Kündigung wegen Umarmungen?

12. April 2016, 12:25
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Die Supermarktkette Walmart feuerte einen geistig behinderten Mitarbeiter, der Kunden umarmte. Hunderte solidarisieren sich mit ihm

Frank Swanson ist in seinem Ort beliebt und als enthusiastischer Verkäufer bekannt. Nun wurde er von seinem Arbeitgeber Walmart gekündigt – und das 20 Tage vor seinem 20. Jubiläum bei der Supermarktkette.

Der 52-Jährige pflegte seine Kunden und Kundinnen zu umarmen. Das sei seine Art gewesen, sich bei ihnen zu bedanken, sagte Swanson der "St. Louis Post-Dispatch". Seinen Fans und Unterstützern zufolge war das auch der Grund für die Kündigung. "Walmart hat Frank gefeuert, den süßesten Mitarbeiter, den Sie je treffen werden, weil er einen Kunden umarmte", heißt es auf der Facebook-Seite "Hugs for Frank" (Umarmungen für Frank), die für eine Demonstration vor der Walmart-Filiale am Samstag mobilisieren sollte.

Demo für Frank

Fotos der Demo zeigen Swanson und andere Demonstranten mit Schildern mit der Aufschrift "Free Hugs". Mehrere hundert Teilnehmer sollen gekommen sein, um sich mit Swanson zu solidarisieren. Der sagte einem lokalen Radiosender, dass er sich freue, dass so viele ihn unterstützen.

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Eindrücke von der Demo vor der Walmart-Filiale in Missouri.

Auch unter dem Twitter-Hashtag #hugsforfrank ist ein wahrer Proteststurm gegen die Entlassung losgebrochen. Ein Poster kündigte an, fortan nicht mehr in der Filiale einkaufen zu wollen.

Die Gruppe "Making Change at Walmart", die sich für Arbeitnehmerrechte einsetzt, zeigte sich ebenfalls empört: "Es sieht so aus, als habe Walmart einen Mitarbeiter gefeuert, weil er nett und höflich ist. Also wenn Sie Umarmungen gerne haben und gerne nett zu Kunden sind, bewerben Sie sich nicht bei Walmart", sagte der Sprecher der Gruppe dem "Business Insider".

Teekanne zu günstig verkauft

Swansons Chef soll die Umarmungen tatsächlich als "unpassend" bezeichnet haben, heißt es in der Zeitung "St. Louis Post-Dispatch" – offiziell war aber ein Verstoß gegen die Preispolitik der Grund für die Kündigung.

foto: facebook/judy smith
Frank Swanson hat viele Fans – nicht nur auf Facebook

Swanson habe nämlich die "shop policies" verletzt, und zwar, indem er eine Teekanne um 50 Cent zu billig verkaufte. Eine Kundin habe ihn darauf hingewiesen, dass die Konkurrenz sie günstiger anbiete. Nach den Walmart-Regeln darf ein Kassierer dann einen entsprechenden Nachlass gewähren – aber nur, wenn es einen schriftlichen Beweis gibt. Swanson glaubte der Frau hingegen einfach.

"Es ist nie leicht, einen Mitarbeiter gehen zu lassen", sagte der Walmart-Sprecher dem "Business Insider". "Aber dieser Angestellte hat sich in mehreren Fällen nicht an die Regeln gehalten, weshalb es ein Disziplinarverfahren gab und wir ihm letzten Endes gekündigt haben."

Regelverstöße waren offiziell der Grund für die Kündigung.

Der Aufheiterer

Swanson fühlt sich ungerecht behandelt. "Sie sagen, ich hätte mir die Preise ausgedacht. Bei ihnen klingt es, als hätte ich Lebensmittel einfach verschenkt."

Auch dass ihn seine Chefs wegen der Umarmungen abgemahnt hätten, berichtet Swanson. Er müsse die Kunden fragen, ob er sie drücken dürfe – was er schließlich getan habe. Die Leute hätten daraufhin begonnen, um eine Umarmung zu bitten, sagte Swanson dem Fernsehsender KSPR TV. "Deshalb habe ich weitergemacht." Bei vielen Kunden kam das offenbar auch gut an: "Er ist eine Art Zeichen der Hoffnung, er hat dir deinen Tag schöner gemacht", sagte die Kundin Jenn Harper dem Sender. "Wenn du einen schlechten Tag bei Walmart hattest, heiterte er deinen ganzen Aufenthalt auf."

Auf Jobsuche

Der Grund für Swansons geistige Behinderung ist ein schwerer Autounfall, bei dem er bleibende Gehirnschäden erlitt. Nach dem Rauswurf bei Walmart bewarb er sich Lokalzeitungen zufolge bei anderen Geschäften – und hatte angeblich bereits ein erstes Vorstellungsgespräch, das auch gut gelaufen sein soll. (lib, 12.4.2016)

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