Studie: Anstieg des Meeresspiegels eindeutig vom Menschen verursacht

11. April 2016, 18:38
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Mitte des 20. Jahrhunderts überholte der Einfluss des Menschen die natürlichen Effekte, schreiben Forscher in "Nature Climate Change"

Innsbruck/Wien – Weltweit steigt der Meeresspiegel und damit die Gefahr von Sturmfluten und anderen Widrigkeiten an. Dafür sind eindeutig die vom Menschen verursachten Treibhausgase verantwortlich, berichtet ein internationales Forscherteam mit österreichischer Beteiligung. Seit rund 50 Jahren haben nämlich die menschlichen die natürlichen Einflüsse auf den globalen Meeresspiegel überholt, heißt es in der Studie im Fachblatt "Nature Climate Change".

Im 20. Jahrhundert ist der Meeresspiegel um etwa 20 Zentimeter angestiegen. "Das hört sich nicht so dramatisch an, doch damit können etwa schon kleinere Stürme zu schweren Sturmfluten führen", erklärte Kristin Richter vom Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften der Universität Innsbruck. Weil solche potenziell gefährlichen kleineren Stürme viel häufiger auftreten als große, sei in Zukunft auch öfter mit Katastrophen wie den Überflutungen an der US-Ostküste 2012 durch den Hurrikan Sandy zu rechnen.

Folgenschwere Eisschmelze

Auch die Inselstaaten im Pazifik und dem Indischen Ozean leiden unter dem Anstieg, da sie oft weniger als einen Meter aus dem Meer herausragen, und zum Beispiel ihre Trinkwasserreserven durch Salzwasser unbrauchbar gemacht werden. "Das Steigen der Meeresspiegel ist deshalb eine der folgenschwersten und teuersten Konsequenzen des Klimawandels", so Richter.

Der Meeresspiegel steigt vor allem deshalb, weil weltweit Gletscher und Eisschilder schmelzen und sich das immer wärmer werdende Wasser ausbreitet. Welchen Anteil daran menschengemachte Klimaänderungen haben, ist umstritten. Die Forscher haben dies nun mithilfe von Modellsimulationen untersucht.

Bis 1950 war der Einfluss der menschlichen Aktivitäten demnach mit 15 Prozenten noch relativ gering, doch ab 1970 machte er bereits zwei Drittel aus. Im Jahr 2000 habe der Ausstoß von Treibhausgasen, etwas abgeschwächt durch einen kühlenden Effekt von Aerosol-Emissionen, gar 72 Prozente des Anstieges des weltweiten Meeresspiegels verursacht.

Beschleunigung

"Während wir die Änderungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch mit natürlichen Ursachen erklären konnten, ist das in der zweiten Hälfte nicht mehr möglich", so Richter. Mittlerweile würden menschliche Aktivitäten zweifelsfrei die Hauptrolle spielen.

Man könne auch mit Sicherheit sagen, dass der Anstieg des Meeresspiegels immer schneller vor sich gehe. Aus 1,7 Millimetern pro Jahr um 1900 seien drei Millimeter um das Jahr 2000 geworden. Theoretisch könnte dies zwar auch eine zwischenzeitliche Schwankung sein. "Weil das Abschmelzen der Eisschilder in der Antarktis und in Grönland nun aber verstärkend dazukommt, gehen wir aber davon aus, dass sich dies weiter beschleunigt", so die Forscherin. (APA, red, 11.4.2016)

  • Der globale Meeresspiegel stieg im 20. Jahrhundert um rund 20 Zentimeter an und nahm vor allem ab den 1970er Jahren deutlich Fahrt auf.
    foto: apa/afp/glyn kirk

    Der globale Meeresspiegel stieg im 20. Jahrhundert um rund 20 Zentimeter an und nahm vor allem ab den 1970er Jahren deutlich Fahrt auf.

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