USA wollen auch schwere Drohnen über Städten zulassen

11. April 2016, 14:25
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Ein Expertenkomitee empfiehlt der US-Flugbehörde die Zulassung von Drohnen über Menschen. Bis Sommer wird eine Gesetzesänderung erwartet

Washington/Wien – Die US-Flugsicherheitsbehörde FAA könnte schon bald den Einsatz von Drohnen auch in Städten und über Menschenansammlungen zulassen. Eine entsprechende Empfehlung wurde am 1. April von einem Komitee eingereicht und liegt der Behörde zur Begutachtung vor.

Die FAA ist zwar nicht an den Vorschlag gebunden, eine Genehmigung ist jedoch wahrscheinlich: Eingebracht hat den Vorschlag ein Komitee, das die FAA im Februar selbst ins Leben gerufen hat. Darin sind mit 27 Verbänden alle relevanten Vertreter der Branche versammelt, von Luftfahrtexperten über Telekomunternehmen bis hin zur Spielwarenindustrie.

Auch Vertreter von Google und Gopro, Hersteller kleiner und robuster Videokameras für Alltag und Extremsport, sind Teil der Expertengruppe. Die FAA hatte die verschiedenen Interessenvertretungen zusammengebracht, um sich das Vermitteln zwischen den Positionen zu ersparen. Ihre Mission: das Ausarbeiten von Voraussetzungen, unter denen Drohnen über Menschen eingesetzt werden dürfen. Ursprünglich sollte es nur um Mikrodrohnen gehen, letztendlich wurde jedoch kein Gewichtslimit nach oben gesetzt.

Einprozentige Verletzungsgefahr

Der eingereichte Vorschlag sieht stattdessen eine hauptsächlich risikobasierte Klassifizierung von Drohnen in vier Untergruppen vor. Die erste Kategorie umfasst Drohnen mit einem Gewicht unter 250 Gramm inklusive technischer Ausrüstung, die laut den Experten weitgehend ungefährlich sind. Diese sollen ohne Höhenbeschränkungen zum Einsatz in Städten und über Menschenansammlungen zugelassen werden. Demnach wären sie vollständig zur kommerziellen Nutzung freigegeben.

Auch schwerere Drohnen sollen für die Verwendung über Menschen zugelassen werden. In der zweiten Kategorie muss der Hersteller allerdings bei Crashtests nachweisen, dass die Gefahr einer "schweren Verletzung" im Falle eines Absturzes oder einer Kollision unter einem Prozent liegt. Bis zu mehrere Kilogramm schwere Quadrocopter (Hubschrauberdrohnen mit vier Rotoren) können in diese Kategorie fallen.

Sechs Meter Sicherheitsabstand

Die Drohnen der übrigen beiden Kategorien sind gefährlicher. Die Verletzungsgefahr im Fall eines Absturzes liegt hier bei bis zu 30 Prozent. Dem Vorschlag zufolge sollen aber auch sie über Menschen fliegen dürfen, wenn auch nicht über dichtgedrängten Menschenmengen. Für die Drohnen der Kategorien zwei bis vier ist außerdem ein Sicherheitsabstand vorgesehen: Sechs Meter über den Köpfen der Menschen und drei Meter horizontal von ihnen entfernt sollen sich die größeren Drohnen frei bewegen dürfen.

Ein gewisses Risiko wird also in Kauf genommen. Die Small UAV Coalition als Lobbyinggruppe der Drohnenindustrie bezeichnet diese Gefahr jedoch als "nominell": Drohnen würden "eher Leben retten als gefährden".

Ähnlich wie in Österreich ist in den USA die kommerzielle Nutzung von Drohnen über Menschen untersagt. Der eingebrachte Vorschlag könnte das schon bald ändern: Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, wird eine Änderung der Gesetzgebung bereits im Sommer erwartet. Eine Annahme des Expertenvorschlags würde die kommerzielle Nutzung von Drohnen durch TV-Sender und Telekommunikationsanbieter ermöglichen. Der US-Onlineversandriese Amazon träumt schon seit längerem von einem Drohneneinsatz bei Paketlieferungen. Die Auswirkungen einer Annahme des Vorschlags auf die Gesetzeslage in Europa sind noch unklar.

Staatliche Prüfungen abgelehnt

Laut einem FAA-Sprecher fand der Vorschlag im Expertenkomitee breite Zustimmung. Es gab jedoch auch kritische Stimmen: Die Academy of Model Aeronautics (Ama), eine Interessenvertretung für Hobbypiloten von Drohnen und Modellflugzeugen, warnte vor negativen Auswirkungen auf die öffentliche Meinung über Drohnen. Die Gesellschaft sei ohnehin sehr sensibilisiert, und der Vorschlag, Drohnen in nächster Nähe von Menschen fliegen zu lassen, könne bestehende Ängste weiter schüren, sagte ein Ama-Sprecher.

Pilotenvertreter im Komitee hatten zudem auf staatlichen Prüfungen und Sicherheitschecks des Hintergrunds von Drohnenpiloten bestanden, die es aber nur als "zusätzliche Forderung" in den Vorschlag schafften. Die Mehrheit im Komitee lehnte staatliche Prüfungen ab. Stattdessen soll ein Onlinetest zur Überprüfung der Fachkenntnisse reichen. (Elena Pramesberger, 11.4.2016)

  • Drohnen bis zu einem Viertelkilo Gewicht sollen ohne Höhenbeschränkungen zum Einsatz in US-Städten und über Menschenansammlungen zugelassen werden.
    foto: ap/john locher

    Drohnen bis zu einem Viertelkilo Gewicht sollen ohne Höhenbeschränkungen zum Einsatz in US-Städten und über Menschenansammlungen zugelassen werden.

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