Stimme Gottes befahl Mordversuch am weiblichen Teufel

15. April 2016, 12:12
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Ein 32-jähriger, nie stationär aufgenommener psychisch Kranker attackierte Passantin

Wien – Gott befahl Markus S. im Sommer 2015, die Welt zu retten – was der 32-Jährige versuchte, indem er auf eine Passantin, in der er den Teufel sah, losging. Unter Vorsitz von Eva Brandstetter müssen Geschworene entscheiden, ob er wegen Mordversuchs in eine Anstalt eingewiesen wird.

Seit drei Jahren spürte der Mann, dass es ihm psychisch immer schlechter ging. Mehrmals suchte der Betriebswirt Hilfe, letztendlich wurde eine bipolare affektive Störung attestiert. Als er merkte, dass die Tabletten nicht den gewünschten Erfolg brachten, bat er sogar dreimal um stationäre Aufnahme, diese wurde ihm allerdings stets verwehrt.

Kurz darauf war er in Wien-Floridsdorf unterwegs. Um sich zu beruhigen, rauchte er einen Joint, was letztendlich eine Psychose auslöste. Plötzlich hörte er die Stimme Gottes, die ihm sagte, dass die Welt untergehen würde und er sie retten solle. Als erste Tat sollte er ein Baby aus einem Lieferwagen retten. Er schlug brüllend die Fensterscheiben eines Fahrzeugs ein, woraufhin die ersten Passanten auf ihn aufmerksam wurden.

Eine 49-jährige Pensionistin kam zufällig des Weges, S. sah in ihr den Teufel. Er rannte schreiend auf die Passantin zu und gab ihr einen heftigen Stoß, worauf die Frau mit dem Kopf auf den Gehsteig knallte und ohnmächtig wurde. "Es war, wie wenn sich ein Schalter in meinem Kopf umlegte", sagt der Angeklagte. Er setzte sich auf sein Opfer und begann sie zu würgen. "Woran haben Sie gesehen, dass sie der Teufel war?", fragt Brandstetter. "Das hab ich einfach gewusst."

Passant half Opfer

Ein zufällig vorbeikommender Autofahrer griff couragiert ein. Er zog den 32-Jährigen von seinem Opfer weg. Zunächst ließ sich der Tobende nicht abhalten, trat noch mit den Füßen auf den Kopf der bewusstlosen Frau, "wie bei einem Fußball", wie eine Zeugin berichtete. Erst als der Helfer mit dem 32-Jährigen Atemübungen machte, ließ der sich beruhigen, legte sich auf den Boden und ließ sich widerstandslos von der Polizei festnehmen.

Der unbescholtene, unauffällig wirkende Angeklagte, der sich bis zum Prozess auf freiem Fuß befand, suchte sich gleich nach dem Vorfall Hilfe in einem Krankenhaus. Laut Gerichtspsychiater Karl Dantendorfer geht von dem Beschuldigten keine Gefahr aus, wenn er sich an die Therapie hält und kein Cannabis konsumiert.

"Dass Sie dreimal nicht stationär aufgenommen wurden, ist ein eigentlich ein Skandal", konstatiert Vorsitzende Brandstetter in ihrer Urteilsbegründung. Der Senat entscheidet sich, nicht rechtskräftig, für eine bedingte Einweisung mit Auflagen. (APA, moe, 12.4.2016)

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