Ein Bild von einem Konzert

11. April 2016, 17:17
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Die Wiener Philharmoniker treffen auf Dirigent Gustavo Dudamel

Wien – Lange Jahre war Gustavo Dudamel der personifizierte frische Wind der globalen Klassikszene. Inzwischen ist das Temperamentbündel aus Venezuela auch schon 35 Jahre alt und hat sich als weiteres Attribut längst die Seriosität gesichert. Sein Griff nach den Sternen lässt sich allein an zwei Momenten der kommenden Saison ablesen, wo er nicht nur das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker leiten wird, sondern auch mit dem Simón-Bolívar-Orchester eine große Tournee unternehmen wird, bei der er sämtliche Symphonien Ludwig van Beethovens unter anderem nach Wien bringt.

Als Vorgeschmack auf die offiziellen Konzerte der Wiener Philharmoniker kommendes Wochenende im Musikverein und am darauffolgenden Montag im Konzerthaus – die Chancen, das Ereignis mitzuerleben, werden im Sinne des Bestrebens, Musik möglichst vielen Menschen nahezubringen, vermehrt – war Dudamel nun bereits in einer hauseigenen Musikverein-Veranstaltung mit demselben Programm zu erleben.

Es ist insofern originell, als es ausschließlich Musik umfasst, die sich auf Bilder bezieht, wenn auch von unterschiedlichem Berühmtheitsgrad. In allen drei Fällen klangen die Philharmoniker und der Dirigent nach üppiger Symbiose, nach Klangsinnlichkeit und tiefem Genuss, waren dabei sowohl verlässlich und solide als auch mit Elan beteiligt: Von samtener Melancholie und voller Klangmagie war Die Toteninsel von Sergej Rachmaninow, ein symphonisches Gedicht nach Böcklins Gemälde. Die Vier Tondichtungen nach Arnold Böcklin von Max Reger wurden wohl untadelig wiedergegeben, blieben jedoch bierernst, akademisch und blutarm – und bildeten insofern einen Kontrapunkt zum Rest des Programms.

Denn natürlich folgte nach der Pause das berühmteste Werk nach Bildern, Modest Mussorgskis Zyklus Bilder einer Ausstellung in der Orchesterbearbeitung von Maurice Ravel: Äußerlich bis auf wenige Bläsereintrübungen souverän und untadelig, mochte zwar manchmal im Gestus die letzte Dringlichkeit fehlen: Das war für das Gesamtbild allerdings nur von geringer Bedeutung, da es ein blitzendes Kaleidoskop der Orchesterfarben voller blendender Effekte entfaltete, ohne dabei oberflächlich zu wirken. Leidenschaftlichkeit und Ernst schließen sich nämlich nicht aus, sondern bedingen einander. Das Wort dafür trifft, was Dudamel inzwischen auch noch ausstrahlt: Reife.

Konzerthaus – Für folgenden Termin gab es zu Redaktionsschluss noch Karten: 18. 4., 19.30

  • Sorgt für frischen Wind in der Klassikszene: Gustavo Dudamel.
    foto: ap/richard shotwell

    Sorgt für frischen Wind in der Klassikszene: Gustavo Dudamel.

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