ÖH und Rektoren wollen FH-Kosten sehen

12. April 2016, 12:30
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Universitätenkonferenz und Hochschülerschaft verlangen "genaue Zahlen"

Wien – Universitätenkonferenz (Uniko) und Hochschülerschaft fordern in der Diskussion über den Abgleich von Studien zwischen Unis und Fachhochschulen eine Offenlegung der FH-Finanzierung. Derzeit werde behauptet, dass FHs billiger seien. "Diese Zahlen würde ich gerne genau ansehen", sagte ÖH-Chef Philip Flacke in einem APA-Doppelinterview mit Uniko-Präsidentin Sonja Hammerschmid.

"Natürlich macht es für den Bund Sinn, Studien an FHs abzuschieben", sagt Flacke. "Die FH-Finanzierung liegt nicht allein beim Bund, es sind viele Ländermittel dabei." Wenn man nur die Bundesmittel über die Normkostenfinanzierung betrachte, stimme die Rechnung über die billigeren FHs wohl. "Wenn man die Gesamtfinanzierung betrachtet, wäre ich da nicht so sicher."

Fehlende Daten

Hammerschmid hat auch bereits an das Wissenschaftsministerium geschrieben, um diese Daten einzufordern. "Ich fürchte nur, dass auch dort die vollständigen Zahlen nicht verfügbar sind." Die Problematik gehe aber weit über die Finanzierungsfrage hinaus. "Es fehlen etwa auch Informationen, wie viele Bewerber es für die Studienplätze gibt. Wir wissen ja auch, dass nicht alle FHs ihre Studienplätze vollständig füllen."

Die Uniko-Präsidentin stört auch, dass man derzeit eine Detailfrage wie den Fächerabgleich zwischen den einzelnen Hochschulen herausgreife, ohne zuvor eine Strategie für den gesamten Hochschulraum zu erarbeiten. Darüber hinaus müsse es vorgeschaltet auch das Commitment des Ministeriums zu einer kapazitätsorientierten Studienplatzfinanzierung verbunden mit Aufnahmeregelungen geben.

Abgesehen von den von der ÖH abgelehnten Aufnahmeregelungen sieht Flacke dasselbe Problem: "Die Diskussion ist derzeit nicht zu 100 Prozent ergebnisoffen. Im Hintergrund schwingt mit: Es soll eine Verlagerung von Unis an FHs im Umfang X geben. Das ist für mich keine Diskussion. Die Frage muss doch sein: Wie kann der Hochschulstandort künftig aufgestellt sein, und nicht: Wie kann ich möglichst effizient Leute von A nach B schieben."

Die Abgrenzung zwischen Unis und FHs zog Hammerschmid bei der Art der Ausbildung: "Wir Unis bilden forschungsbasiert für die Zukunft aus, denn unsere Absolventinnen und Absolventen müssen den Herausforderungen von morgen gewachsen sein." Die FHs dagegen hätten die Aufgabe, sehr praktisch orientiert für die aktuellen Bedürfnisse der Wirtschaft auszubilden.

Industrie redet mit

"In vielen Fächern kann man Themen finden, die an FHs besser aufgehoben sind und andere Themen an den Unis", meinte Hammerschmid. "Alles, wo man auf Basis von grundlagen- bzw. angewandter Forschung agiert sowie eine breite und interdisziplinäre Bildung im Auge hat, hat an der Universität zu bleiben. Alles andere, wo klar die Industrie die Fragestellung formuliert, passt zum Profil der FHs."

Flacke ortete derzeit eine negative Entwicklung in beiden Hochschultypen: "Ich habe den Eindruck, dass aufgrund der Forderungen aus der Wirtschaft, welche dann schlussendlich leider zu solchen der Politik werden, eine Entwicklung eintritt, die ich schade finde: Unis entwickeln sich zu eher schlechten FHs und FHs zu eher schlechten Unis. Das liegt daran, dass beide aus ihren Kernkompetenzen herausgehen und bestimmte Gruppen bedienen wollen, um auch bei diesen etwas zu erreichen. Ich halte das für einen Grundfehler."

"Doktor muss an Uni bleiben"

Eindeutig ist für Sonja Hammerschmid die Lage bei der Doktoratsausbildung: "Das Doktorat ist klar an den Universitäten zu sehen", betont die Uniko-Präsidentin. "Man muss aber natürlich schauen, dass es vernünftige Kooperationsmöglichkeiten gibt, um den wenigen FH-Studenten, die ein Doktorat anstreben und eine solide wissenschaftliche Ausbildung haben, ein solches zu ermöglichen."

In Bayern habe man etwa Anfang des Jahres ein Programm geschaffen, wo klare Spielregeln dafür definiert worden seien, so Hammerschmid. Für Flacke scheitert diese Durchlässigkeit derzeit aber noch oft an den unterschiedlichen Zugängen von Unis und FHs und einer beideseitigen Vorurteilshaltung. "Wenn man da nachbessert, kann das Doktorat wunderbar an den Universitäten bleiben – vor allem wenn wir über Kooperationen nachdenken, es gibt ja durchaus auch forschungsstarke FHs."

Hammerschmid will beim Doktorat auch den Prestigegedanken nach hinten rücken: "Man muss endlich wegkommen vom Denken: Ich mache mein Doktorat für mein Türschild. Das Doktorat ist dazu da, um den wissenschaftlichen Nachwuchs auszubilden. Das sind zehn bis 15 Prozent der Absolventen." Im Mittelpunkt müsse dabei das eigenständige wissenschaftliche Arbeiten stehen. Daneben solle es aber auch begleitend eine strukturierte Ausbildung vor allem im Soft-Skill-Bereich geben. Die Unis würden auch eine Anstellung dieser jungen wissenschaftlichen Mitarbeiter anstreben.

Das begrüßt auch Flacke. Allerdings habe man zuletzt festgestellt, dass aufgrund knapper Budgetmittel zwar zunächst angestellt werde, dann aber für das Verfassen der wissenschaftlichen Arbeiten eine Bildungskarenz angestrebt werde. Hier müsse das Ministerium budgetmäßig nachbessern. "Wenn ich mitspielen will im Konzert der Großen – und Minister Mitterlehner hat ja zuletzt gesagt, dass dies intellektuell begriffen wurde -, dann will ich intellektuell auch Taten sehen."

Den Fächerabgleich zwischen Hochschulen sehen sowohl Hammerschmid als auch Flacke größtenteils unaufgeregt."Es gibt ja schon viele Beispiele, wo das stattgefunden hat", so Hammerschmid. Das sehe man etwa bei den Natur- und Geowissenschaften an der Universität Graz bzw. Technischen Universität Graz. "Dort schafft man schon gemeinsame Angebote, indem man Curricula zusammenlegt, erweitert und erneuert." Natürlich müssten sich Studierende und Lehrende von einem Ort zum anderen bewegen, das könne man aber lösen. "Ich scheue mich aber nicht davor zu sagen: Vielleicht muss man irgendwo einmal was einstellen." Weitere Beispiele für Kooperationen seien das Messerli-Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität, der Medizinuniversität und der Universität Wien oder die Max Perutz Laboratories der beiden letztgenannten Universitäten.

Negativbeispiel Lehramt neu

"Was halt nicht dabei rauskommen darf, sind solche Konstrukte wie das Lehramtsstudium neu", schränkt Flacke ein. "Diese Clusterlösung ist eine Katastrophe, weil einfach viel zu groß. Aber wenn Fächer etwa bei standortnahen Unis zusammenarbeiten, ist das nichts Ungewöhnliches." Es gebe genug Beispiele von bestehenden einzelnen Unis, die ihre Institute innerhalb der Stadt verteilt hätten. "In Deutschland sind Studierende zum Teil die ganze Zeit am Hin- und Herfahren zwischen Institutsgebäuden. Man muss halt die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Wir fordern ja nicht umsonst ein österreichweites Studierendenticket." Gleichzeitig müsse man schauen, wo eine Zusammenarbeit Sinn macht: "Bei Unis in Salzburg und Wien ist es trotz gut ausgebauter Westbahnstrecke wohl klar übertrieben." (APA, 12.4.2016)

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