Tofino: Mozilla experimentiert mit neuem Browser – auf Chromium-Basis

12. April 2016, 14:10
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"Frische Ansätze längst fällig" – Interner Widerstand, Pläne später auf Gecko umzusatteln

Einst war Firefox so etwas wie der Ritter auf dem weißen Pferd für das Web: War es doch der Mozilla-Browser, der die Alleinherrschaft des Internet Explorers und den damit einhergehenden Entwicklungsstillstand durchbrechen konnte. Jahre später sieht die Situation etwas anders aus: Google hat mit seinem Chrome längst die Führungsrolle übernommen, der Firefox verliert seitdem langsam aber stetig an Marktanteilen.

Neustart

In dieser Situation wollen es nun einige Mozilla-Entwickler mit einem Neuanfang versuchen. Unter dem Namen Tofino arbeitet der Softwarehersteller derzeit an einem experimentellen, neuen Browser. "Was wir von einem Browser wollen – sowohl am PC als auch auf mobilen Geräten – hat sich seit Firefox 1.0 stark gewandelt", argumentiert Mark Mayo, Senior Vice President für das Firefox Projekt im ersten Eintrag am Tofino-Blog. Frische Ansätze seien entsprechend längst fällig.

Alles hinterfragen

In einem zweiten Blog-Beitrag betonen die Entwickler, dass für Tofino alles in Frage gestellt werden soll, was gemeinhin von einem Browser erwartet wird. Von Bookmarks über Tabs bis zur klassischen Adresszeile stehe alles zur Disposition. Es gelte herauszufinden, was wirklich die jeweils besten Lösungen seien – und was nur aus Gewohnheit mitgeschleppt werde.

grafik: mozilla
Einige der frühen Design-Ideen für Tofino.

Chromium-Basis

Dass das Tofino-Projekt Mozilla-intern nicht unumstritten ist, hat hingegen einen anderen Grund. Als Softwarebasis verwendet man nämlich derzeit nicht die Mozilla-Rendering-Engine Gecko sondern Electron, ein Framework zum raschen Erstellen von Programmen auf Grundlage von Googles Chromium. Dies sei für die Erstellung von Prototypen hervorragend geeignet.

Ängste

Gegenüber CNET betont Mayo denn auch, dass die letzten Wochen alles andere als leicht gewesen seien. Mozilla-intern gebe es viele Ängste, dass mit dem Experiment dem Firefox geschadet werden könnte, und Tofino indirekt als Misstrauen gegen die eigene Technologie interpretiert werden könnte. Dies sei aber definitiv nicht das Signal, dass man aussenden möchte.

Positron

Allerdings steht auch Mayo selbst in der Kritik, weil er Tofino angekündigt hat, ohne eine weiteres Projekt zu erwähnen: Unter dem Namen Positron arbeitet Mozilla parallel daran, Gecko leicht in andere Projekte einbettbar zu machen. Ist dies einmal ausreichend stabil, könnte Tofino sich auch wieder von der Chromium-Basis verabschieden.

Offenheit

Dass diese Streitigkeiten öffentlich werden, ist nicht zuletzt aber auch Ausdruck einer größten Stärken von Mozilla: Der offenen Kultur, die einen Einblick in das Projekt erlaubt, wie es bei keinem anderen Anbieter der Fall ist. (apo, 12.4.2016)

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