupt noch in Polizeigewahrsam befänden, könne er nicht sagen.

Die Ermittlungen waren nur auf einen Teil des Gebäudes und des Vorplatzes beschränkt. Der Flughafen teilte auf Twitter nach Mitternacht mit, dass Züge weiterhin fahrplangemäß an den Stationen hielten.

Für Busse und Taxis gab es eine Umleitung vom betroffenen Ankunftsterminal zu jenem für Abflüge. Diese wurde später wieder aufgehoben. Teile der Parkhäuser waren nach Berichten des "Algemeen Dagblad" hingegen auch nach Ende der Flughafen-Evakuierung nicht erreichbar.

Einsatzfahrzeuge und verdächtige Pakete

Niederländische Fernsehsender zeigten, wie schwer bewaffnete Polizisten zeitweise vor dem Flughafengebäude patrouillierten. Ein Hubschrauber kreiste über dem Airport. Auf Bildern waren auch Einsatzfahrzeuge hinter Absperrungen zu sehen. Nach einem Bericht des TV-Senders NOS untersuchten Einsatzkräfte zudem vier Personen, die sich in einem Auto mit belgischem Kennzeichen befunden hätten. Dieser Verdacht habe sich allerdings nicht erhärtet, die untersuchten Personen konnten ihre Reise fortsetzen.

Schiphol ist einer der größten Flughäfen in Europa und ein wichtiges Drehkreuz für Umsteiger. Er zählt mehr als 50 Millionen Passagiere pro Jahr.

Im März hatten islamistische Attentäter einen Anschlag auf den Flughafen und die U-Bahn in Brüssel verübt. In der Abfertigungshalle des Flughafens Brüssel-Zaventem hatten sich am 22. März zwei Attentäter in die Luft gesprengt. Später verübte ein Komplize in einer U-Bahn in Brüssel einen weiteren Selbstmordanschlag. Die Täter rissen insgesamt 32 Menschen mit in den Tod. Seit dem 3. April wurde der Flugverkehr in Zaventem schrittweise wieder aufgenommen.

Alarm auch in Leiden

In den Niederlanden ist in den vergangenen Tagen die Nervosität wegen der Terrorgefahr gestiegen. Mehrere der späteren Attentäter von Brüssel waren über den Flughafen Schipol nach Einsätzen für die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien wieder nach Europa eingereist. Zudem waren nach den Anschlägen von Brüssel auch in der Stadt Rotterdam mehrere Verdächtige verhaftet worden.

Neben dem Flughafen war am Dienstagabend auch der Bahnhof von Leiden wegen eines verdächtigen Paketes evakuiert worden. Die Stadt liegt etwa 25 Kilometer von Schiphol entfernt. Auch die Station wurde später wieder für den Verkehr freigegeben. Die dortige Festnahme eines Verdächtigen habe sich als "falscher Alarm" herausgestellt, sagte eine Sprecherin der Polizei in Den Haag. Eine weitere Festnahme am Flughafen selbst habe nichts mit dem Sicherheitsalarm zu tun gehabt. (red, APA, 13.4.2016)

  • Teile des Flughafens Amsterdam-Schipol wurden in der Nacht auf Mittwoch von schwerbewaffneten Einheiten der niederländischen Polizei abgeriegelt.
    afp / anp / michel van bergen

    Teile des Flughafens Amsterdam-Schipol wurden in der Nacht auf Mittwoch von schwerbewaffneten Einheiten der niederländischen Polizei abgeriegelt.

  • Einsatzkräfte hatten zuvor einen Mann festgenommen, der sich nach Aussage der Behördenvertreter verdächtig verhalten hatte. Zudem wurde ein suspektes Paket untersucht, dass der Verhaftete bei sich gehabt hatte.
    afp / anp / michel van bergen

    Einsatzkräfte hatten zuvor einen Mann festgenommen, der sich nach Aussage der Behördenvertreter verdächtig verhalten hatte. Zudem wurde ein suspektes Paket untersucht, dass der Verhaftete bei sich gehabt hatte.

  • Passagiere wurden zeitweise über alternative Ausgänge aus dem Flughafengebäude geleitet.
    foto: ap / rtl

    Passagiere wurden zeitweise über alternative Ausgänge aus dem Flughafengebäude geleitet.

Share if you care.