Grinsen oder Knurren: Wieso Emojis oft falsch verstanden werden

12. April 2016, 17:53
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Bilder sehen nicht auf allen Plattformen gleich aus und können zu Missverständnissen führen

Ein Emoji sagt mehr als tausend Worte, könnte man das berühmte Zitat für das Neuland Internet übersetzen. Mimik, Gestik und Tonfall fehlen in der Kommunikation über E-Mail, SMS und Chats. Also bedient man sich vor Lachen weinender, grübelnd dreinschauender oder angeekelt verzerrter Smileys, um der kurzen Textnachricht etwas mehr Emotion zu verliehen. Das kann allerdings ordentlich ins Auge gehen, denn die Bilder sehen auf den unterschiedlichen Plattformen wie iOS oder Android mitunter komplett anders aus. Und können daher auch anders interpretiert werden, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.

Emojis unterschiedlich bewertet

Das Social-Computing-Labor Grouplens der University of Minnesota hat dazu die Renderings der 22 populärsten menschlich aussehenden Emojis bei Apple, Google, Microsoft, Samsung und LG untersucht. Die Forscher haben Personen gebeten, die Emojis in Worten zu beschreiben und ihnen einen emotionalen Wert von sehr negativ (–5) bis sehr positiv (+5) zuzuschreiben.

Dabei fanden die Forscher heraus, dass es in vielen Fällen zu verschiedenen Interpretationen der Emojis kommt, je nachdem, wie sie dargestellt werden. Auf iOS kommt das breit grinsende und Zähne zeigende Emoji leicht negativ herüber, während die Darstellungen auf den anderen Plattformen überwiegend positiv bis sehr positiv wahrgenommen werden. Bei Apple wirkt das Emoji fast zähnefletschend, auf den anderen Plattformen teilweise niedlich grinsend. In neun der 22 untersuchten Emojis weichen die durchschnittlichen Einschätzungen der befragten Nutzer um mehr zwei Punkte auf der Skala ab.

"Stopp" oder doch eher "Lobpreisen"?

Auch verwendeten die befragten Personen unterschiedliche Worte, um das gleiche Emoji auf unterschiedlichen Plattformen zu beschreiben. Apples Variante der beiden erhobenen Hände wurde mit "Stopp" und "Klatschen" beschrieben, während den Personen bei Googles Version die Worte "Lobpreisen" und "Hand" in den Sinn kamen.

Die Forscher fanden auch heraus, dass verschiedene Personen ein Emoji in derselben Version sehr unterschiedlich interpretieren. Apples bereits genanntes grinsendes Emoji wird demnach von einigen Personen als sehr positiv, von anderen wiederum als eher negativ eingeschätzt. Wer auf eine Nachricht mit Emoji eine verwirrende Antwort bekommt, sollte vielleicht beim Gegenüber einmal nachfragen, wie er oder sie das Emoji verstanden haben, bevor ein Streit vom Zaun gebrochen wird. (red, 12.4.2016)

  • Ein und dasselbe Emoji auf verschiedenen Plattformen.
    grafik: grouplens

    Ein und dasselbe Emoji auf verschiedenen Plattformen.

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