Die AUA sucht ihr Heil in China

12. April 2016, 14:06
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Die Airline will Österreich chinesischen Reisenden schmackhaft machen. Dass es da keine Kängurus gibt, muss man auch in Schanghai erklären

Beim Einparken der Boeing 777 auf dem Flughafen in Schanghai muss der Kapitän nachjustieren. "Bitte nehmen Sie noch einmal Ihre Sitzplätze ein", werden die Fluggäste der Austrian Airlines aufgefordert. Der Vogel – der größte in der AUA-Flotte – muss noch einmal einen Meter zurücksetzen. Erst beim zweiten Versuch ist die Parkposition perfekt. Immerhin. Denn was den Versuch der Austrian Airlines betrifft, via Schanghai den chinesischen Markt zu erobern, handelt es sich bereits um den dritten Anlauf. Im Jahr 2000 und im Jahr 2006 wurde die Strecke mangels Erfolgs wieder eingestellt.

Warum jetzt – zu einem Zeitpunkt, wo Chinas Wachstumsraten deutlich zurückgehen – gelingen soll, was man damals nicht geschafft hat, erklärt AUA-Finanzchef Heinz Lachinger so: "Wir glauben, dass jetzt die Wachstumsraten in China und unsere Wettbewerbsfähigkeit passen. Wir wollen die Destination nicht noch ein viertes Mal eröffnen."

Peking, Schanghai und Hongkong

Seit vergangenem Mittwoch fliegt die AUA neben Peking fünfmal pro Woche die Megacity an. Das entspricht 3.000 Sitzen. Die Nachfrage sei so groß, dass ab Mai siebenmal pro Woche geflogen wird. Ab September kommt in der Region Hongkong dazu. Dafür wurden andere Langstrecken, die vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls als Hoffnungsmärkte galten, wieder eingestellt: Dubai, Delhi und Tokio erwiesen sich als weniger rentabel als gedacht. Das freiwerdende Fluggerät wechselt in den Asieneinsatz.

Ob die Österreicher diesmal richtig liegen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ein Viertel der Fluggäste sind Businesskunden, die das Angebot eines Direktflugs wohl zu schätzen wissen. Immerhin sind so namhafte Unternehmen wie der Anlagenbauer Andritz, der Beschlägehersteller Blum, die Voestalpine und der Autozulieferer Miba vor Ort. Eine weniger sichere Bank ist der große Rest.

Wachsender Flugmarkt

Vier Prozent der 1,3 Milliarden Chinesen haben derzeit einen Reisepass. Es dürfte nicht mehr lang dauern, bis China die USA als den größten Flugmarkt der Welt ablöst. Der Großteil der Chinesen reist allerdings derzeit in die Nachbarschaft, nach Hongkong, Taiwan oder Südkorea. Gerne fliegt man auch nach Dubai zum Shopping. Sehr beliebt sind darüber hinaus die Malediven. Dorthin reist man, um die Flitterwochen angemessen zu begehen. Die beliebteste Destination der Chinesen ist aber Australien.

Was Europa betrifft, so hat Frankreich die Nase vorn. Aodili – wie Österreich auf Chinesisch heißt – hat hier das gleiche Problem wie im Rest der Welt: Auch auf Chinesisch sind sich die Namen für Österreich und Australien – Aodili versus Aodaliya – zum Verwechseln ähnlich. Dass mit der Enthüllung einer Johann-Strauß-Statue vor dem Shanghai Tower – das mit über 600 Metern Höhe zweithöchste Gebäude der Welt wird in Kürze eröffnet – die Erklärung "Keine Kängurus in Aodili" obsolet wird, darf bezweifelt werden.

Herzliche Österreicher

Dass Österreich in den Reiseplänen der Hoffnungsträger kaum vorkommt, will die AUA mit Unterstützung der Lufthansa ändern. Die gesamte Lufthansa-Gruppe hat im Vorjahr 1,5 Millionen Fluggäste zwischen China und Europa befördert, eine Steigerung um zehn Prozent gegenüber dem Jahr davor. "Jetzt kommen 150.000 neue jährlich mit der Austrian dazu", sagt Jürg Christen, Lufthansa-Verkaufschef für die Region. Die Lufthansa ist in China für die Vermarktung der AUA zuständig. Der heimische Carrier ist mittlerweile gemessen an der Passagierzahl die kleinste Airline im Konzern.

Worin er die Chancen der AUA sieht? "Die Chinesen entdecken jetzt Osteuropa. Für die Reise nach Prag könnte auch Wien ein Ausgangspunkt sein." Christen, der ab Sommer als Verkaufschef für die Premiummarken der Lufthansa Group – Swiss, Lufthansa und Austrian – im Markt Schweiz zuständig sein wird, weiß recht genau, dass das Image der Schweiz bei den Chinesen in Sachen Tourismus und teure Uhren sehr hoch ist und die Lufthansa als verlässliche Business-Airline gesehen wird. Als Verkaufsargument für die Österreicher schwebt ihm "die Herzlichkeit" vor.

China-Anteil soll wachsen

Ob das reicht, um im hart umkämpften Markt zu bestehen, muss sich weisen. Denn die Idee, sich in Ostasien zu verstärken, haben etwa auch die skandinavischen Airlines Finnair und SAS. Die Langstrecke ist bei der AUA wegen der Kapazitätsreduktion im Vorjahr nur um 0,6 Prozent gewachsen. 40 Prozent tragen die Interkontinentalflüge zum Gesamtumsatz bei. Der China-Anteil am Asienverkehr soll sich nun von 2015 auf 2016 knapp verdreifachen. Die Flieger der AUA waren insgesamt im ersten Quartal allerdings schwächer ausgelastet. Sie so voll zu bekommen, dass die Flüge wirtschaftlich sind, ist bisher auch beim zweiten Langstrecken-Standbein Nordamerika – etwa in Miami – noch nicht erreicht.

Steigerung der Produktivität ist bei der AUA also weiterhin angesagt. "Die Ebit-Marge soll sich in den kommenden zwei bis drei Jahren auf vier Prozent verdoppeln", sagt AUA-Finanzchef Lachinger. Um die Maschinen nach Shanghai vollzubekommen, fliegt auch Frachtgut mit. Beim Erstflug waren 20 Tonnen an Bord. Laut Lachinger handelt es sich zum Beispiel um Maschinenteile aus der Steiermark. "Ein paar Tonnen Schokolade von Zotter können aber auch dabei sein." (Regina Bruckner aus Schanghai, 12.4.2016)

Die Reise erfolgte auf Einladung der Austrian Airlines.

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