Was das Mitlachen verrät

11. April 2016, 21:01
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Lachen gilt als vorsprachlicher Ausdruck für Sympathie. Diese evolutionäre Bedeutung belegt auch eine neue Studie: Sie zeigt, dass wir auch an fremdem Lachen Freunde erkennen können

Wien – Das Lachen ist die sicherste Probe auf einen Menschen, heißt es bei Dostojewski. Wissenschafter haben nun in einem großen internationalen Forschungsprojekt den Beweis dafür angetreten – freilich in einer etwas anderen Bedeutung als jener, die der russische Romancier im Auge hatte. Psychologen wollten wissen, ob wir allein am Lachen etwas über die Beziehung zwischen zwei Menschen erkennen können.

Für ihre Untersuchung haben Gregory Bryant (UCLA) und seine über 30 Kollegen aus aller Welt rund zwei Sekunden lange Lachsequenzen von US-Amerikanern aufgenommen, die entweder gute Freunde waren oder einander zuvor noch nie gesehen hatten. Diese Aufnahmen spielten sie 966 Studienteilnehmern aus 24 Kulturen und Ländern weltweit vor. Darunter waren unter anderem Chinesen, Brasilianer, Ägypter und Hadza, ein tansanisches Jäger-und-Sammler-Volk. Auch Österreicher waren dank Ko-Autor Stefan Stieger (Department für Psychologie der Uni Wien) als Probanden beteiligt.

Verlässliche Einschätzungen

Das Hauptergebnis der Studie, die im Fachblatt "PNAS" veröffentlicht wurde, fiel recht eindeutig aus: Die Testpersonen konnten mit einer Treffergenauigkeit von bis zu 67 Prozent verlässlich unterscheiden, ob es sich bei den lachenden Personen um Freunde oder Fremde handelte. Unterschiede gab es vor allem nach dem Geschlecht der Lachenden: Weibliche Freunde wurden am Lachen öfter erkannt als männliche. Und dass Männer einander fremd waren, konnten die Zuhörer häufiger richtig einschätzen als bei Frauen.

Außerdem zeigten sie eine generelle Tendenz, miteinander lachende Frauen als Freunde einzuschätzen. Die Psychologen untersuchten aber nicht nur die Reaktionen der Zuhörer, die beim freundschaftlichen Mitlachen meist selbst mitlachten, was auch die Forscher immer wieder erheiterte, wie ein Begleitvideo zeigt. Die Forscher analysierten auch das Tonprofil der Lachsequenzen. Als freundschaftlich eingestufte Lacher hatten vor allem eher kurze "Rufe" und weniger gleichmäßige Tonhöhen.

Durch das Zuhören könne man also rasch den Grad der Zugehörigkeit von zwei Menschen einschätzen, resümieren die Wissenschafter. Und das sei für Personen, die neu zu einem Paar oder einer Gruppe dazukommen, evolutionär von Vorteil. (red, APA, 12.4.2016)

  • Dass diese lachenden Personen befreundet sind, sieht man. Wir hätten es aber vermutlich auch rein akustisch am Lachen erkannt.
    foto: ap/ramon espinosa

    Dass diese lachenden Personen befreundet sind, sieht man. Wir hätten es aber vermutlich auch rein akustisch am Lachen erkannt.

  • In diesen Länder wurden die US-amerikanischen Lach-Aufnahmen Probanden vorgespielt.
    bryant et al., pnas

    In diesen Länder wurden die US-amerikanischen Lach-Aufnahmen Probanden vorgespielt.

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