Spielfeld in Spielfeld

Einserkastl12. April 2016, 17:49
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Die ÖAW hat einen "Ortsnamen des Jahres" gewählt

Zum ersten Mal hat die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) beziehungsweise die dort angesiedelte Arbeitsgemeinschaft für Kartographische Ortsnamenkunde einen "Ortsnamen des Jahres" gewählt. Laut Presseaussendung haben dafür zwei Geographen, ein Germanist, ein Geodät (das ist ein Vermessungsfachmann) und ein Linguist ihre Köpfe zusammengesteckt (Korrektorat: Hände weg von den "ph"! So schreibt es die ÖAW!). Gewählt haben sie "Spielfeld".

Die steirische Kleine Zeitung, zu der die Nachricht schon früher durchsickerte, nannte es eine "zweifelhafte Ehre". Die Begründung der Jury lautet nämlich, Spielfeld sei ein "Synonym für das Dilemma Österreichs und Europas, einen Mittelweg zwischen menschlicher Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen und praktischen Erfordernissen zu finden". Man könnte auch sagen, Spielfeld wurde deshalb gewählt, weil es so etwas wie ein Spielfeld für die österreichische Flüchtlingspolitik war.

Na ja, vielleicht etwas platt, aber wohl unvermeidlich. Bei Traiskirchen oder Nickelsdorf, die in dieser Beziehung nicht weniger Spielfeld sind oder waren als Spielfeld, springt es einen halt nicht so hübsch an.

Aber die Juroren haben sich die Latte hoch gelegt. Wenn sie uns nächstes Jahr mit einem Ortsnamen kommen, der nicht zu einem Sprachwitz taugt, werden wir enttäuscht sein. (Gudrun Harrer, 12.4.2016)

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