Norbert Hofer steht zu seiner Glock

12. April 2016, 05:30
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Im Wahlkampf betont der blaue Kandidat auffallend oft, dass er gern schießt – und sich notfalls auch gegen Übeltäter wehren kann

Wien – Norbert Hofer (45), Dritter Nationalratspräsident und Hofburg-Anwärter der FPÖ, steht in seinem Wahlkampf ausdrücklich zu seiner Glock. Neulich erklärte er in der sonntäglichen ORF-"Pressestunde", dass für ihn angesichts der Flüchtlingskrise die steigende Zahl an Waffenbesitzern nachvollziehbar sei, weil: "In unsicheren Zeiten" versuchen die Menschen, sich zu schützen – wie etwa auch mit der Installation von Alarmanlagen.

Ähnlich hat sich zuletzt auch schon Robert Lugar, Klubchef des Team Stronachs, geäußert, der sich ebenfalls eine Pistole von diesem Hersteller anschaffen will. Stehen jetzt immer mehr Mitglieder des Nationalrats als Volksvertreter plötzlich auf Waffen?

Vor halbem Jahr zugelegt

Auch Hofer hat sich seine Glock erst vor einem halben Jahr zugelegt. Als privater Sportschütze hat sich der Burgenländer aber schon vor Wochen dazu bekannt: "Ich schieße einfach gerne."

Via ORF präzisierte der Inhaber eines Waffenpasses (siehe Wissen unten), dass er auch aufgrund seiner "exponierten Position in der Politik" seine Pistole dann und wann schon mit dabei gehabt habe. Der Grund dafür: "Es gibt leider auch verrückte Menschen."

Auf Anfrage ergänzt Hofers Mitarbeiter Martin Glier, dass Hofer seine Waffe beim aktuellen Stimmenfang freilich nicht trage – auch weil er als Dritter Nationalratspräsident ohnehin Personenschutz genieße. Trotz alledem erhöhe der Waffenbesitz Hofers "subjektives Sicherheitsgefühl".

Keine Pistole als Präsident

Dass er sein Sport- wie Selbstverteidigungsgerät, wie sie auch Polizisten als Dienstwaffe tragen, fallweise auch in die Hofburg mitnimmt, hat der blaue Kandidat bereits verneint: "Ich kann als Präsident keine Waffe mit mir tragen!" Bestimmter Nachsatz: "Das ist unmöglich."

Auf Hofers Instagram-Account kann man jedenfalls sehen, dass auch seinem Nachwuchs der Umgang mit Waffen schon vertraut ist. Auf der sozialen Plattform präsentiert er seine Kinder stolz beim Schießtraining, denn: "Meine Tochter trainiert Biathlon." (Nina Weißensteiner, 12.4.2016)

WISSEN

Waffenbesitz

Der Unterschied zwischen Waffenbesitzkarte und Waffenpass ist leicht erklärt: Erstere Urkunde erlaubt über 21-Jährigen den Erwerb, jedoch nicht das Bei-sich-Tragen von Schusswaffen der Kategorie B, worunter Faustfeuerwaffen, Repetierflinten, halbautomatisches Gerät fallen.

Inhaber eines Waffenpasses dürfen Schießeisen der Kategorie B sowohl erwerben und besitzen als auch führen. Eine Waffe führt, "wer sie bei sich hat", heißt es penibel unter Paragraf 7 des Waffengesetzes.

Für beide Berechtigungen braucht man unter anderem ein psychologisches Gutachten darüber, dass der Antragsteller nicht dazu neigt, insbesondere unter psychischer Belastung mit Waffen unvorsichtig umzugehen bzw. dass er diese leichtfertig verwendet. Das Zertifikat ist übrigens nicht erforderlich, wenn die Person Inhaber einer gültigen Jagdkarte ist.

Waffenbesitzer müssen von der Exekutive außerdem Kontrollen über sich ergehen lassen. Schusswaffen wie Munition sind zu Hause sicher zu verwahren, sodass diese vor unberechtigtem Zugriff geschützt sind. Falls dabei geschludert wird, droht der Entzug der Dokumente. (nw)

  • Hofburg-Anwärter Hofer hegt Verständnis dafür, dass sich die Leute "in unsicheren Zeiten" Waffen anschaffen.
    foto: apa / helmut fohringer

    Hofburg-Anwärter Hofer hegt Verständnis dafür, dass sich die Leute "in unsicheren Zeiten" Waffen anschaffen.

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