Cobenzl-Observatorium beendet nach 60 Jahren seine Messungen

12. April 2016, 12:53
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Störeinflüsse durch nahes Wien zu groß geworden – Conrad-Observatorium in Niederösterreich übernimmt

Wien/St. Pölten – In Wien ist ein Stück Meteorologie-Geschichte zu Ende gegangen: Anfang April stellte das geomagnetische Cobenzl-Observatorium seine Arbeit, in dem 60 Jahre lang das Magnetfeld der Erde gemessen wurde. Die Störeinflüsse durch die Stadt sind zu groß geworden sind, berichtete die ZAMG in einer Aussendung. Die Messreihe wird nun im unterirdischen Conrad-Observatorium in Niederösterreich weitergeführt.

Im Cobenzl-Observatorium untersuchte die ZAMG mehr als 60 Jahre lang das Magnetfeld der Erde. Allerdings wurden in den letzten Jahren die Einflüsse der Stadt immer stärker. "Wir registrierten immer mehr Störungen, zum Beispiel durch die U-Bahn und andere elektrische Effekte der Stadt, die im Boden Ströme induzieren. Diese Einflüsse wirkten sich auch deshalb immer stärker aus, weil die Messgeräte immer empfindlicher werden und auch zeitlich immer genauer messen. Wurden früher nur Tagesmittel erhoben, messen wir mittlerweile Magnetfeldschwankungen im Sekundenbereich", sagte die ZAMG-Geomagnetik-Expertin Barbara Leichter.

Insgesamt wird in Österreich bereits seit rund 170 Jahren das Erdmagnetfeld untersucht – die Messreihe zählt somit zu den längsten der Welt. Kontinuierliche Messungen dienten früher vor allem der Navigation, um zum Beispiel in der See- und Luftfahrt den Unterschied zwischen magnetischem und geografischem Nordpol exakt berücksichtigen zu können. Aber auch heute, in Zeiten des GPS, sind geomagnetische Informationen in der Navigation wichtig, da bei einem Ausfall der Elektronik die Ersatzsysteme mit Magnetkompassen arbeiten.

Magnetfeld-Änderungen unter genauer Beobachtungen

Das Magnetfeld der Erde hat aber eine noch fundamentalere Aufgabe. "Es schützt seit mindestens drei Milliarden Jahren alle Lebewesen vor gefährlicher Strahlung der Sonne und aus dem Weltraum. Wir verfolgen daher sehr genau jede Änderung. Gegenwärtig wird das Magnetfeld global um etwa vier Prozent pro Jahrhundert schwächer. In der Erdgeschichte gab es schon mehrmals völlige Umpolungen zwischen Nord- und Südpol, die letzte fand vor ca. 780.000 Jahren statt. Aber auch schon kleinere Schwankungen des Magnetfeldes können große Auswirkungen haben, wenn zum Beispiel sogenannte Sonnenstürme Störungen an Satelliten und in Stromnetzen verursachen", sagte Leichter. (APA, red, 12.4.2016)

  • Das Cobenzl-Observatorium im Jahr 1965: In den Hütten am Stadtrand von Wien wurde zwischen 1955 und 2016 das Erdmagnetfeld gemessen.
    foto: zamg

    Das Cobenzl-Observatorium im Jahr 1965: In den Hütten am Stadtrand von Wien wurde zwischen 1955 und 2016 das Erdmagnetfeld gemessen.

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