Abtreibungsgegner hielten Vorträge in Schulen

12. April 2016, 07:00
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Mitglieder der Gruppe "Jugend für das Leben" besuchen Schulen. In der Steiermark sind sie nicht mehr erwünscht

Wien – Das "Modell aus Plastik" kostet einen Euro. Auf der Homepage der Initiative "Jugend für das Leben" können Interessierte sich einen Fötus im Alter von zwölf Wochen bestellen. Die Gruppe versteht sich als "Bewegung für den Lebensschutz in Österreich".

Die Abtreibungsgegner halten auch Vorträge in Schulen, in denen es eigentlich um Sexualaufklärung gehen sollte. Dort verteilen sie Föten aus Plastik und zeigen auch ein Video, das ein Ultraschallbild eines Fötus zeigt. Die bewegten Bilder stammen aus dem umstrittenen Film "Der stumme Schrei", in dem auch ein Fötus während der Abtreibung gezeigt wird.

Kritik von den Grünen

Jüngst hat ein Einsatz in der Neuen Mittelschule Mureck in der Steiermark für Aufregung gesorgt. Eine Mutter beschwerte sich beim Landesschulrat, nachdem ihr Kind verstört heimgekommen ist. Der Landesschulrat hat die Initiative nun von der Liste seiner Empfehlungen für den Besuch des Religionsunterrichts gestrichen. Besuche von externen Experten seien zwar begrüßenswert, müssten aber genau geprüft werden, heißt es in einem Schreiben.

Kritik an den Schuleinsätzen der Initiative kommt jetzt von den Grünen. "Es ist unzumutbar, 14-Jährige mit Abtreibungsvideos zu konfrontieren. Das ist nicht sachliche Aufklärung, sondern Angstmache und ekelerregende Schocktherapie", sagt Bildungssprecher Harald Walser zum STANDARD. Er will nun in einer parlamentarischen Anfrage vom Bildungsministerium wissen, wie oft die Initiative bereits in Schulen im Einsatz war und welche Maßnahmen angedacht sind, um solche Art von "Lebensschutz"-Workshops zu unterbinden.

Wolfgang Kostenwein, psychologischer Leiter des Instituts für Sexualpädagogik, sieht in den Handlungen der Initiative eine "sozialpädagogische Grenzüberschreitung", die Jugendliche in eine Richtung dränge. Bei Sexualpädagogik gehe es darum, Menschen darin zu unterstützen "eine für sich passende Entscheidung zu treffen", sagt er zum STANDARD. Es müssten mehrere Aspekte miteinbezogen werden, etwa auch, wie sich ein Kind auf das Leben der Mutter auswirke.

"Anschauungsmaterial"

Carina Eder, Pressesprecherin von "Jugend für das Leben", findet es schade, dass die Steiermark die Einsätze an den Schulen ablehnt. Die Schüler seien sehr interessiert und nicht angeekelt von den Informationen, die ihre Initiative zur Verfügung stelle. Das Austeilen der Plastikföten verteidigt sie im Gespräch mit dem STANDARD. "Das ist Anschauungsmaterial." Man teile den Schülern lediglich biologische Fakten über Föten mit. Über Verhütungsmittel werden die Jugendlichen in den Kursen nicht aufgeklärt, räumt sie ein. Vielmehr gehe es darum, den Schülern Alternativen zu Abtreibungen aufzuzeigen. (Lisa Kogelnik, 12.4.2016)

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