Nervosität bei Start des Bewerbungsreigens um den Uno-Chefposten

12. April 2016, 18:20
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Neues Verfahren soll größere Transparenz schaffen, Entscheidung fällt aber weiterhin außerhalb der Öffentlichkeit

New York – Bei den Vereinten Nationen in New York hat am Dienstag eine Serie von Vorstellungsgesprächen mit den Bewerbern um die Nachfolge des Südkoreaners Ban Ki-moon an der Spitze der Weltorganisation begonnen. Die bisher acht Kandidaten werden sich bis Donnerstag der Uno-Vollversammlung vorstellen. Ban scheidet zum Jahresende nach zehn Jahren aus dem Amt aus.

Den Anfang bei den Vorstellungsgesprächen machte am Dienstag der montenegrinische Außenminister Igor Lukšić, mit 39 Jahren der jüngste der Kandidaten. Sichtlich nervös, plädierte er in seinen abwechselnd auf Englisch und Französisch vorgetragenen Statements dafür, dass sich die Uno stärker für die Jugend der Welt engagieren solle. Sich selber beschrieb er als einen Kandidaten, der "die Herausforderungen der modernen Zeiten versteht".

Geschlechterparität

Später am Tag sollten sich noch zwei weitere Kandidaten vorstellen: die Bulgarin Irina Bokowa, derzeit Chefin der Uno-Kulturorganisation Unesco, sowie der Portugiese Antonio Guterres, ehemals Leiter des UnoO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR). Insgesamt haben sich bisher vier Frauen und vier Männer um den Posten beworben. Möglich ist, dass in nächster Zeit noch weitere Bewerbungen eingehen.

Am Dienstag hatte etwa die serbische Regierung überraschend den früheren Außenminister und Präsidenten der Uno-Vollversammlung, Vuk Jeremić, für den Posten des Uno-Generalsekretärs vorgeschlagen. Dieser wäre damit der neunte Kandidat für eine Nachfolge Bans.

Der Sicherheitsrat entscheidet

Die Vorstellungsgespräche vor der aus den 193 Uno-Mitgliedstaaten bestehenden Vollversammlung sind ein neues Verfahren, das größere Transparenz schaffen soll. Bisher lag die Prüfung der Kandidaten vorwiegend bei dem aus lediglich 15 Staaten bestehenden Uno-Sicherheitsrat. Der Rat bleibt aber laut Uno-Charta dafür zuständig, einen der Kandidaten auszuwählen und der Vollversammlung zur Wahl vorzuschlagen.

Gleichwohl sei das Verfahren nun grundlegend verändert, sagte der Präsident der Vollversammlung, der Däne Mogens Lykketoft. Wenn es eine "kritische Masse" von Ländern gebe, die einen bestimmten Kandidaten unterstütze, könne er sich nicht vorstellen, dass der Sicherheitsrat "einen ganz anderen Namen aufbringt". Die Vollversammlung hatte das neue Verfahren im September beschlossen.

Weltweit 44.000 Mitarbeiter

Der Generalsekretär ist der oberste Verwaltungsbeamte und Diplomat der Uno. Er führt einen Apparat von weltweit 44.000 Mitarbeitern an. Bisher gab es acht Generalsekretäre, darunter der spätere österreichische Bundespräsident Kurt Waldheim. Traditionell wird der Posten nach dem geografischen Rotationsprinzip vergeben, wonach nacheinander verschiedene Weltregionen zum Zug kommen. Da bisher noch kein Generalsekretär aus Osteuropa kam, herrscht unter den Osteuropäern die Erwartung, dass sie diesmal an der Reihe sind. Sechs der bisherigen acht Bewerber – mit Jeremić sieben – sind aus Osteuropa.

Menschenrechtsorganisationen hatten vor Beginn der Bewerbungsgespräche dafür plädiert, dass sich der neue Generalsekretär vorrangig um das Schicksal von Flüchtlingen und um die weltweite Abschaffung der Todesstrafe kümmern müsse. In einer gemeinsamen Erklärung von Amnesty International, Human Rights Watch und vier weiteren Organisationen hieß es, die schlimmste Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg erfordere eine verstärkte internationale Zusammenarbeit und eine "ausgeglichene Verteilung von Verantwortung" unter den Aufnahme- und Zufluchtsländern. (APA, 12.4.2016)

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