Berechnungen zum Zuckerpreis

16. April 2016, 09:29
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Eine Masterarbeit der FH Burgenland kalkulierte penibel die Last des Diabetes

Pinkafeld ist eigentlich der Technikerstandort der burgenländischen Fachhochschule. Aber die Nähe des traditionsreichen Kurortes Bad Tatzmannsdorf ließ es sinnvoll erscheinen, hier seit 2002 auch die Gesundheitsstudiengänge zu versammeln. Und man tut das recht erfolgreich.

Beim Health Research Award für herausragende Masterarbeiten, an dem sich 15 österreichische FH-Gesundheitsstudiengänge beteiligten, gingen gleich drei Auszeichnungen nach Pinkafeld. In der Kategorie "Gesundheitsversorgung" gewann Marilies Bauer mit ihrer "Analyse der Krankheitslast über das Krankheitsbild des Diabetes mellitus Typ 2".

Die Gesundheitsökonomin erhob in ihrer "Burden of Disease"-Studie die konkrete Krankheitslast der Zuckerkrankheit. Jährlich sterben daran rund 2900 Österreicher und Österreicherinnen – das sind immerhin knapp vier Prozent aller Todesfälle. In der Regel geht dem Tod eine lange Zeitspanne deutlich eingeschränkter Lebensqualität voraus.

Die 25-Jährige hat die aus der Zuckerkrankheit resultierenden Kosten nicht nur auf den einzelnen Patienten heruntergebrochen. Sie hat versucht, mittels einer komplexen Patientenstromanalyse die Anzahl der 358.000 österreichischen Patienten in jedem Krankheitsstadium zu erfassen und damit eine genauere Übersicht über die Kostenentwicklung zu gewinnen.

Der durchschnittliche Patient kostet im Jahr 3243 Euro. Das sind immerhin 1,6 Milliarden Euro, wobei der überwiegende Teil – knapp eine Milliarde – auf die Behandlung von Folge- und Begleiterkrankungen entfällt.

Bauers Berechnungen – das war wohl auch der Grund der Auszeichnung – ist exakter als die bisherigen Zahlen und Daten der Sozialversicherungen. Mit einer sogenannten Sensitivitätsanalyse, bei der jeweils eine Variable geändert wird, um so den Einfluss auf das Ergebnis abzubilden, konnte die Robustheit der Daten einer Prüfung unterzogen werden. Einzelne Parameter wurden verändert, dabei zeigte sich zum Beispiel, dass Herz- und Gefäßfolgen die mit Abstand stärksten Auswirkungen hatten.

Diese Berechnungen setzen, lobt denn auch Erwin Gollner, der Leiter des Gesundheitsdepartments der FH Burgenland, die Leistung seiner Schülerin, "hohes medizinisches und ökonomisches Wissen voraus".

Und wohl auch die Fingerfertigkeit, die man sich nur beim wirklichen Tun holen kann. Marilies Bauer hat nach ihrem Bachelor das Masterstudium berufsbegleitend (Bauer: "Das geht nur so.") absolviert. 25 Wochenstunden widmete sie sich am Institut für Pharmaökonomische Forschung der peniblen Berechnung von allfälligen Kostenvorteilen bei neu zuzulassenden Medikamenten.

Der Pinkafelder Masterstudiengang "Management im Gesundheitswesen" ist allerdings nicht nur ökonomisch ausgerichtet. Ein ganz besonderer Fokus, so die Preisträgerin und ihr Betreuer, liege auf den Bereichen Gesundheitsversorgung und Prävention.

Gerade Letztere wäre auch die beste Medizin gegen die Zuckerkrankheit. Ganz essenziell sei es, "Wert auf eine gesunde Lebensweise bereits im Kindesalter zu legen, um den Ausbruch der Erkrankung zu unterbinden". Aber das, sagt Bauer, "ist keine neue Erkenntnis". (Wolfgang Weisgram, 16.4.2016)

  • Marilies Bauer (25) überzeugte mit ihrer Masterarbeit über Zuckerkrankheit.
    foto: privat

    Marilies Bauer (25) überzeugte mit ihrer Masterarbeit über Zuckerkrankheit.

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