Strache reiste für diskrete Treffen nach Israel

12. April 2016, 15:57
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FPÖ-Chef zu Charmeoffensive in Israel – Israels Außenministerium lehnt offizielle Treffen weiterhin ab

Einen gewöhnlichen Hut – und nicht eine Burschenschafterkappe wie bei seinem Besuch 2010 – trug Heinz-Christian Strache, als er am Dienstag im "Tal der Gemeinden" in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem einen Kranz niederlegte. Nein, es gebe bei ihm keinerlei Kehrtwende und kein Kalkül, sich durch eine Annäherung an Israel und das Judentum in der Welt salonfähig zu machen, versicherte der FPÖ-Chef dem STANDARD: "Ich bin seit 2002 schon fünfmal nach Israel gekommen – ich bin eine ganz andere Persönlichkeit als Jörg Haider. Unter meiner Obmannschaft habe ich immer klargemacht, dass Antisemitismus in meiner Partei nichts verloren hat."

Strache betonte, dass er von der in Israel regierenden Likud-Partei eingeladen worden sei, und in seiner Umgebung wurde signalisiert, es seien sogar diskrete Treffen mit Regierungsmitgliedern vorgesehen. Namen der "hochgradigen Persönlichkeiten" wollte man nicht nennen. Als Vermittler wurden etwa der frühere Likud-Abgeordnete Michael Kleiner und der ehemalige Mossad-Agent und Minister Rafi Eitan (89) genannt.

Offiziell keine Kontakte

Das offizielle Israel blieb bei der Position, dass man keine Kontakte mit der FPÖ wolle und den Besuch vorläufig auch nicht kommentieren werde. Hinter vorgehaltener Hand hieß es indes in Jerusalem, man müsse jetzt angesichts des Erstarkens weit rechts stehender Parteien in Europa diese Position "überdenken". Auch die USA oder Großbritannien hätten da "ein Problem mit der Partei von Haider und Strache". Sowohl in Israel als auch etwa in der jüdischen Gemeinde in Österreich gebe es Stimmen, die dazu raten würden, mit der FPÖ zu reden.

Für Strache ist es "selbstverständlich, dass wir eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel wollen". Er habe die beiden freiheitlichen Landeshauptmannstellvertreter Manfred Haimbuchner und Hans Tschürtz auch deswegen mitgenommen, weil sie durch ihre Koalitionen mit unterschiedlichen Parteien die Offenheit der FPÖ demonstrieren würden.

Solidarität mit Israel zeigte Strache in Fragen, die den Israelis am Herzen liegen: etwa der "Boykott israelischer Produkte und die Kennzeichnungspflicht in der EU, die gegen unsere Stimmen beschlossen wurde". "Insgesamt haben wir ja durch den Islamismus und den Terrorismus eine Situation", so Strache, "in der die Existenz und das Selbstverteidigungsrecht Israels leider immer noch von manchen Ländern nicht akzeptiert werden." (Ben Segenreich aus Jerusalem, 11.4.2016)

  • Heinz-Christian Strache beim Besuch in Yad Vashem.
    foto: reuters / ronen zvulun

    Heinz-Christian Strache beim Besuch in Yad Vashem.

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