Airborne Technologies "prüft", ob Blackwater-Gründer Anteile hält

12. April 2016, 18:38
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Die Geschäftsführung der Wiener Neustädter Firma äußert sich zu den Geschäften von Erik Prince in Österreich

Welche Geschäfte hat der Gründer des einstigen Söldnerkonzerns Blackwater, Erik Prince, mit einer Wiener Neustädter Firma genau gemacht? Nach Angaben der Aufdeckerplattform "The Intercept", die auf Whistleblower-Aussagen beruhen und über die auch DER STANDARD berichtete, nimmt die Geschäftsführung der Wiener Neustädter Firma Stellung.

Zum Vorwurf, Airborne Technologies habe für Prince maßgeblich an der Umrüstung und Vorbereitung für eine Bewaffnung der Agrarflugzeuge des Typs Thrush 510 gearbeitet, sagt Geschäftsführer Wolfgang Grumeth zum STANDARD: "Es handelt sich um Geschichten eines gekränkten Mitarbeiters, die wir nicht bewerten."

Kontakt mit bulgarischer Firma

Dass Airborne Agrarflugzeuge bewaffnet habe, sei eine Erfindung. Zwar habe Airborne Technologies im Auftrag der Firma FSG, dessen Chairman Prince ist, "viele Dinge" an den zwei Thrush-Agrarflugzeugen gemacht; diese könnten jedoch "keinen Schuss abgeben". Allerdings habe FSG laut Grumeth bei Airborne angefragt, ob eine Bewaffnung der Flugzeuge möglich wäre. Das habe die Firma in Wiener Neustadt aber abgelehnt.

Grumeth bestätigte auch, dass man Kontakt zur bulgarischen Firma Lasa habe. Über diese Firma sollten laut "The Intercept" die Exporte der modifizierten Flugzeuge erfolgen. Die Firma sollte benutzt werden, um österreichische Exportgenehmigungen zu umgehen. Geschäftsführer Grumeth hält zu Lasa fest: Man führe "ganz allgemein" Gespräche über den Kauf von durch Airborne modifizierte Flugzeuge an Lasa. Ob ein Kunde von Airborne die modifizierten Flugzeuge später weiter umbaue, könne das Unternehmen laut Grumerth nicht kontrollieren.

"The Intercept" zitiert interne Memos, denen zufolge sich Airborne-Geschäftsführer Kristof Nagl und Erik Prince über die Gründung von Lasa unterhalten haben sollen. Ob Prince an der Gründung von Lasa beteiligt gewesen sei, "entzieht sich unserer Kenntnis", sagt Grumeth. Die Sichtung einer der Thrush-Maschinen im Oktober 2014 über Malta wird bestätigt: Sie sei laut Airborne Technologies auf dem Weg nach Kenia gewesen. Laut "The Intercept" sei die Maschine allerdings in den Südsudan geflogen, wo ein Bürgerkrieg herrscht – mittlerweile solle sie in einem "ostafrikanischen Land" gelandet sein.

Prüfung der Eigentumsverhältnisse

"The Intercept" hatte auch berichtet, dass Erik Prince an Airborne Technologies beteiligt sei. Eine solche direkte Beteiligung wurde am Montag in einem "Kurier"-Artikel in Abrede gestellt. Zum STANDARD sagte Grumeth am Dienstag, dass man die Beteiligung gerade prüfe.

Das Firmenbuch weist die Frontier Kapital GmbH als Anteilseigner von Airborne aus. Die Firma soll 25 Prozent am Wiener Neustädter Unternehmen halten und von einem Anwalt namens Dorian Barak geleitet werden. Die Frontier Kapital GmbH gehört wiederum zu 100 Prozent der bahamischen Frontier Opportunities Limited, deren Eigentümer gemäß Börsendokumenten Prince ist. Prince habe sich jedenfalls nie gegenüber Airborne als Anteilseigner zu erkennen gegeben, sagt Geschäftsführer Wolfgang Grumeth.

"Voll im Trend"

Der Luftwaffenexperte Georg Mader erklärt im Gespräch mit dem STANDARD, dass die Umrüstung von Agrarflugzeugen technisch durchaus Sinn ergeben würde. "Das Konzept ist voll im Trend", so Mader. Solche Flugzeuge könnten beispielsweise gegen Rebellen, Terroristen und Aufständische eingesetzt werden. Im Vergleich zu Kampfjets seien solche Flugzeuge um einiges kostengünstiger. Airborne sei Mader in diesem Zusammenhang allerdings nie aufgefallen.

Erik Prince, Burgenland-Aficionado

Erik Prince hat eine Vorliebe für das Burgenland. Der Blackwater-Gründer hat 2013 in Neusiedl am See gewohnt, nachdem er bereits 2012 in Eisenstadt gemeldet war und danach wieder vorübergehend verschwand. Bürgermeister Kurt Lentsch (ÖVP) erinnert sich im Gespräch mit dem STANDARD an den Antrittsbesuch im Gemeindeamt. Dieser sei vom Anwalt des US-Amerikaners vermittelt worden. Lentsch habe Prince nicht gekannt, erst nach dem Treffen sei ihm klar geworden, dass es sich um den Blackwater-Gründer gehandelt habe.

Der Milliardär habe vermittelt, dass er sich in Neusiedl niederlassen wolle, weil es ihm im Burgenland gefalle und er einerseits seine Kontakte nach Osteuropa pflegen und andererseits mit seinen Kindern am Neusiedler See segeln könnte. Im Melderegister scheint Prince heute nicht mehr auf, seine 2013 kolportierten Hausbaupläne hat er offenbar nicht umgesetzt.

Der Bürgermeister habe Prince seit dieser Zeit jedenfalls "bewusst nicht mehr gesehen", dessen Privatleben würde ihn auch nichts angehen. Ob Prince in Neusiedl eine Firma gegründet hat, wie kolportiert wurde? Der Bürgermeister meint dazu, dass er davon nichts wisse und auf ihn diesbezüglich niemand zugekommen sei. Das hätte er auch mitbekommen, denn der vermögende Prince hätte vermutlich "keine Pimperlfirma" gegründet. (Fabian Schmid, Rainer Schüller, 12.4.2016)

  • Der einstige Blackwater-Chef Erik Prince bei einer Untersuchung des US-Senats 2007.
    foto: ap/walsh

    Der einstige Blackwater-Chef Erik Prince bei einer Untersuchung des US-Senats 2007.

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