IS erobert Ortschaft nahe türkischer Grenze zurück

11. April 2016, 21:11
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Extremistenmiliz konnte Hochburg nördlich von Aleppo einnehmen – Assad-Regime offenbar zu Friedensgesprächen ohne Vorbedingungen bereit

Aleppo – Die in die Defensive geratenen IS-Milizen haben in Syrien eine ihrer Hochburgen in der Nähe zur türkischen Grenze von anderen Aufständischen zurückerobern können. Die Kämpfer der Extremistenmiliz Islamischer Staates (IS) hätten die Ortschaft al-Rai am Montag eingenommen, berichtete die oppositionelle "Beobachtungsgruppe für Menschenrechte".

Erst am Donnerstag hatten von der Türkei unterstützte Rebellen, die zur Freien Syrischen Armee zählen, den IS aus dem Ort vertrieben. Die Ortschaft liegt nördlich der Metropole Aleppo, um die Truppen des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad einen immer engeren Ring ziehen. Rebellen berichteten von verstärktem Beschuss durch die Armee, Panzer und Raketenwerfer rückten auf die Stadt vor. Auch die russische Luftwaffe habe wieder Angriffe in der Region geflogen. In der Region sind sowohl extremistische Gruppen wie der IS oder die Al-Nusra-Front, als auch vergleichsweise gemäßigten Rebellengruppen aktiv, die vom Westen unterstützt werden.

Die USA warfen dem syrischen Regime in diesem Zusammenhang vor, wiederholt die ausgehandelte Waffenruhe gebrochen zu haben. Die "breite Mehrheit der Verstöße" gehe von den Truppen von Präsident Bashar al-Assad aus, sagte Vizeaußenamtssprecher Mark Toner am Montag in Washington. Die Regierungseinheiten würden Gruppen unter Feuer nehmen, für die die Waffenruhe gelte. "Wir sind sehr, sehr beunruhigt über den jüngsten Anstieg der Gewalt", betonte Toner.

Verhandlungen "ohne Vorbedingungen"

Indes zeigt sich die syrische Regierung nach einem Bericht des staatlichen Fernsehens zu Friedensgesprächen ohne Vorbedingungen bereit. Das habe die Regierung in Gesprächen mit dem UN-Sondergesandten Staffan de Mistura in Damaskus mitgeteilt, meldete der Sender am Montag. Die Gesprächsrunde soll am 15. April in Genf beginnen. Die vorangegangene Verhandlungsrunde war am 24. März ohne große Fortschritte unterbrochen worden.

Der syrische Außenminister Walid al-Muallem hatte mit De Mistura gesprochen. Dabei warf er einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zufolge den Rebellen vor, im Auftrag der Türkei und Saudi-Arabiens die Waffenruhe systematisch zu verletzten, um die Bemühungen um Friedensverhandlungen zu unterlaufen.

Hilfslieferungen

Der UN-Gesandte appellierte außerdem an die syrische Regierung, mehr humanitäre Hilfe in den Kriegsgebieten zuzulassen. Vergangene Woche verweigerte die Regierung in Damaskus den Vereinten Nationen (UN) die Lieferung von Lebensmitteln in die von der Armee belagerten Orte. Die Belagerung von Städten und Dörfern gehört zur Kriegstaktik aller Seiten in dem Konflikt.

Über der von der IS-Miliz eingeschlossenen Stadt Deir al-Zor warf das UN-Welternährungsprogramms (WFP) Lebensmittel an Fallschirmen ab. Damit habe erstmals seit Beginn der IS-Blockade im März 2014 Lebensmittelhilfe die eingeschlossenen Menschen dort erreicht, teilte die UN-Organisation am Montag in Genf mit. In Deir al-Sor herrscht nach Angaben des WFP eine große Hungersnot. Die Menschen versuchten, sich von Gras und Wildpflanzen zu ernähren.

Der Abwurf von Lebensmitteln ist die letzte Möglichkeit zur Lieferung von Hilfsgütern. Eine solche Aktion ist aber teuer, gefährlich und kann auch nur einen Bruchteil dessen liefern, was Lastwagen bringen könnten. (APA, 11.4.2016)

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