Dank digitaler Umsätze: Globaler Musikmarkt wuchs signifikant

12. April 2016, 15:24
posten

Verbuchte 2015 ein Plus von 3,2 Prozent – "Nach beinahe zwei Jahrzehnten gab es im Vorjahr das erste wirkliche Wachstum" – Digitaler Verkauf hat physischem den Rang abgelaufen

Die Musikindustrie kann durchatmen: Mit einem Plus von 3,2 Prozent gab es im Vorjahr erstmals seit Mitte der 1990er-Jahre ein signifikantes Wachstum des globalen Marktes. Insgesamt wurden 15 Mrd. Dollar (13,2 Mrd. Euro) umgesetzt, geht aus dem am Dienstag veröffentlichten "Global Music Report" des Branchenverbandes IFPI hervor. Hauptgrund für die positive Entwicklung ist der Digitalsektor.

"Nach beinahe zwei Jahrzehnten gab es im Vorjahr das erste wirkliche Wachstum", erklärte IFPI-Vorsitzende Frances Moore im Rahmen einer Telefonkonferenz. "Wir sind eindeutig Vorreiter in der digitalen Welt." Immerhin ist der digitale Sektor mit 6,7 Mrd. Dollar mittlerweile für 45 Prozent des Gesamtumsatzes verantwortlich, während die physischen Verkäufe auch im Vorjahr Einbußen verzeichneten: 5,8 Mrd. Dollar bzw. 39 Prozent des Gesamtmarktes bedeuten zudem, dass Streaming und Co den physischen Tonträgern erstmals den Rang ablaufen konnten.

Viel Potenzial für Streaming

Im Streaming sehen die Industrieverantwortlichen konsequenterweise auch künftig viel Potenzial: "Im Vorjahr gab es ein Wachstum von 45,2 Prozent", betonte Edgar Berger, CEO von Sony Music Entertainment. "Streaming steht definitiv im Zentrum der Zukunft unseres Geschäfts. Aber wir sollten bereits schneller wachsen." Konkret sprach er damit einen "value gap" an, der auch im Bericht bezüglich digitaler Plattformen herausgearbeitet wird: 68 Millionen User weltweit nutzen sogenannte Abo-Modelle, um auf Musik zuzugreifen. Daraus resultieren geschätzte zwei Mrd. US-Dollar Umsatz. Im Unterschied dazu gibt es aber weitere 900 Millionen Nutzer, die auf freie oder werbe-basierte Angebote zugreifen. Hier werden lediglich 634 Mio. Dollar lukriert.

Dem Musikverband gehe es aber nicht um einen Angriff auf diese Freemium-Modelle, sondern grundsätzlich um jene Anbieter, "die sich nicht an die Regeln halten", unterstrich Moore. "Wir brauchen daher die Unterstützung der Politik. Dieser Marktverzerrung werden wir sonst nicht begegnen können." Gratis-Angebote, die sehr wohl die grundsätzlich vereinbarten Lizenzgebühren erbringen, seien hingegen gute Möglichkeiten, um Nutzer anzusprechen und in weiterer Folge auch für abo-basierte Angebote zu interessieren.

Zuwächse im Gesamtumsatz

Neben dem digitalen und physischen Sektor ergibt sich der Gesamtumsatz noch durch die Performance-Rechte und den Bereich Synchronisation: Auch hier konnten im Vorjahr Zuwächse (von 2 auf 2,1 bzw. von 0,3 auf 0,4 Mrd. Dollar) verzeichnet werden. Die Entwicklungen sind aber keineswegs überall gleich: So gibt es beispielsweise in Europa von Land zu Land große Unterschiede, ist in Schweden etwa Streaming das vorherrschende Geschäftsmodell, während sich die Märkte in Österreich und Deutschland noch nicht so schnell in Richtung Digitalität entwickelt haben. Hier gilt noch immer der physische Tonträger und damit vorzugsweise die CD als primärer Umsatzbringer für die Musikindustrie.

Streamingplattformen sowie Social-Media-Angebote bieten aber nicht nur für die Labels, sondern natürlich auch die Künstler völlig neue Möglichkeiten, wenn es etwa um die globale Vermarktung geht. "Geografische Grenzen verschwinden langsam", urteilte Warner-Music-Group-Chef Stu Bergen. "Und wir werden in den kommenden Jahren noch mehr unterschiedliche Nationalitäten in den Mainstreamcharts entdecken." Gleichzeitig werden für Künstler neue Märkte von Interesse, wie nicht zuletzt das nach wie vor boomende Lateinamerika oder das ebenfalls im Aufschwung befindliche China zeigen. Bis es soweit ist, um an die Zeiten vor der digitalen Disruption anschließen zu können, dauere es allerdings noch etwas. "Wenn wir die Geschwindigkeit des Vorjahres beibehalten können, wird es vielleicht in knapp zehn Jahren soweit sein", meinte Berger. (APA, 12.4.2016)

Share if you care.