Stabilität für junge Araber wichtiger als Demokratie

12. April 2016, 19:22
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Studie aus Region zeigt Resignation über Arabischen Frühling – Aufstieg des IS als größte Bedrohung gesehen

Dubai – Fünf Jahre nach Beginn des Arabischen Frühlings hält die junge Generation in der Golfregion und Nordafrika Stabilität offenbar für wichtiger als demokratische Reformen. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Instituts Penn Schoen Berland hervor, für die im Jänner und Februar 3.500 Araber im Alter von 18 bis 24 Jahren befragt worden waren.

Auch wenn sich zwei Drittel mehr Freiheiten und eine Stärkung der Menschenrechte wünschen, gaben 53 Prozent der Stabilität den Vorzug und nur 28 Prozent der Demokratie. Im Zuge des Arabischen Frühlings waren die Menschen in vielen arabischen Ländern auf die Straßen gezogen, um ihre autokratischen Herrscher zu vertreiben.

Umfangreiche Untersuchung

Nur 36 Prozent der jungen Araber aus der Region glauben heute den Angaben zufolge, dass sich die arabische Welt verbessert hat. 2012, auf dem Höhepunkt der Umstürze, waren es 72 Prozent. Jeder zweite beklagte, dass sich das Verhältnis zwischen Sunniten und Schiiten verschlechtert habe.

Der Aufstieg der sunnitischen Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien, im Irak und in Libyen wird von den jungen Arabern als größte Bedrohung empfunden, auch wenn nur einer von zehn davon ausgeht, dass es dem IS gelingen wird, ein dauerhaftes Kalifat zu errichten.

Für die Erhebung des in den USA beheimateten Instituts wurden junge Menschen in den sechs Golfmonarchien sowie in zehn weiteren Ländern vom Jemen über Ägypten bis nach Tunesien in persönlichen Interviews befragt. (APA, 12.4.2016)

  • Jubel am Tahrir-Platz 2013 nach dem Putsch gegen den gewählten Muslimbruder-Präsidenten Mohammed Morsi – der Umbruch wurde auch als Sieg gefühlter Stabilität über die Demokratie gesehen.
    foto: ap / amr nabil

    Jubel am Tahrir-Platz 2013 nach dem Putsch gegen den gewählten Muslimbruder-Präsidenten Mohammed Morsi – der Umbruch wurde auch als Sieg gefühlter Stabilität über die Demokratie gesehen.

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